„Wir haben noch viel zu sagen!“

Suzie Kerstgens und Sten Servaes von Klee im Gespräch mit Echo-Live.

"Wir sind nicht getrieben von irgendwelchen Trends" - Suzie Kerstgens und Sten Servaes von Klee im Gespräch mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes

Mit Hits wie „Gold“ und zahlreichen Konzertreisen hat sich die Kölner Band Klee seit ihrer Gründung im Jahre 2002 eine beachtliche Fangemeinde erspielt und spätestens seit ihrem Erfolgsalbum „Berge versetzen“ und der überaus erfolgreichen Single „Zwei Herzen“ gehört die Band um die charismatische Sängerin Suzie Kerstgens in die erste Reihe der nationalen Pop-Garde. Ganze drei Jahre Zeit haben sich die Kölner für ihr neues Werk „Aus Lauter Liebe“ gelassen, das im August erschien und von der Band aktuell auf großer Tour vorgestellt wird. Echo-Live Redakteur Benjamin Metz sprach mit Suzie Kerstgens und ihrem langjährigen musikalischen Partner Sten Servaes über Lampenfieber, opulente Songs und chinesische Fans.

 

Klee beim Interview mit Echo-Live.
Klee im Gespräch mit Echo-Live Redakteur Benjamin Metz (li). Foto: Felipe Fernandes
Echo-Live: Mitte Oktober begann die Tournee zu eurem neuen Album “Aus Lauter Liebe”. Mittlerweile habt ihr gut die Hälfte der Konzerte absolviert. Suzie soll zu Tourbeginn immer ziemlich aufgeregt sein. Hat sich das inzwischen gelegt? Wie zufrieden seid ihr mit der Tournee bisher?

Suzie Kerstgens: Sehr zufrieden und mittlerweile ist auch alles entspannt. Aber natürlich bin ich immer zu Beginn einer Tour aufgeregt. Aber das ist auch ganz normal, wenn man so etwas Großes unternimmt, denke ich. Man hat immer das Gefühl, dass die Zeit zu knapp ist, dass man noch länger vorbereiten könnte. Als wir dann das erst Konzert der Tour in Krefeld spielten, war aber alles schnell sehr locker, einfach, weil alles sehr eingespielt lief und wir uns voll und ganz auf unser Konzert konzentrieren konnten. Da fiel einiges an Druck ab.

Sten Servaes: Stimmt, es ist auch wichtig, dass man da den Rücken frei hat. Aber so einige gewisse Grundspannung ist auch wichtig. Man sollte nicht zu routiniert an seine Konzerte rangehen.

Echo-Live: Die Songs der neuen CD sind sehr opulent ausgefallen und haben mitunter etwas von den klassischen Chansons der 50er und 60er Jahre. Man hört große Streicherarrangements, Chöre, diverse Orchesterinstrumente. War es schwierig, die neuen Lieder für die Tour auf „Bandformat“ zu trimmen?

Sten Servaes: Nicht wirklich, da wir ja mit den gleichen Musiker die Songs auch schon im Studio erarbeitet haben. Aber wir mussten die Songs natürlich schon für das Live-Set etwas umarbeiten, das stimmt schon. Unser Produzent Olaf Opal spielt ja im Studio auch sehr gerne mit den Möglichkeiten und hat auch zum Beispiel auch mal ein Schlagzeug doppelt einspielen lassen – so etwas können wir auf der Bühne natürlich nicht umsetzen. Ich finde es aber auch generell sehr interessant, dass wir immer wieder auf die Opulenz der neuen Platte angesprochen werden, denn die Platte – insgesamt gesehen- hat natürlich sehr viele Facetten, aber es war uns sehr wichtig, dass jedes Lied im Kern einfach gehalten wurde und eigentlich auch immer mit einem einzigen Instrument funktioniert.

Suzie Kerstgens: In der elektronische Musik gibt es zum Beispiel öfter den Fall, dass Songs mit jeder Menge Schnickschnack überfrachtet sind, aber in sich zusammenfallen, sobald man versucht, sie auf das Wesentliche zu reduzieren.

Sten Servaes: Wobei wir uns bei der Ausarbeitung unserer Songs keine Grenzen gesetzt haben. Wir haben uns da einfach treiben lassen.

Echo-Live: Nicht nur die musikalische Gestaltung von “Aus Lauter Liebe” ist aufwendig, auch das Artwork. Die Fotos, die ihr für das Cover in Paris aufgenommen habt, erinnern an den großen Französischen Fotografen Robert Doisneau und die Filme der „Nouvelle Vague“ aus den späten 50er Jahren. Woher kam dieses frankophile Element?

Sten Servaes: In der Vergangenheit hieß es immer wieder, wir würden sehr britisch klingen – was auch zum Teil sicher stimmt. Aber wenn man sich die Themen, über die wir singen und die Art und Weise wie wir unsere Songs bearbeiten ansieht, merkt man eigentlich schnell, dass da auch ein ganz starker französischer Einfluss mitschwingt.

Suzie Kerstgens: Wir sind mit unseren Aussagen auch einfach sehr direkt. Wir möchten uns nicht verstellen oder jemandem etwas vormachen, wir sind da „eins zu eins“, Gefühle sind einfach eins zu eins. Deswegen spricht auch das Cover so eine klare Sprache und sagt: „Da geht’s lang - das erwartet Dich“.

Sten Servaes: Klar, „Paris – Stadt der Liebe“! Liebe ist ja schon immer unser Thema. Allerdings steht die Stadt auch für philosophische und literarische Ideale und natürlich auch für Freiheit. Und das ist auch ein Thema, das wir schon immer in unsere Songs haben mit einfließen lassen.

Echo-Live: Die neue CD ist auf Anhieb in die Top Ten der Deutschen Charts eingestiegen und das erfolgreichste Album der bisherigen Bandgeschichte, eure Single „Willst Du bei mir bleiben“ läuft ebenfalls sehr erfolgreich. Allerdings kam dieser Erfolg nicht über Nacht, sondern hat sich seit eurem Debüt „Unverwundbar“ von 2003 von Album zu Album nach und nach entwickelt. Wie wichtig war dieses „organische Wachstum“ für euch?

Sten Servaes: Ich denke, dass das ganz gesund und gut für uns war. Wir waren ja nie ein Hype. Aber ich finde, dass wir eine sehr gute Basis haben. Das merkt man auch an unseren sehr treuen Fans.

Suzie Kerstgens: Unsere Entwicklung hat wirklich etwas Nachhaltiges. Uns entdecken immer wieder neue Leute und vor allem: Von sich aus. Nicht, weil sie uns im Radio gehört haben oder eine Werbung gesehen haben. Sondern eher, weil ein Freund uns empfohlen hat, man auf unser Konzert gegangen ist und sich dann das Album gekauft hat.

Sten Servaes: Wir sind auch nicht getrieben von irgendwelchen Trends oder irgendeiner Coolness. Wir sind etwas Verlässliches im Leben unserer Fans. Wir sind Klee, so klingen wir und man wird uns auch in zehn Jahren noch wiedererkennen.

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Klee Frankfurt Batschkapp

 

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Echo-Live: In den drei Jahren, die zwischen eurer letzten Veröffentlichung “Berge versetzen” und dem neuen Longplayer “Aus Lauter Liebe” lagen, habt ihr jede Menge erlebt – ihr wart zum Beispiel viel im Ausland unterwegs, habt u.a. in der Türkei, in China und in Russland gespielt. Welche Eindrücke habt ihr von diesen Konzerten mitgenommen und wie sind eure Songs denn im Ausland aufgenommen worden?

Sten Servaes: Das hat uns alle erstmal umgehauen. Man hat natürlich ein bestimmtes Bild, beispielsweise von China, das sehr von unseren Medien geprägt ist. Man weiß um die politische Situation dort und trägt auch viele Bedenken mit sich. Was wir dort aber dann erlebt haben, was für tolle Menschen wir dort getroffen haben, lässt sich nur schwer beschreiben. Wir haben in China zum Teil vor sehr großem Publikum gespielt und obwohl dort kein Mensch unsere Texte verstanden hat, hatten die Leute das gleiche Lächeln im Gesicht, wie unsere Konzertbesucher hier in Deutschland. Das hatte wirklich etwas Magisches. Wir haben dort sehr viel Liebe erfahren. Ich denke auch, dass viele Gefühle hier auf unser neues Album eingeflossen sind.

Suzie Kerstgens: Wir haben sehr viel aus China mitgenommen, keine Frage. Und wir haben zum Teil auch noch Kontakt zu den Leuten, die wir dort getroffen haben. Das ist wirklich sehr schön. Und mir war damals, bei der ersten Reise schon klar, dass wir dort sicher noch einmal hinfahren würden. Und kurze Zeit später wurden wir gefragt, ob wir wieder in China spielen möchten. Abgefahren, oder?

Echo-Live: Ein weiteres Projekt, das ihr in dieser Zeit in Angriff genommen habt, war die kostenlose CD „Wir halten Zusammen“, die ihr exklusiv für den „Tag der Begegnung 2009“, einem Integrationsfest für behinderte und nichtbehinderte Menschen, produziert habt. Wie kam es zu eurem Engagement in dieser Sache?

Sten Servaes: Wir hatten bereits einige Zeit vorher unseren Song „Zwei Fragen“ für ein ähnliches Projekt der Aktion Mensch zur Verfügung gestellt. Wir haben dann hierzu auch ein Konzert in Berlin gespielt und dort den Vorsitzenden des Landschaftsverbandes, der den „Tag der Begegnung“ organisiert, kennengelernt.

Suzie Kerstgens: Und der Landschaftsverband sitzt ja in Köln. Die haben jedes Jahr zu der Veranstaltung auch immer eine Band eingeladen, und da wir ja eine Kölner Band sind, und wir den „Tag der Begegnung“ gerne unterstützen wollten, fragte uns der Landschaftsverband an.

Sten Servaes: Beim „Tag der Begegnung“ haben wir dann sehr viele tolle Menschen kennengelernt und aus diesen Begegnungen entwickelte sich dann schließlich auch die Zusammenarbeit mit Leuten vom „Tag der Begegnung“ an unserem Song „Natalie“, der auch auf dem neuen Album ist.

Echo-Live: Ihr unterstützt bereits seit Anbeginn eurer Karriere diverse karitative und soziale Projekte. Interessant finde ich eure ganz persönliche Unterstützung für junge Musiker – ihr habt für die aktuelle Tour, fast schon eine Tradition, verschiedene Gäste , wie Johannes Stankowski, die Band Wolke oder Naima Husseini in euer Vorprogramm eingeladen. Wie kam es zu diesem „Förderprogramm“? Die meisten Bands interessieren sich in der Regel nicht sonderlich für ihre Vorgruppen, nicht selten werden diese von der Plattenfirma oder dem örtlichen Veranstalter ausgewählt.

Sten Servaes: Die Leute kommen ja zu unseren Konzerten, weil sie uns, bzw. unsere Musik mögen. Und es wäre einfach keine Art, unserem Publikum einfach irgendeine Band vorzusetzen. Ich finde, wir haben da schon eine künstlerische Verantwortung für den ganzen Abend…

Suzie Kerstgens: …das auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite muss man sich auch in die Supportgruppe reinversetzen. Wie wäre es denn für uns, wenn wir, beispielsweise einfach auf Weisung der Plattenfirma, ins Vorprogramm irgendeiner Band gedrückt würden? Als wir vor ein paar Jahren vor Nena spielen durften, hat sie uns persönlich eingeladen und so sollte das auch sein. Das war eine sehr gute und schöne Erfahrung. Und deshalb verfahren wir mit unseren Vorgruppen genauso.

Sten Servaes: Ich habe vor Kurzem erfahren, dass es in Köln Clubs gibt, in denen die Bands Geld zahlen müssen, um auftreten zu dürfen. Da war ich echt geschockt – das geht gar ja gar nicht! Klar, wir arbeiten in einem Kulturbereich, der überhaupt nicht subventioniert wird und natürlich muss sich das alles irgendwo rechnen. Es ist aber traurig, dass gerade deshalb so viele kleine Bands und Projekte durchs Raster fallen und kaum mehr Möglichkeiten haben, sich zu präsentieren. Deshalb ist uns auch so wichtig, den Künstlern auf unserer Tour diesen Rahmen zu liefern, denn sie liegen uns wirklich am Herzen. Das ist alles ein großes Miteinander.

Echo-Live: Ihr beiden arbeitet nun seit fast 15 Jahren zusammen, habt jede Menge miteinander erlebt. Was würdet ihr gerne noch gemeinsam erleben? Welche Wünsche, Träume habt ihr als Band?

Suzie Kerstgens: Also, heute Abend spielen wir endlich in der Batschkapp – mehr brauche ich erstmal nicht (lacht).

Sten Servaes: Ich weiß, dass sich das jetzt sehr blumig anhört - aber wir haben noch viel zu sagen. Und ich möchte einfach, dass es weitergeht. Dass wir noch fünf Platten machen und noch fünfzehn weitere Jahre zusammenarbeiten – mindestens!

Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch.

08.11.2011, Benjamin Metz

 
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