„Das ist jetzt einfach ein anderes Level“

Flo Mega im Gespräch mit Echo-Live.

"Hypes nerven, definitiv!" - Flo Mega im Gespräch mit Echo-Live. Foto: Dominik Gruszczyk

2011 ist sein Jahr – nachdem er bereits mit seiner hochgelobten EP „Filmriss“ aufhorchen ließ, landete Flo Mega mit seinem im September veröffentlichten Debüt „Die Wirklich Wahren Dinge“ einen amtlichen Hit und ist seither in aller Munde. Dass er übrigens nicht nur auf Platte toll ist, sondern auch live grandios performt, belegte Flo Mega beim diesjährigen „Bundesvision Song Contest“ vor Millionen Fernsehzuschauern mit einem fulminanten Liveauftritt, der ihm schlussendlich einen hervorragenden zweiten Platz bescherte. Aktuell ist der Bremer Soulman mit seiner Band The Rufffcats auf großer Tour. Echo-Live Redakteur Benjamin Metz nutzte die Gelegenheit und traf den Überflieger aus der Hansestadt vor seinem Auftritt im Frankfurter „Bett“ zum Gespräch.

 

Flo Mega beim Interview mit Echo-Live.
Flo Mega im Gespräch mit Echo-Live Redakteur Benjamin Metz. Foto: Dominik Gruszczyk
Echo-Live: Du musstest deine aktuelle Tournee unlängst unterbrechen, weil dir eine Kehlkopfentzündung arge Beschwerden machte. Wie geht es Dir mittlerweile? Wieder vollständig genesen?

Flo Mega: Ja, aber ich passe schon noch sehr auf. Mal schauen, wie es heute Abend läuft, gestern hatte ich nämlich schon wieder ziemlich Gas gegeben. Aber es ist auch einfach ziemlich viel im Moment. Was da gerade passiert, dieser ganze Umschwung – da muss ich mich erstmal akklimatisieren, denke ich. Ich bin zwar schon überzeugt von mir als Künstler aber ich muss mich erstmal in der neuen Situation zurechtfinden. Das ist einfach ein anderes Level jetzt.

Echo-Live: Im Vorfeld der Tour lief allerdings alles bestens für Dich – nachdem Du bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ am Ende September einen großartigen zweiten Platz belegen konntest, stieg kurz darauf dein Debütalbum „Die wirklich wahren Dinge“ in den Top 30 der Charts ein. Hättest Du mit diesem Erfolg gerechnet? Du hast beim „Buvisoco“ immerhin Acts wie Juli, Jennifer Rostock, Jupiter Jones und Frida Gold auf die Plätze verwiesen.

Flo Mega: Ich bin da eigentlich ganz nüchtern rangegangen. Das ist ja in erster Linie eine große Promomaschine und natürlich eine gute Chance für einen Künstler, auf sich aufmerksam machen zu können. Insofern stand für mich auch die Platzierung erstmal gar nicht so im Vordergrund. Ich habe mir dann einfach gesagt: „Das mache ich und ich mache es gut“. Was dann passiert ist, habe ich noch gar nicht so richtig erfasst, ich habe mir den Auftritt auch noch gar nicht angesehen. Irgendwie ist das auch merkwürdig, denn ich habe Wettbewerbe schon immer gehasst – grauenhaft! Ich erinnere mich an „Jugend musiziert“ 1996 in Lübeck. Wir haben da so als verkiffte Teenie-Rockband teilgenommen und ansonsten waren da nur so AOK-Lebertran-Orchester dabei. Wir haben natürlich voll abgeloost (lacht). Aber wir waren auch sehr gerne Verlierer, weil wir wussten, dass wir die Cooleren sind.

Echo-Live: Man hätte eigentlich früher mit einem ersten Longplayer von Dir gerechnet, du bist immerhin schon ganze 15 Jahre als Musiker unterwegs. Allerdings gab es einen Einschnitt in deiner Karriere – nachdem du du lange Zeit in der Bremer HipHop-Szene unterwegs warst, bist du 2007 deiner heutigen Begleitband The Ruffcats begegnet, was zu deiner Neuinkarnation als Soulman geführt hat. Wie wichtig war diese Begegnung für Dich? War diese neue Orientierung auch der Grund, erst später dein Debütalbum zu veröffentlichen?

Flo Mega: Ich war einfach sehr lange der Auffassung, dass mein Output einfach noch nicht so war, dass ich da schon etwas als festes Statement rausgeben wollte. Ich bin in vielen Dingen ungeduldig, aber in einigen wenigen auch sehr geduldig und hier war ich einfach sehr geduldig. Ich habe mich auch einfach sehr lange nur in dieser Community in Bremen gesehen und war viel am Experimentieren, was ich heute noch sehr gerne und oft tue. Das lief sehr lange nach dem „Der Weg ist das Ziel“-Prinzip. In der Musik habe ich einfach alles auf mich zukommen lassen, da habe ich nie irgendetwas forciert.

Echo-Live: Soul hat ja seit einiger Zeit absolute Hochkonjunktur: Amy Winehouse, Duffy, Mark Ronson, Adele, aktuell sehr angesagt ist auch Mayer Hawthorne aus Detroit. Hat dir und den Ruffcats dieser Hype Türen geöffnet oder war er eher ein Klotz am Bein. „Trendsetter“ ist unter Musikern ein wenig schmeichelhafter Begriff.

Flo Mega: Solche Hypes nerven, definitiv! Ich habe früher auch mal deutschsprachigen Reggae gemacht, als diese ganze Welle losging, das hat genauso genervt. Ich bin allerdings auch kein „Soul Purist“. Ich bin überhaupt kein Purist und mag solche Leute auch nicht sonderlich. Die können nicht über den Rand ihrer Käseglocke hinausschauen. Aber solche Hypes gehen mir aber auf den Wecker, weil sie einfach kaum Raum lassen, Dinge für sich in Ruhe zu entdecken, lieben zu lernen und zu einem Teil von sich werden zu lassen. Man kann auch als Künstler bei solchen Hypes oft nur schwer einschätzen, wie sehr die Leute deine Musik denn wirklich lieben oder in wieweit das nur so eine Art „Trophäenjad“ ist.

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Flo Mega & The Ruffcats Frankfurt Das Bett

 

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Echo-Live: Soul ist seit jeher ein Sound, der vor allem live exzellent funktioniert. Welchen Stellenwert nehmen bei dir und den Ruffcats die Konzerte ein? Ein Künstler baut seine Karriere und vor allem seine Fangemeinde ja heutzutage vornehmlich über seine Konzertreisen auf.

Flo Mega: Ich trage ja das Thema Soul nur weiter, ich bin kein Original. Ich absorbiere so gut ich kann und möchte einfach, dass ich es gut rüberbringe. Kolonialisierung finde ich allerdings ätzend, ich möchte nicht einfach nachmachen, sondern mein eigenes Ding aus dem Soul entwickeln. Deswegen singe ich zum Beispiel auch auf Deutsch. Nachmachen ist absolut nicht mein Ding. Und live stelle ich immer zuerst einen Kontakt zum Publikum her. Soul ist eine tolle Musik, um sich öffnen zu können. Für das Publikum und natürlich auch für mich. Für mich ist wichtig, dass jeder nach unseren Konzerten glücklich nachhause geht und etwas davon mit sich nimmt.

Echo-Live: Der enorme Boom des Konzertgeschäfts hat aber, vor allem für junge Künstler, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, seine Schattenseiten. Es werden kaum noch vernünftige Gagen gezahlt, viele Veranstalter sind nicht bereit, unbekannten Künstlern eine Auftrittsmöglichkeit zu geben und es gibt immer mehr Bands und Künstler, aber kaum mehr Auftrittsmöglichkeiten. Wie war das für euch am Anfang?

Flo Mega: Schwer. Es gab zwar immer solche Momente, in denen man sich dachte, „Wow – wir haben ja amtlich gerockt, wir sind wirklich einen großen Schritte nach vorne gegangen!“ Aber oft folgte dann die Ernüchterung durch die Veranstalter, weil vieles nicht so lief, wie es eigentlich hätte sein sollen. Das hat teilweise ziemlich weh getan. Ich hatte da phasenweise echt keine Energie mehr. Aber trotzdem haben wir jede Show gerockt. Und jetzt, nach dem Album und diesem „Bundesvision Song Contest“-Ding rennen uns die Veranstalter die Bude ein. Es läuft wirklich gut im Moment. Aber ich begegne auch so oft Bands, die eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, aber einfach nicht nach oben kommen. Das ist echt schade, denn es gibt ein enormes Potential da draußen. Es wäre wirklich zu wünschen, dass die Medien und die Veranstalter einfach mal etwas mutiger sind und neue, unbekannte Künstler fördern.

Echo-Live: Du hast deinen Bruder Sebó eingeladen, dich auf deiner aktuellen Tournee zu supporten. Ist das dein Beitrag, junge Künstler zu fördern?

Flo Mega: Es hat sich einfach angeboten. Er spielt in einer kleinen Besetzung, wir kennen uns natürlich alle. Es war einfach naheliegend, dass er uns begleitet. Fürs nächste Jahr haben wir eine junge Sängerin auf unsere Tour eingeladen, die wirklich enormes Potential hat. Alegra ist gerade mal 13 und singt englische Soulnummern nach – sie ist wirklich unglaublich. Die müssen die Leute einfach kennenlernen, deswegen nehmen wir sie im März auf unsere Tour mit. Ich möchte solche Sachen auch gerne öfter möglich machen. Ich habe durchaus ein Bedürfnis, anderen Künstlern zu helfen.

Echo-Live: Zur Feier des 10.000 Facebook Fans und der aktuellen Tour hat Regisseur Jan Peter Horns den Film „Flo Mega und die wirklich wahren Dinge“ über Dich gedreht, der, Zitat, „Einblicke in Ups und Downs des Künstlerdaseins“ geben soll. Ist soviel Offenheit der Tribut des Künstlers an sein Publikum im Facebook-Zeitalter? Oder wolltest Du mit dem Film die Wirklichkeit im Musikbusiness darstellen. Viele Leute denken ja, das dass Leben als Musiker ein einziges „Deutschland sucht den Superstar“ ist.

Flo Mega: Eigentlich wollten wir dem 10.000 Facebook-Fan ja ein goldenes Mofa schenken (lacht). Es ist so ein bisschen was von allem. Natürlich wollten wir mit dem Film einen Einblick hinter die Kulissen geben, ob aber jeder den Film versteht, ist so eine Sache. Ich ecke halt immer wieder gerne mal an und deswegen gefällt mir auch dieser sarkastische Ton des Films. Jan Peter Horns teilt diesen Hang zum Sarkasmus – wir haben uns wunderbar amüsiert auf der Tour (lacht). Er hat meine tragisch-komischen Abgründe festgehalten. Das ist ziemlich Helge Schneider-mäßiger Humor (lacht).

Echo-Live: Die wirklich wahren Dinge im Leben sind für die meisten Menschen sicher ganz unterschiedlich gewichtet. Was sind für dich die wirklich wahren Dinge?

Flo Mega: Oh – da habe ich mir mittlerweile eine ziemlich gute Antwort zurechtgelegt: Es gibt gewisse Dinge, die erklären sich von selbst (lacht).

Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch.

13.11.2011, Benjamin Metz

 
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