
Jens Friebe im Gespräch mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes
Jens Friebe ist ein wahrer Tausendsassa: Er ist Journalist, Autor, aber vor allem Musiker, der mit „Abändern“ bereits sein viertes Album veröffentlicht hat. Auf diesem tauscht er Gitarre gegen Klavier und lieferte erneut ein deutschsprachiges Pop-Album ab, das sowohl an Neue Deutsche Welle als auch Hamburger Schule erinnert, um dann mit einer Coverversion der Vengaboys zu überraschen. Vor seinem Konzert im Frankfurter „Bett“ nahm sich der Wahlberliner Zeit für ein Gespräch mit Echo-Live.
Echo-Live: Dein letztes Album „Abändern“ ist im Oktober 2010 veröffentlicht worden und seitdem war es recht ruhig um dich. Was ist in den letzten Monaten bei dir passiert?
Jens Friebe: Ja, die Auftritte jetzt sind zwischen den Alben. Eine Tour folgt meist direkt nach der Albumveröffentlichung. Und nach dem Album ist vor dem nächsten Album. Auch wenn noch kein Studiotermin feststeht, arbeite ich daran. Die Konzerte jetzt haben sich etwas zufällig ergeben. Eigentlich sollte die Band meiner Freundin, in der ich auch Bass spiele, mit Monostars spielen, doch gab es eine Doppelbuchung innerhalb der Band und da hat mich Alfred Hilsberg vom Plattenlabel ZickZack gefragt, ob ich einspringen möchte.
Echo-Live: Dein Schlagzeuger ist erkrankt, so dass du heute alleine und nicht mit der Band auf der Bühne stehst. „Abändern“ wurde mit dem Klavier eingespielt. Wie trittst du alleine auf und fühlst dich wohl ohne Band?
Jens Friebe: Mein Schlagzeuger muss sich von Nierensteinen erholen und ich spiele daher mit der Gitarre und ein paar Songs mit der Unterstützung vom Computer. Alleine auf der Bühne ist bei klassischen Konzertsituationen und richtigen Clubatmosphären manchmal schwierig. Es hat Vor- und Nachteile. Da ich zum Teil schon sehr textlastige Songs habe ist es für Textverständlichkeit und Intimität ganz gut. Um ein ganzes Album allein zu machen, bin ich nicht Songwriter genug. Ich bin auch nicht gut im Fingerpicking, was man dafür schon beherrschen sollte.
Echo-Live: Im Rückblick und Vorblick auf das neue Album: Bleibt es beim Klavier oder geht es zurück zur Gitarre?
Jens Friebe: Das mit dem Klavier werde ich nicht so nicht mehr machen. Für dieses Album war das eine Art Konzept. Man sucht immer nach so Sachen, die einen beschränken, damit man nicht den Unendlichkeiten ausgeliefert ist. Um nicht vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Das ist quasi eine strategische Selbsteinschränkung, wenn man sagt: "Wir machen das nur mit Klavier und Schlagzeug". Bei der nächsten Platte wird es wieder etwas anderes, aber was, weiß ich noch gar nicht.
Echo-Live: Wenn du das Thema Konzept erwähnst: Du hast mal gesagt, dass du Konzeptalben nicht so gut findest. Warum?
Jens Friebe: Bei „Abändern“ ging es nicht um ein inhaltliches Konzept, sondern es war ein klangliches Konzept. Das Klavier als eine Art Dogma.
Zum Konzeptalbum habe ich mal gesagt, dass es gut es ist, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen und dadurch vielleicht auch mehr zu verkaufen. Konzeptalben werden von Leuten oft überwertet. Wie zum Beispiel „Berlin“ von Lou Reed – dem wird so eine Ehrfurcht entgegen gebracht und gilt als Meisterwerkt. Lou Reed hat ganz tolle Sache gemacht, aber „Berlin“ finde ich zu 90 Prozent Schrott. Konzeptalben sind eine ganz gute Werbemaßname. Es genießt so ein komisches Ansehen.
Echo-Live: „Abändern“ ist Ende 2010 erschienen ist und man wartet bereits auf etwas Neues von dir. Aus der musikjournalistischen Sicht: Ich habe das Gefühl, dass ein Album heute im Gegensatz zu früher eine kürzere Lebensdauer hat, im Sinne von, dass es nur kurze Zeit besprochen wird. Wie siehst du das? Gibt es weniger Nachhaltigkeit in diesem Bereich?
Jens Friebe: Für mich ist mein letztes Album noch nicht so lange her. Es ist quasi die normatitve Kraft des journalistschen Betriebs. Es kommt ein Album raus, es wird besprochen und dann nicht mehr. Aber ich würde nicht sagen, dass Alben nicht mehr nachhaltig sind. M.I.A. wirkt beispielsweise immer noch. Toll fand ich das letzte Album von Beirut. Davon wird man länger hören.
Echo-Live: Liegt das hier am Album oder mehr am Künstler?
Jens Friebe: Ich glaube am Album, mit dem Beirut einen Sprung geschafft hat. Es ist weniger Nischenmusik. Ich finde das Album ziemlich gut, weil der Balkananteil nicht mehr im Vordergrund steht, der zum Teil genervt hat. Jetzt ist es einfach ein Pop-Album.
Echo-Live: Du bezeichnest deine Musik auch als Pop. Musikwissenschaftlich, immerhin hast du das einige Semester studiert: Ist das populäre Musik, die du machst?
Jens Friebe: (lacht) Pop ist ein sehr weites Feld, weswegen ich es ganz gerne benutze, um mich nicht selbst so einzugrenzen. Es fällt auf jeden Fall im weiteren Sinne unter Pop. Die feinen Zuspitzungen überlasse ich dann aber anderen.
Echo-Live: Vengaboys machen vielleicht eher typischeren Pop…
Jens Friebe: …die ich ja auch gecovert habe. Aber es ist auch schwierig gegenüber was man es abgegrenzt. Gegenüber Klassik oder Rock ist es Pop. Von der Struktur sind es Popsongs - mit nur angedeuteten Geschichten und Simplizität im Fluchtpunkt. Liedermacher und Geschichtenerzähler mit chronologischen Elementen in meinen Songs bin ich nicht. Richtige Liedermacherzählung kann einen zeitlichen Verlauf haben – das ist ein hartes Brett. Das hinzukriegen, dass es cool ist, ist schwierig.
Echo-Live: Welche anderen Songs könntest du dir vorstellen zu covern?
Jens Friebe: Für die Intro habe ich mit der Gruppe La Stampa die Band t.A.T.u. und „Not Gonna Get Us“ gecovert. Die Veröffentlichung steht aber noch aus.
Echo-Live: Neben der Musik, bist du auch Journalist und Autor. Leider gibt es deinen Blog, auf dem das Buch „52 Wochenenden. Texte zum Durchmachen“ basiert, nicht mehr, obwohl deine Homepage noch darauf verweist. Warum?
Jens Friebe: Das war eine Entscheidung von mir, dem Verlag und wahrscheinlich meinem Agenten. Die Blogeinträge wurden für das Buch auch zum Teil geändert und eine korrigierte Fassung wollte ich nicht wieder ins Netz stellen. Und ein reines Archiv ohne neuen Input – da verliert das Ganze auch seinen Sex.
Echo-Live: Ende des Jahres kommt vielleicht ein neues Album. Kommt ein neues Buch?
Jens Friebe: Ich arbeite gerade an einem musik-theoretischen Projekt, in dem es um Songbeschreibung, um Close Reading geht. Etwas altmodisch mit Textinterpretation und Strukturanalyse, aber natürlich gebrochen, es soll unterhaltsam sein. Es soll das für die Musiktheorie leisten, was Dr. House für die Medizin macht: Dem Publikum einen komplexen Sachverhalt so näher bringen, dass er ihn immer noch nicht versteht, aber sich trotzdem blendend unterhalten fühlt.
Echo-Live: Das klingt sehr spannend. Vielen Dank für das Gespräch.