"Jedes einzelne Konzert ist das Größte für uns"

Sibbi (links) und Panzer von Itchy Poopzkid vor ihrem Konzert in Aschaffenburg im Interview mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes
Zehn Jahre Itchy Poopzkid - In diesem Jahr feiert die Band Jubiläum. Als Schulband auf den Bühnen gestartet, können Sibbi, Panzer und Max auf sehr erfolgreiche Jahre zurückblicken. Über 600 Shows, Auftritte bis nach England, Irland und Schweden, eine MTV Music Award Nominierung und die Gründung des eigenen Labels "Findaway Records". Mit ihrer neuen Platte "Lights Out London" touren die drei Jungs aus Eislingen momentan durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Echo-Live traf Sibbi und Panzer, um mit ihnen über ihr Jubiläumsjahr, ihre Tour, ihr Album und ihren neuen Drummer Max zu reden.
Echo-Live: 10 Jahre Bandbestehen und bald das große Jubiläums-Konzert am 23.12 in Ulm. 10 Jahre- eine lange Zeit als Band unterwegs. Wenn ihr die Jahre zusammenfassen müsstet, welche Worte würdet ihr wählen? Was ist euch positiv, aber auch negativ in Erinnerung geblieben?
Sibbi: Sehr intensiv durch alles was wir erleben dürften. Wir haben über 600 Shows gespielt, haben ganz viele Länder dadurch gesehen und ganz viele, tolle neue Leute kennengelernt, wie Bands, Fans und Veranstalter. Sehr intensiv von den Eindrücken her. Das war alles sehr positiv. Jedes einzelne Konzert ist für uns das Größte, weil wir das so gerne machen.
Panzer: Sehr enthusiastisch. Vom Anfang bis heute. Mich hat es zweimal auf der Bühne auf die Schnauze gehauen, wobei ich mir einen Bänderriss zugezogen habe. Das waren meine zwei negativen Erinnerungen.
Echo-Live: Und was erwartet die Fans bei eurem Jubiläums-Konzert?
Panzer: Es wird die größte Clubshow, die wir jemals gespielt haben. Ich glaube es gibt noch 50 Tickets. Wir spielen ein paar alte Songs, die wir sonst nicht live spielen.
Sibbi: Es wird länger gespielt und als Vorgruppe haben wir die Emil Bulls mit dabei, mit denen wir schon ganz lange befreundet sind. Davor wird noch eine Band spielen und wir haben uns tolle Sachen für die Show einfallen lassen, die wir jetzt natürlich nicht verraten können. Einfach angucken kommen.
Echo-Live: Ende letzten Jahres hat Saikov die Band nach vielen Jahren verlassen, kurz vor der Album-Veröffentlichung und auch kurz vor der Tour. Ein hohes Chaospotential, das in einer sehr kurzen Zeit gelöst werden musste. Mit Max habt ihr den neuen Mann hinter dem Schlagzeug gefunden. Wie schwer war es ihn auf die Tour einzustimmen und hat sich dadurch auch etwas in eurer Musik verändert?
Sibbi: Das ging eigentlich sehr schnell, weil Max seit 6 Jahren in unserer Crew als Drummtechniker und Lichttechniker am Ende mit dabei ist. Somit war es für ihn und uns nichts Neues. Klar war es eine neue Situation. Aber da wir ihn schon ewig kannten, hat es sich gleich richtig angefühlt. Die Musik hat sich durch den neuen Einfluss aber noch nicht geändert, weil wir ja weiterhin die Songs spielen, die wir schon jahrelang spielen. Aber nun fangen wir an neue Songs für unser nächsten Album zu schreiben und da wird er auf jeden Fall Einfluss darauf nehmen. Er kann auch sehr gut Gitarre spielen. Wir sind alle gespannt was dabei rauskommt.
Panzer: Als klar war, dass er unser neuer Drummer wird, hat er sich echt reingehängt, hat sich einen Raum genommen und jeden Tag Schlagzeug gespielt. Bei der ersten Probe war einiges etwas holprig, weil es einfach neu war miteinander zu spielen.
Echo-Live: Gestartet habt ihr als Schulband. Danach folgte viele Auftritte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aber auch in England und Irland konntet ihr Fans für euch gewinnen. Wieso seid ihr in diesem Jahr nicht dort? Und wie kam es dazu, dass ihr dort auf Tour gerockt habt?
Panzer: Wir haben einfach darauf Bock irgendwo anders hinzufahren, vor anderen Leuten und anderen Kulturen zu spielen, die uns noch gar nicht kennen. Auf unserer letzten Tour haben wir es so gemacht, dass wir eine Vorgruppe aus einem anderen Land hatten, ob es England, Irland oder Schweden war. Als Gegenzug haben sie uns dann zu sich auf Tour mitgenommen. Das war immer ein sehr cooler Austausch.
Sibbi (links) und Panzer im Gespräch mit Clarissa Guzy. Foto: Felipe Fernandes
Echo-Live: Eure Tour war bisher ein riesen Erfolg. Ausverkauft-Schilder mussten an die Tür gehängt werden und das große Finale wartet am 23.12 in Ulm auf euch. Welches Fazit zieht ihr aus der Tour?
Sibbi: Das ist ja momentan der zweite Teil der Tour. Der erste Teil war sehr erfolgreich und das hat uns sehr gefreut, weil das die erste Tour war nachdem wir unsere eigene Plattenfirma gegründet haben und nachdem wir wirklich alles in die eigene Hand genommen haben. Wir sind noch nicht in die Charts eingestiegen mit unserer Platte von der eigenen Plattenfirma. Auf der Tour haben wir gemerkt, dass mehr Leute auf den Shows waren als je zuvor. Das ist natürlich schon eine klasse Erfahrung, weil wir wussten, dass wir das alles nur uns zu verdanken hatten. Jetzt genießen wir, dass wir den zweiten Teil der Tour spielen dürfen. Aber ich glaube, wir hätten nicht weniger Spaß haben können, wenn auch 200 Leute weniger auf unseren Shows gewesen wären.
Panzer: Es freut uns einfach, dass das was wir machen von vielen Leuten gemocht wird.
Echo-Live: Euer aktuelles Album „Lights Out London“ ist live eingespielt. Davon distanzieren sich viele Bands, um einen perfekten Sound auf ihren Platten zu bekommen. Wieso habt ihr euch dennoch dafür entschieden?
Sibbi: Weil wir eben diesen live Sound und die Energie, die wir live von der Bühne zeigen auf die Platte bringen wollten. Das wollen immer alle Bands, glaube ich. Damit es nicht so steril klingt, sondern rockig, wie man auf der Bühne agiert. Aber die einzige Möglichkeit, das hinzubekommen ist, sich mit allen Mitgliedern in einen Raum zu stellen und einfach drauf loszuspielen. Genau das haben wir mit guter Vorbereitung gemacht. Das Ergebnis ist für uns total toll geworden. Wir sind sehr zufrieden. Es klingt viel echter als unsere Alben davor, wobei wir es bei diesen auch schon in diesem Stil versucht hatten. Wir wollten nie ein überproduziertes Album. Diesmal haben wir uns einfach auf das Wesentliche konzentriert. Ich glaube so werden wir es beim nächsten Album auch wieder machen. Oder?
Panzer: Ah alles schon festgelegt… (lacht).
Echo-Live: Und wie lange hat die Arbeit am Album gedauert?
Sibbi: Zwei Tage. (lacht).
Panzer: Nicht so lange. Das Songwriting war sehr lange.
Sibbi: Wir haben auch fast ein Jahr im Endeffekt an den Songs gearbeitet und im Studio waren wir sechs Wochen.
Echo-Live: Mit dem Song „It’s Tricky“ auf dem aktuellen Album covert ihr Run DMC. Sehr gelungen! Doch wie kommt ihr als Punkrocker zum Hip Hop?
Sibbi: Wir fanden Run DMC schon immer gut. Irgendwann haben wir uns gedacht, dass wir live „It’s tricky anspielen“. Dann haben wir eine Strophe kurz irgendwo mal eingebaut und das kam sehr gut an bei den Leuten. Irgendwann haben wir dann noch eine Strophe angehängt und noch einen Refrain. Danach haben wir unsere Crew die Instrumente spielen lassen und wir sind nach vorne zum Singen. Und das kam sogar noch besser an… Wahrscheinlich weil wir nicht an unseren Instrumenten waren (lacht). Dem Publikum hat es gefallen und alle haben uns immer gefragt, ob wir diesen Song nicht mal auf ein Album packen wollten. Das haben wir nun sogar gemacht und ist nun auch unsere aktuelle Single geworden.
Echo-Live: Panzer, du hast in einem Interview mal gesagt, dass du dich immer erst dann an neue Songtexte setzt, wenn ihr auch ein neues Album produzieren wollt. Ist das nicht etwas ungewöhnlich, sich gezielt hinzusetzen und die Kreativität abzurufen? Kommen dir auf Tour oder bei anderen Gelegenheiten keine Songideen, die du unbedingt zu Blatt bringen musst?
Panzer: Ich habe unterwegs schon Ideen. Aber ich habe keine Lust auf texten (lacht). Ich empfinde das echt als Arbeit. Ich finde das aber auch nicht schlimm, weil ich somit über das ganze Jahr Emotionen, Ideen und Eindrücke sammele. Kurz vor der Platte macht man sein Ventil auf und alles läuft raus. Texten ist nicht so mein Ding, aber es ist ein extrem gutes Gefühl, wenn ich etwas geschrieben habe, was ich im Nachhinein wirklich gut finde. Also eigentlich hab ich schon Lust drauf…
Sibbi: Und du schreibst auch sehr gute Texte.
Panzer: Vielen Dank! Dass du es heute mal sagst, nach zehn Jahren (lacht).
Echo-Live: Ihr habt euer eigenes Label „Findaway Records“ gegründet. Ein Schritt, den viele Bands machen. Wann habt ihr euch dafür entschieden und warum?
Sibbi: Nachdem unsere „Dead Seriou“ Platte bei Universal herauskam, weil unsere ehemaliges altes Label „Where are my Records“ von Universal aufgekauft wurde, waren wir plötzlich in diesem riesen Konzern. Teilweise wussten wir gar nicht, wer unsere Ansprechpartner waren. Die Kommunikationswege waren ewig lang und das wollten wir als relativ kleine Band nicht. Es lief zwar alles nach geregelten Bahnen, aber es machte für beiden Seiten keinen Sinn das so weiter laufen zu lassen. Beim nächsten Album haben wir uns Gedanken gemacht, wie es weiter gehen soll. Ob wir uns bei anderen Labels bewerben oder ein eigenes Label gründen. Irgendwann im Laufe der Zeit hat sich die Idee des eigenen Labels gefestigt. Und es hat sich immer besser angefühlt es einfach selbst zu machen.
Panzer: Ja und eine Woche später haben wir uns gedacht „Verdammt, das ist doch ganz schön viel Arbeit“. (lacht)
Sibbi: Aber wir sind sehr froh den Schritt gemacht zu haben, denn diese Freiheit, die man dadurch gewinnt ist unbezahlbar…
Panzer:… Und das Geld was man ausgibt ist auch unbezahlbar. (lacht)
Echo-Live: Das heißt die Verantwortung und das Risiko als Band mit einem eigenen Label ist nun gestiegen?
Sibbi: Absolut. Auch die Arbeit ist viel mehr und diese Arbeit hat nicht unbedingt immer etwas mit Musik zu tun. Es muss eben gemacht werden. Aber die Vorzüge wiegen dabei viel mehr.
Echo-Live: Auf eurer Homepage habt ihr eine Verlosung gestartet, als Band vor Emil Bulls bei eurem Jubiläums-Konzert aufzutreten. Anmeldeschluss war vor zwei Tagen und nun entscheiden die Fans via Facebook wer als Vorgruppe spielen darf. Wie wichtig ist es für euch, junge und unbekannte Bands zu unterstützen?
Sibbi: Wir haben früher selbst die Möglichkeit bekommen vor einer bekannteren Band im Vorprogramm aufzutreten. Das hat uns immer viel gebracht, weil man dabei neue Leute kennenlernt und diese für sich begeistern kann. Im besten Fall ist es dann auch so, dass man auf die Bühne geht, keiner kennt einen und keiner will einen im Grunde sehen. Doch am Ende gefällt es allen und sie kommen zur nächsten Show, die man wieder alleine spielt. Und das haben wir oft versucht und haben viele Bands angeschrieben, ob wir im Vorprogramm spielen dürften. Auf diesem Weg haben wir mit ganz vielen Helden von uns zusammengespielt oder waren mit ihnen auf Tour im Laufe der Jahre.
Echo-Live: Heißt das dann auch, dass euer Label irgendwann mal nicht nur für Itchy Poopzkid Platten produzieren wird?
Sibbi: Das kann sein. Wir haben noch keine konkreten Pläne, aber ausgeschlossen haben wir diese Option nicht. Vielleicht laufen wir ja mal einer Band über den Weg, die uns so gut gefällt, dass wir sie, bevor es andere tun, unter Vertrag nehmen. Dann gibt es Knebelverträge und wir ziehen ihnen das letzte Geld aus ihren Taschen. Was man eben als Labelbosse so machen muss (lacht).
Panzer: Wir haben dies nun das erste Mal bei unserem eigenen Album gemacht und vielleicht machen wir es noch ein zweites Mal, damit wir wirklich alle Abläufe drin haben. Aber generell ausgeschlossen ist es nicht.
Echo-Live: Mit der Tierschutzorganisation WDCS gründet ihr die “Sonar Sucks”-Kampagne, dreht ein Video zur eurem Song „Why Still Bother“ und setzt euch damit gegen den Unterwasserlärm ein. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Panzer: Wir haben früher schon viele Benefizsachen gemacht. Das war alles immer gut, aber wir hatten nie das Gefühl, dass wir was bewirken können. So haben wir uns hingesetzt und uns überlegt, welche Sache wir unterstützen können. Dann haben wir die Leute von WDCS kennengelernt und da wir eh vom Charakter her Typen sind, die gerne am Meer sind, hat es sich irgendwie so ergeben. Mit WDCS haben wir dann die Kampagne „Sonar Sucks“ gegründet und nach vielen Aktionen können wir nach einem Jahr nun erste Erfolge verbuchen. Das ist sehr gut und wir erreichen viele Kleinigkeiten und bleiben auf jeden Fall an der Sache dran.
Echo-Live: Ihr investiert sehr viel Zeit eure Fans über Facebook, Twitter, mit Tourberichten und über eure Homepage zu informieren, sie immer auf den neuesten Stand zu halten. Wie wichtig seht ihr diese Nähe zu den Fans neben der Bühne?
Sibbi: Wir denken nie, dass wir diese Berichte machen müssen. Wir haben das immer so gemacht und finden das spannend. Teilweise machen wir das - denke ich - auch für uns, damit wir uns in 20 Jahren daran erinnern. Es ist für uns fast schon selbstverständlich, dass wir einen Bericht schreiben und es ist interessant unser Leben zu teilen.
Panzer: Das ist total gut. Wir haben nun über 600 Konzerte gespielt und von jedem Konzert haben wir einen Bericht. Es ist eine Art Tagebuch für uns.
Echo-Live: Schauen wir mal etwas in die Zukunft. Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Was macht ihr an Silvester? Und welche guten Vorsätze habt ihr für das nächste Jahr?
Sibbi: Wir feiern ins neue Jahr rein. (lacht)
Panzer: Dieses Jahr ziehen wir es durch (lacht). Ich bin dieses Jahr auf den Philippinen, leg mich in die Sonne und trinke Cocktails aus Fässern.
Sibbi: Ich liege zu Hause in meinem Bett und träume von den Philippinen (lacht).
Panzer: Gute Vorsätze sind noch mehr trinken, rauchen anfangen und Eltern nicht mehr besuchen.
Sibbi: Willst du jetzt dein Punk-Image raushängen lassen?
Panzer: Ja, im letzten Satz muss man so was immer noch machen…
Sibbi: Also meine guten Vorsätze sind: noch netter zu meiner Familie zu sein, als ich es eh schon bin. Gesund zu leben und nur Gutes zu tun. Vielen Danke (lacht).
Echo-Live: Danke für das Gespräch!
01.12.2011, Clarissa Guzy
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