
"Es gibt keinen Bandleader, wir sind zehn Alpha-Rüden" - Rob Solomon (li) und Stefan Breuer (re) von den Busters im Gespräch mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes
Bereits seit 1987 ist die aus Wiesloch stammende Formation The Busters schon unterwegs und gilt als eine der besten Ska-Formationen Europas. Ein Ruf, der nicht von ungefähr kommt – schon ihr erstes Album „Ruder Than Rude“ von 1988 gilt bis heute unter Ska-Fans als „wegweisend“ und ihre musikalischen Kollaborationen (u.a. mit den Ärzten), sowie zahlreiche Konzertreisen, welche die Band sogar bis nach Japan führten, bescherten den Busters auch außerhalb der Ska-Szene große Popularität. Im Dezember und Januar waren die Herren nun auf ihrer traditionellen „Winter-Club-Tour“, die sie auch in die Frankfurter Batschkapp führte, wo Echo-Live Redakteur Benjamin Metz die Busters Rob Solomon und Stefan Breuer zum Gespräch traf.
Echo-Live: Ihr wart im Juni 2011 auf Einladung der befreundeten venezuelanischen Band „Desorden Público“ und des Goethe-Instituts in Venezuela auf Tour, habt u.a. in der Hauptstadt Caracas ein grandioses Konzert gespielt und nebenbei entdeckt, dass ihr in Südamerika gar nicht mal so unbekannt seid. Der Trip nach Venezuela scheint nicht ganz spurlos an Euch vorübergegangen zu sein, immerhin läuft eure traditionelle Winter-Clubtour unter dem Titel "Brutales 1-2-3!". Wie lief es denn?
Rob Solomon: Super! Interessant ist vor allem, dass Desorden Público das Goethe Institut angesprochen hat, ob man uns nicht mal rüberholen kann. Wir haben ja schon einige Konzertreisen ins Ausland unternommen. Aber irgendwie hat das Goethe Institut nie ein wirkliches Interesse daran gezeigt, uns ins Ausland zu bringen. Schon merkwürdig. Immerhin geht es bei diesen Auslandsbesuchen ja um kulturellen Austausch.
Stefan Breuer: Jetzt sind wir endlich auch für das Goethe Institut „Kultur“ (lachen).
Rob Solomon: Es war wirklich schön, dass die Jungs von Desorden Público das angeschoben haben. Wir kennen und schätzen uns ja schon seit vielen Jahren, daher ist es schön, dass die gemeinsamen Konzerte endlich mal geklappt haben. Zum Glück hat unser Haus- und Hofregisseur Jonas Grosch den Trip auf Film festgehalten, denn das Ganze ging so schnell über die Bühne, dass ich man es kaum festhalten konnte.
Echo-Live: Eure erste Japan-Tour Ende 2004 beeinflusste Euch so sehr, dass ihr später die „EP „Sukiyaki vs. Tokyo Ska Zone“ veröffentlicht habt. Dürfen eure Fans ähnlichen Output auch nach euren Erlebnissen in Südamerika erwarten?
Stefan Breuer: Ja, ziemlich sicher. Wir haben ja nicht nur die Tour „Brutales“ genannt, sondern Alex hat ja auch den gleichnamigen Song geschrieben, der wie die Faust aufs Auge passt. Es ist angedacht, die Zusammenarbeit mit Desorden Público zu vertiefen und sich etwas mehr in der Lateinamerikanischen Ecke umzuschauen. Die Musik gefällt uns allen nämlich ausnehmend gut.
Echo-Live: Eure Karriere geht nun ins 25. Jahr. Sie begann bereits sehr steil: Bereits in euren Anfangsjahren habt ihr mit absoluten Genre-Größen wie Bad Manners oder der Ska Legende Laurel Aitken zusammengespielt, euer Debüt "Ruder than rude" wurde international gefeiert, ihr wart in den USA auf Tour und seid schließlich beim Brachenriesen Sony gelandet. Der ganz große Durchbruch blieb allerdings aus. Woran lag's? Ist das Genre Ska einfach zu wenig Mainstream, oder muss man als Ska-Act mehr Zugeständnisse in Richtung Pop machen, wie beispielsweise Madness, damit der Weg für den ganz großen Erfolg geebnet ist?
Stefan Breuer: So ist das wohl. Sobald es zu rhythmisch, zu konkret wird, erschreckt das die Leute. Da herrscht mittlerweile so eine Weinerlichkeit, vor allem im Radio und in den Charts. Die Leute haben es ganz gerne, wenn sie gar nicht erst mitbekommen, dass der Song überhaupt angefangen hat. Da hast du mit Ska beispielsweise überhaupt keine Chance. Das war auch schon so, als wie noch bei Sony waren. Damals waren Oasis zum Beispiel sehr angesagt und ich kann mir schon vorstellen, dass Leute, die sich etwas vor der Wirklichkeit fürchten, gerne in diesen Britpop-Sound flüchten. Ska ist einfach das genaue Gegenteil. Ska ist der helle Blitz, der durch den Raum zuckt! Und wenn jemand diesen Anblick nicht erträgt, hört er halt lieber ein bisschen Oasis. Man muss allerdings auch sagen, dass man uns bei Sony damals eigentlich gar nicht groß in unsere Musik reingeredet hat.
Echo-Live: Ihr habt immer wieder auch Ausflüge in andere Projekte unternommen, z.B. 1999 haben einige Busters beim Neo Swing-Projekt The Swingvergnügen mitgemacht und das Album „Road Rage“ aufgenommen. 2000 brachten die Busters mit Farin Urlaub die Single „Liebe macht Blind“ heraus. Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Farin?
Rob Solomon: Wir waren mit den Ärzten auf einer Sommer-Festival-Tour, die sich zufällig ergeben hatte. Mit der Zeit haben wir die Band und Farin Urlaub kennengelernt, der dann auch ein richtiger Fan der Busters wurde. Es ist aber generell ein großer Ska-Fan. Wenn es Ska bei den Ärzten zu hören gibt, dann ist das in der Regel ihm zu verdanken. Auf der Tour habe ich ihn dann angesprochen, ob er nicht auch mal etwas für uns machen möchte und im Anschluss an die Konzerte hat er dann gleich drei Songtexte geschickt. So fing das Ganze an.
Echo-Live: Der Single folgte eine bis heute andauernde Zusammenarbeit - die Bläser der Busters spielen 2002 fest in Farin Urlaubs „Racing Team“ mit. Ist das Segen oder Fluch für die Busters? Die Kooperation mit Farin hat der Popularität der Band sicher gut getan, andererseits dürfte es bei eurem vollen Tourplan nicht immer einfach sein, beide Projekte terminlich unter einen Hut zu bekommen.
Rob Solomon: Man muss sagen, dass das Management des Racing Teams durchaus Rücksicht auf die Busters nimmt. Es gab auch schon Angebote, die das Racing Team nicht angenommen hat, weil eben schon Shows für die Busters feststanden. Allerdings plant das Racing Team auch schon immer mindestens ein Jahr im Voraus, sodass Termine schon wirklich lange feststehen und man das entsprechend gut einplanen kann. Ich erinnere mich allerdings an eine Racing Team-Tour, die genau in der Probephase für eine Tournee mit den Busters lag. Das war schon etwas unangenehm. Am Ende haben wir solche Situation aber immer gut meistern können.
Echo-Live: Ihr habt seit jeher einen exzellenten Ruf als hervorragende Liveband. Gerade heute, da den Bands größtenteils die Platteneinnahmen wegbrechen und Geld fast ausschließlich über Konzerte verdient wird, ist ein solcher Ruf viel wert. Und ihr verfügt dank der langjährigen Konzertreisen über eine sehr treue Fangemeinde. Welchen Anteil haben eurer Meinung nach die Konzerte und die Fans an eurem Erfolg und der Langlebigkeit eurer Karriere?
Stefan Breuer: Es tut auf jeden Fall immer sehr gut zu wissen, dass man diese Auftritte haben wird. Das wirkt sich dann auch gefühlsmäßig durchaus auch schon in der konzertfreien Zeit sehr positiv aus. Das gilt auch für die Produktion unserer Alben, finde ich. Wenn man nicht im Kopf hätte, wie sich die Songs später dann live anfühlen werden, wie das Ganze auf Tour funktionieren wird, würden unsere Platten sicher anders klingen. Ich denke schon, dass die Konzerte einen großen Anteil an unserem Erfolg ausmachen.
Rob Solomon: Uns hat auf jeden Fall die Tradition auch immer sehr hochgehalten. Zum Beispiel unsere Wintertour. Das ist einfach immer eine feste Konstante, etwas auf das wir und die Fans uns immer wieder freuen. Und das hilft auch sehr über die Tatsache hinweg, dass wir vergleichsweise wenig Support von den Medien erhalten. Und dieser jährliche Turnus tut uns gut und karibische Musik im Winter – das passt einfach.
Echo-Live: The Busters spielen schon immer in einer großen Besetzung. Aktuell seid ihr zu zehnt und bringt es mittlerweile auch auf beachtliche elf ehemalige Bandmitglieder. Trotzdem scheinen Besetzungswechsel bei euch weniger ins Gewicht zu fallen, wie bei einer „normalen“ Rockband, wo der vor allem der Sänger oder die Sängerin oft unersetzbar scheint. Man hat bei den Busters eher das Gefühl, dass mehr ist als eine Band. Eher ein Schiff unter der Flagge Ska, das immer wieder neue Leute anheuert, wenn andere abmustern aber immer unterwegs ist. Könnt ihr den Gedanken nachvollziehen?
Rob Solomon: Ja, durchaus. Bei uns fühlt sich auch niemand als Bandleader oder macht mit, weil er einen irgendeinen „Bandchef“ bei seiner Sache unterstützen möchte. Wir haben die Band auch nie auf ein bestimmtes Gesicht reduziert. Das macht die Busters aber auch markanter, finde ich.
Stefan Breuer: Wir sind einfach zehn Alpha Rüden (lacht)!
Echo-Live: Wie am Anfang des Gespräches bereits erwähnt, habt in eurer fünfundzwanzigjährigen Karriere vieles Highlights erlebt, die nur schwer zu toppen sind. Sogar das „Konzert für die Ewigkeit“ habt ihr bereits gegeben und Anfang 2011 sogar auf DVD veröffentlicht. Gibt es noch irgendwelche Wünsche, die sich die Band noch nicht erfüllt hat? Wovon träumen die Busters 2012?
Rob Solomon: Das kann man so konkret gar nicht sagen. Das ergibt sich einfach. Wenn ich jetzt einfach mal ein Jahr zurückschaue: Da hatten wir noch überhaupt keine Idee, dass diese tolle Tour in Venzuela sich ergeben würde. Bei unserer Japan-Tour lief das seinerzeit ganz ähnlich. Das lässt uns natürlich immer wieder auch auf eine weitere tolle Überraschung hoffen und das hält es natürlich auch immer wieder spannend. Wir haben zum Beispiel noch nie die Eulen nach Athen getragen, sprich: Wir haben noch nie in Jamaika gespielt.
Echo-Live: 2002 habt ihr euer 15jähriges Bandjubiläum in eurer Heimatstadt Wiesloch mit einem großen Open Air-Konzert vor tausenden Fans gefeiert. 2012 steht nun gar das 25.jährige Bandjubiläum an. Was können eure Fans von euch erwarten? Wie sehen die Planungen für das Jubiläumsjahr aus?
Rob Solomon: Wir haben das ja, wie bereits erwähnt, schon zu unserem 15Jährigem gemacht und das war auch eine tolle, große Sache, aber auch enorm anstrengend. Irgendwie sind wir etwas müde geworden, was solche Feierlichkeiten anbelangt.
Stefan Breuer: Diese ganze Jubiläumsgeschichte – das ist eigentlich auch gar nicht so unser Ding. Wir sind ja kein Familienbetrieb, der sich jetzt die gusseiserne „25“ an die Wand hängt. Natürlich haben wir eine bewegte und tolle Vergangenheit, aber es ist einfach nicht wirklich zielführend, wenn man sich zu sehr mit ihr beschäftigt. Wir leben und arbeiten einfach im Jetzt und eine „25“ ist da eher ein Klotz am Bein.
Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch.