
Mastodon Schlagzeuger Brann im Gespräch mit Echo-Live. Foto: Stefan Holtzem
Typisch für die aus Atlanta stammende Metal-Band Mastodon waren bisher Konzeptalben mit komplexen Gitarrenriffs und sehr langen Instrumentalteilen. Auf ihrem neuen Album „The Hunter“ überraschen sie mit ganz neuen Facetten ihrer selbst und beweisen, dass progressiver Metal auch breitentauglich sein kann, ohne dabei an Qualität zu verlieren. Im Rahmen ihrer Europa-Tournee traf Echo-Live Brann, den Schlagzeuger und Sänger der Band, zu einem Gespräch über das neue Album, ihre Grammy-Nominerung und die Zusammenarbeit mit der Popsängerin Feist.
Echo-Live: Brann, Mastodon ist nun schon einzige Zeit auf Tour. Wie ist euch ergangen?
Brann: Es läuft super. Wir waren in der Schweiz, davor in Italien, Spanien, Portugal und ganz zu Beginn in Skandinavien. Jetzt stehen nur noch etwa zwei Wochen Tour in Europa an und dann ist es vorbei. Das ist auch ganz gut so, denn es ist Winter und damit nicht die beste Zeit, um so weit weg von zu Hause zu sein. Aber die Shows laufen richtig gut. Im Februar geht es dann weiter nach Australien, wo es richtig warm sein wird.
Echo-Live: Ihr wart mit vielen großen Bands wie Black Sabbath, Tool und anderen auf Tour. Seid ihr dennoch lieber selbst Headliner?
Brann: Das hängt natürlich von der Show ab. Wir hatten großartige Shows mit Iron Maiden und den ganzen anderen Bands, die zum Teil ja auch zu unseren Lieblingsbands gehören. Wenn es aber unsere eigene Show ist, ziehe ich mehr für mich heraus. So oder so macht es unglaublich viel Spaß auf der Bühne zu stehen.
Echo-Live: Tool ist eine persönliche Lieblingsband von mir. Wie sind die Jungs privat drauf?
Brann: Sie sind echte Schätzchen (lachen). Danny, der Schlagzeuger, ist ein enger Freund von uns. Schon bevor wir zusammen auf Tour waren. Wenn wir alle in LA sind, hängen wir oft zusammen in Dannys Haus ab.
Echo-Live: Kommen wir auf das neue Album zu sprechen: „The Hunter“. Nachdem die bisherigen Alben den Elementen gewidmet waren, ist „The Hunter“ anders. Was ist die Geschichte hinter eurem neuen Album?
Brann: Die Elemente haben wir als Sprungbrett für die bisherigen Alben genutzt, um darauf aufzubauen. Auf „The Hunter“ gibt es kein Konzept. Es ist lose gehalten. Dadurch hatten wir mehr Spaß und weniger Stress bei der Aufnahme als bei den Konzeptalben zuvor. Im letzten Jahr hatten wir zum Teil eine harte Zeit in unserem Privatleben und daher das Bedürfnis, es innerhalb der Band so stresslos wie möglich zu halten. Wir haben uns von den bisherigen, selbst auferlegten Zwängen befreit. Es ist schwer einen 15minütigen Song mit möglichst komplizierten Aufbau zusammen zu stellen. So gut das Ergebnis bei den alten Alben auch war, war es ein harter Weg dorthin. Für unseren eigenen Frieden haben wir uns eine vereinfachte Version von uns selbst erlaubt und es ist richtig gut geworden.
Echo-Live: Wie kann man sich diese neue Form der Arbeit vorstellen?
Brann: Es hat auf jeden Fall mehr Spaß gemacht. Wir waren nicht so verbissen mit uns selbst und haben uns Simplizität erlaubt. Das Riff zu „Curl Of The Burl“ hätten wir früher sicher nicht so akzeptiert und hätten es versucht komplizierter zu gestalten, damit der Hörer auch nicht so leicht in den Song findet. Nun haben wir den Song aber sein lassen und haben weiter gemacht. Wir haben den Song nicht über Monate zu Tode bearbeitet, um am Ende frustriert zu sein.
Die alten Alben waren eine Art Achterbahnfahrt, was auch ok war, weil wir in unserem restlichen Leben keine Probleme hatten. Nun brauchten wir etwas, dass uns von dem Sonstigen in unserem Leben entspannte.
Echo-Live: Wollt ihr diese vereinfachte Form der Arbeit zukünftig für euch beibehalten?
Brann: Das weiß ich nicht. Es ist wichtig, die Dinge zu nehmen, wie sie kommen und zu sehen, was die Zukunft bringt. Wir wollten „The Hunter“ aufnehmen, aber es konnte nicht auf die selbe Art passieren, wie bisher. Wir waren auch müde von den Konzeptalben und wollten nicht als die Band gelten, die nur Konzeptalben macht.
Echo-Live: Wie haben die Fans auf die Veränderung reagiert?
Brann: Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich habe viel Positives gelesen, aber natürlich gibt es wie immer auch negative Reaktionen. Die Shows, die wir gespielt haben, waren jedenfalls großartig. Es ist ja auch irgendwie nebulös, was den Leuten gefällt und was nicht. Ich weiß, dass ich es mag! Die Jungs mögen es! Wir lieben es!
Echo-Live: Ihr habt das Album Brents Bruder gewidmet, der bei der Jagd ums Leben kam. Hat der Tod auch die Texte des Albums beeinflusst?
Brann: Viele der Riffs waren vor seinem Tod bereits geschrieben worden. Aber natürlich kamen einigen Texte von Brent. Als Jugendlicher dachte ich immer: Diese Rockstars haben ein cooles Leben. Spielen andauernd Shows und alles ist großartig und unglaublich.
Man denkt nicht daran, dass sie auch Familie, Probleme und so weiter haben. Die Musik, die man macht, ist und sollte zum Teil eine Reflektion des eigenen Lebens sein. Für Brent war es auch wichtig, beschäftigt zu bleiben und nicht rumzusitzen und dabei depressiv zu werden.
Echo-Live: Das alles hört sich schon nach einer Art Neuerfindung von Mastodon an. Würdest du dem zustimmen?
Brann: Schon irgendwie. Für mich fühlt es sich zwar immer noch wie Mastodon an, aber viele Bands bleiben ganz nah an dem, was sie immer gemacht haben. Wir brauchten jedoch etwas Neues und Überraschendes. Wir werden von unterschiedlicher Musik beeinflusst und du kennst uns zwar so und so, aber wir können auch anders. Auch wenn es Leute von uns nicht erwarten, steckt alles mögliche in unserem Musik-Vokabular.
Echo-Live: Kam so auch die Arbeit mit Mike Elizondo zustande, der eigentlich Hip Hop-Produzent ist und unter anderem mit Dr. Dre und Eminem zusammen gearbeitet hat?
Brann: Als er uns angefragt hat und mit uns zusammen arbeiten wollte, waren wir genauso überrascht wie alle anderen auch. Aber wir sehen uns grundsätzlich nicht als die Band, die mit einem traditionellen Metal-Produzenten zusammen arbeitet. Mike hat uns besucht, war von unseren Sachen begeistert und von da an, war er einfach unser Mann. Wir brauchten auch dringend jemanden, der mit uns arbeitet und uns antreibt. Wir hatten unsere Songs fertig geschrieben, jedoch nur etwa einen Monat um sie aufzunehmen, bevor wir auf Europatour mussten. Wir hatten Angst, dass wenn wir die Songs zu lange ruhen lassen, sie schlecht werden könnten wir sie dann nicht mehr mehr augenommen hätten. So wie Milch, die zu lange steht und dann nicht mehr genießbar ist. Die Songs sollten produziert werden, so lange sie noch frisch waren und dazu mussten wir uns beeilen. Und tatsächlich schafften wir es mit Mike fast alles fertig zu produzieren.
Echo-Live: Die Pop-Sängerin Feist hat einen Song von euch gecovert und umgekehrt. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit?
Brann: Das war ihre Idee. Die 7-inch wird im April zum Record Store Day veröffentlicht. An dem Tag gibt es überall Aktionen von Künstlern, wie Live-Gigs im Laden oder Autogrammstunden, um unabhänginge Plattenläden zu unterstützen. Diese haben es ja aufgrund von illegalen Downloads immer schwerer zu überleben. Und unser Beitrag ist eben eine Cover-Split-7 zusammen mit Feist
Echo-Live: Mastodons Song "Curl Of The Burl" ist in der Kategorie „Best Hard Rock / Metal Performance" für den Grammy nominiert, der am 12. Februar verliehen wird. Wie stehen die Chancen? Werdet ihr dort sein und was bedeutet euch eine solche Nominierung?
Brann: Ja, ich werde da sein, auch wenn ich nicht glaube, dass wir gewinnen. Die Foo Fighters oder Sum 41 werden das Ding mit nach Hause nehmen. Megadeth ist bereits zum neunten Mal nominiert. Wir gehen hauptsächlich dort hin, um Party zu machen.
Klar könnte ich sagen, dass mir eine solche Nominierung nichts bedeutet, aber es ist allein schon cool zu den Nominierten zu gehören und ein Teil davon zu sein. Aber andererseits ist es natürlich ein Event, das vor allem finanziell motivierte Musik und Musiker mit Preisen versieht. Leider gibt es viele gute Musik, die keine Beachtung von der Jury erfährt.
Echo-Live: Wie geht es für euch danach weiter? Welche Pläne habt ihr?
Brann: Wie gesagt, es steht die Tour in Australien an und danach eine US-Tour. Wir werden auf einigen Festivals in Europa und danach hoffentlich ein paar schräge Gigs im Pazifischen Raum, beispielsweise in China, spielen. Orte, an denen wir noch nicht waren und an denen die Leute ganz anders drauf sind. In Japan waren die Leute total besessen und haben uns Geschenke zum Hotel gebracht. Auf solche ungewöhnlichen Erfahrungen freue ich mich.
Echo-Live: Als letzte Frage: Was ist dein persönliches Lieblingsstück auf „The Hunter“?
Brann: Zur Zeit ist es „The Sparrow“, das letzte Lied auf dem Album.
Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch.