"Wir machen Jungsmusik für Mädchen"

Felix von Kraftklub im Interview mit Echo-Live

Felix von Kraftklub im Interview mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes

Wo Kraftklub auftauchen knallt und ballert es. Die fünf Jungs aus Chemnitz blicken auf einen langen Festivalsommer zurück – der bei uns auf dem Schlossgrabenfest begann. Doch auch auf Tourbühnen zeigten sie als Supportact von Casper und Fettes Brot was in ihnen steckt. Ihr Markenzeichen Collegejacken, Polohemd und Hosenträger. Vom 3. November bis 27. November sind Kraftklub nun auf eigener "Autobahn zur Hölle" Tour. Echo-Live traf Frontman Felix und sprach mit ihm über den Sommer, die Tour und ihr erstes Debütalbum.



Echo-Live: In unserem letzten Interview auf dem Schlossgrabenfest im Mai habt ihr erzählt, dass ein sehr langer Sommer auf euch wartet. Wie war denn im Rückblick nun euer Sommer?

Felix: Sehr lang! (lacht) Aber extrem lustig. Auf jeden Fall haben wir sehr viele lustige Sachen erlebt. Wir waren die ganze Zeit zusammen unterwegs und haben so viel Unsinn gemacht, wie wir in unserem gesamten Leben noch nicht gemacht haben. Das einzige blöde an dem Sommer war, dass wir es nie richtig geschafft haben Baden zu gehen. Immer wenn wir Zeit gehabt hätten, dann war entweder kein gutes Wetter, oder wir mussten ins Studio.



Echo-Live: Auf wie viel Festivals habt ihr gespielt? Bekommt man da nicht irgendwann eine Art Festivalphobie?

Felix: Wir waren auf ca. 35 Festivals. Eine Phobie - auf gar keinen Fall! Es war ja echt genau in der Phase gewesen, wo jedes Wochenende bei jedem Festival immer mehr Leute vor unserer Bühne standen und das war übelst aufregend. Und Festivals sind immer eine andere Hausnummer, als wenn wir wie jetzt auf Tour sind. Auf Tour waren die Auftritte bisher vor ca. vor 500 Menschen. Bei einem Festival, wie zum Beispiel auf dem Rheinkultur Festival standen ab 16 Uhr 10.000 Leute vor der Bühne und das war… krass!



Echo-Live: Wenn ihr für euch als Band einen Slogan erfinden müsstet, welcher Satz würde die Band „Kraftklub“ am besten beschreiben?

Felix: Wir machen Jungsmusik für Mädchen, oder Sex auf Deutsch. (lacht) Beides von uns. Haben wir uns patentieren lassen.



Felix von Kraftklub im Gespräch mit Echo-Live Redakteurin Clarissa Guzy
Felix von Kraftklub im Gespräch mit Echo-Live Redakteurin Clarissa Guzy. Foto: Felipe Fernandes

Echo-Live: Ihr seid eine recht jung zusammengeraufte Band und dennoch habt ihr seit eurer Gründung – Ende 2009 – einiges erlebt. Was hat sich denn für euch alles verändert?

Felix: Am Anfang ist es vielleicht etwas komisch, wenn jemand mit dir ein Foto machen will. Aber wir machen das gerne. Und es ist auch ok. Das Komische ist, dass man selbst so nicht war. Ich wäre nie zu jemand, den ich cool gefunden hätte hingegangen und hätte um ein Foto gebeten. Aber ich find das auf keinen Fall schlimm. Ich mache gerne Fotos mit Leuten. Ansonsten hat sich nur verändert, dass die WG von Karl und mir verschimmelt, weil wir nie da sind.



Echo-Live: In eurer aktuellen Single "Ich will nicht nach Berlin" wehrt ihr euch gegen Berlin. Warum?

Felix: Das hat den Grund, dass wir anfangs unserer Karriere quasi genötigt wurden nach Berlin zu gehen. So jung und grünschnäblig wie wir waren haben wir uns Berlin dann im vergangenen Winter angeschaut. Es hat uns so angeödet, auch wie die Menschen dort miteinander umgehen. Die Vorstellung dort wohnen zu müssen war das größtmögliche Übel für uns. So haben wir noch in Berlin damals den Song geschrieben und mit der Abgabe des Songs haben wir uns gesagt "Wir bleiben in Chemnitz". Und jetzt im Endeffekt ist Berlin gar nicht so schlimm.



Echo-Live: Bisher nur als Supportact auf den Tourbühnen unterwegs nun als Hauptact auf eigener Tour mit dem Namen „Autobahn zur Hölle“. Wie läuft sie bisher für euch? Gab es schon Pannen? Und wie kamt ihr auf diesen Tournamen?

Felix: Es gab haufenweise von Pannen. Unsere komplette Show ist eine einzige Pannenserie. Aber die Tour war bisher mega, rappelvoll, ausverkauft und die Leute sind sehr sympathisch. Wir sind auf Tour gefahren, ohne zu wissen was für Fans wir haben. Nun wissen wir, dass wir echt sehr nette Fans haben. Viele Mädchen sind dabei und die Leute sind gar nicht so jung. Klar haben wir junge Fans dabei, aber auch etwas ältere. Das freut uns natürlich. Und der Tourtitel kommt daher, da wir uns so fühlen, wenn wir auf der Autobahn sind. Das ist das, was uns die komplette Zeit begleitet. Wenn ich jemanden sagen müsste, was das Musikerleben ausmacht oder ist, würde ich sagen, dass das Leben als Musiker sich auf der Autobahn abspielt. Wir sind eben nicht Sex, Drugs und Rock’n’Roll mäßig unterwegs. Wir sind einfach die ganze Zeit im Auto und nur unterwegs. Außerdem ist "Autobahn zur Hölle" ein Zitat aus unserem "Zu Jung" Song.



Echo-Live: Eurer Debütalbum "Mit K" erscheint Anfang 2012. Nach eurer jetzigen Tour und nach vielen Auftritten auf Festivals. Wie viel Perfektionismus steckt hinter dem ersten Album?

Felix: Viel! Wir haben echt viel rumprobiert. Vor allem schafft man diese Umsetzung nicht, da man vor dem Problem steht, dass die Leute die Songs schon kennen. Man schafft in den seltensten Fällen es, die Songs so umzusetzen, dass er sich auch auf der Platte gut anhört und anfühlt. Es ist ein anderes Gefühl einen Song live zu hören, wenn alle um dich herum mitsingen und springen. Wir haben uns deswegen überlegt, es erst gar nicht zu versuchen, dieses Gefühl nachzuempfinden, sondern machen einfach eine Platte, die uns gefällt. Und uns gefällt es, wenn es ballert und knallt.



Echo-Live: Was können die Fans von eurem Album erwarten. Immerhin hast du gerade gesagt, dass es ballern wird?

Felix: Es ballert und es wird nicht so sein, wie das Live-Konzert.



Echo-Live: Ihr seid beim Bundesvision Song Contest von Stefan Raab mit eurem Song „Ich will nicht nach Berlin“ für Sachsen angetreten. Wer den Auftritt von euch gesehen hat, hat auch gesehen, dass ihr in einem kompletten Bodypaint-Outfit die Bühne gerockt habt. Wie seid ihr auf diese doch recht außergewöhnliche Idee für einen Live-Auftritt gekommen?

Felix: Wir haben uns die anderen Bundesvision Song Contest aus den Jahren davor angeschaut und haben uns immer darüber aufgeregt, wie langweilig da alles ist. Da haben wir angefangen rumzuspinnen, was wir machen würden, wenn wir irgendwann mal als Band da stehen würden. Da kam die Idee auf nackt zu spielen. Ein Jahr später wurden wir tatsächlich eingeladen daran teilzunehmen und wir hatten vor vielen Freunden großmäulig versprochen, dass auch durchzuziehen. Wir haben dann nach einer Idee gesucht nicht komplett nackt spielen zu müssen. Sind dann zufällig auf ein Prospekt von einer Motorzeitschrift gestoßen, wo sich auf den heißen Öfen Frauen mit Bodypainting geräkelt haben. So kamen wir auf die Idee.



Echo-Live: Wie viele Qualen waren denn mit diesem Outfit verbunden?

Felix: Extrem viele Qualen! Wir haben eine Komplettrasur sehr unterschätzt. Wir dachten, dass Mädchen das ständig machen und das es nicht so schwer sein kann. Wir waren voll gut vorbereitet, haben uns Mädchenrasierer und Rasierschaum gekauft und dann war das aber eine Tortur. Ich habe mir die kompletten Beine zerschnitten. Das Bodypainting an sich hat fünf Stunden gedauert. Fünf Stunden stehen!



Echo-Live: Kann man von Kraftklub irgendwann eine Lookveränderung erwarten, oder würde das zu sehr am Image der Band kratzen?

Felix: Hm… vielleicht machen wir ein Kraftklub Modelabel auf. Aber klar, vielleicht gibt es irgendwann eine modische Veränderung. Uns ärgert immer, dass es jetzt überall Collegejacken zu kaufen gibt. Da haben wir gar kein Bock mehr mit den Jacken aufzutreten. Aber das mit den Polohemden und den Hosenträger hab ich noch nicht gesehen. Vielleicht bleiben wir einfach dabei.



Echo-Live: Blickt mal in die Zukunft und vervollständigt den Satz: "Das Jahr 2012 wird das Jahr…..".

Felix: … in dem Deutschland Europameister wird und wir immer noch auf der Autobahn sind. (lacht) Wir lieben die Autobahn.



Echo-Live: Danke für das Gespräch!



17.11.2011, Clarissa Guzy

 
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