„Es war ein Höllenritt“

Marta Jandová  von Die Happy beim Interview mit Echo-Live.

"Wir sind immer noch da!" - Marta Jandová von Die Happy im Gespräch mit Echo-Live. Foto: Dominik Gruszczyk

Seit dem Überraschungserfolg ihres Majordebüts „Supersonic Speed“ (2001) ist die aus Tschechien stammende Sängerin Marta Jandová und ihre Band Die Happy aus der hiesigen Musikszene nicht mehr wegzudenken. Im Herbst des vergangenen Jahres legte das Quartett mit „Red Box“ sein mittlerweile 7. Studioalbum vor, das nicht wenige Fans und Kritiker für das bis dato beste Werk der Gruppe halten und 2011 auf umfangreichen Konzertreisen auch live vorgestellt wurde. Neben ihrer Vollzeitbeschäftigung als Die Happy-Frontfrau war Marta Jandová zuletzt auch als TV Moderatorin ziemlich beschäftigt und probt darüber hinaus derzeit in Prag für ihre erste Musical-Hauptrolle. Echo-Live Redakteur Benjamin Metz traf die tschechische Powerfrau vor dem Konzert ihrer Band im Aschaffenburger „Colos-Saal“ zum Gespräch.

 

Die Happy-Sängerin Marta Jandová beim Interview mit Echo-Live.
Marta Jandová von Die Happy im Gespräch mit Echo-Live Redakteur Benjamin Metz. Foto: Dominik Gruszczyk
Echo-Live: Seit 2001 seid ihr mit Die Happy sehr erfolgreich, habt es auf sieben erfolgreiche Alben, zahlreiche Tourneen gebracht. 2007 hat die Metal-Band Oomph! mit Dir als Gastsängerin den Bundesvision Song Contest gewonnen und mittlerweile bist Du auch im TV sehr präsent, so warst Du beispielsweise Jurymitglied bei „Popstars“ und moderierst aktuell auf ZDFneo die Sendung „neoMusic: Wanted“. Wie viel verbindest Du eigentlich noch mit der jungen Frau, die 1994 mit ihren Eltern aus Prag nach Deutschland gezogen ist?

Marta Jandová: Den jugendlichen Wahnsinn. Ich denke, der steckt irgendwie noch immer in mir. Natürlich bin ich inzwischen 18 Jahre älter, aber dieses Ungestüme ist schon noch in mir vorhanden. Allerdings sehne ich mich inzwischen auch ab und an nach etwas Ruhe, das ist klar. Früher war alles neu und und extrem spannend, da kam mir selbst eine siebenwöchige Tour zu kurz vor. Heute kommt es mitunter vor, dass ich mich schon nach vier Tagen „on the road“ auf Zuhause freue (lacht). Man wird etwas gemütlicher mit zunehmendem Alter. Allerdings nicht auf der Bühne – da gebe ich genauso viel Gas wie früher.

Echo-Live: Eure Karriere ist ja sehr bodenständig verlaufen: Die Alben verkaufen sich konstant gut, die Tourneen laufen immer sehr erfolgreich, aber alles läuft in einem moderaten stetig steigenden Rahmen. Hilft einem das, bodenständig zu bleiben? Was denkst Du, wäre passiert, wäre die erste Platte 2001 gleich ein Millionenseller geworden?

Marta Jandová: Dann hätte ich ein Haus und vielleicht noch ein zweites Haus an irgendeinem See (lacht). Und natürlich wäre es schön, immer in 5000er Hallen zu spielen, einen eigenen Caterer mit auf Tour zu haben und mit 3 Nightlinern unterwegs zu sein. Das wären sicher auch keine schlechten Erfahrungen gewesen. Ich denke allerdings schon, dass sich alles sehr gut für uns entwickelt hat, und dass uns diese natürliche Weiterentwicklung gut getan hat. Wir sind glücklich und wir sind stolz auf das, was wir uns aufgebaut haben. Und wir sind immer noch da.

Echo-Live: Du genießt einen exzellenten Ruf als Live-Performerin und bist auf der Bühne sehr fordernd und extrovertiert. Man könnte denken, dass Dir die Arbeit im Fernsehen recht leicht fällt. Worin unterscheiden sich die Jobs als Sängerin und Moderatorin?

Marta Jandová: Oh – Moderation ist etwas ganz schwieriges. Ich dachte ja auch, dass mir das sofort liegen würde, da ich auf der Bühne tendenziell eher eine Labertasche bin. Aber bei einer Moderation muss man durch und durch vorbereitet sein, und sehr viel Zeit hierfür im Vorfeld aufwenden. In der ersten Zeit als Moderatorin konnte ich mir auch nicht sehr viel Spontaneität leisten, da das im Konzept der Sendung so nicht vorgesehen war. Später hat man dann das Format mehr auf meine Person zugeschnitten, was mir natürlich sehr zugesagt hat. Eine gute Vorbereitung gehört natürlich dennoch immer dazu.

Echo-Live: 2009 hat es dich wieder einmal in deine alte Heimat Prag gezogen, allerdings nicht, wie sonst, mit Die Happy, sondern für eine Rolle im Musical „Mona Lisa". Das Ganze scheint so gut gelaufen zu sein, dass du aktuell in Prag für ein weiteres Musical probst, bei dem du die Hauptrolle übernehmen wirst, wie ich gelesen habe. Was begeistert dich am Musical?

Marta Jandová: Beim Musical besteht mitunter die Gefahr, dass man sich hierauf einlässt und dann für immer und ewig dabei bleibt. Und am Ende leidet dann die eigene Musik darunter. Bei mir ist das allerdings nicht so. Ich kann hier ganz gut trennen. Allerdings bietet die Arbeit als Musicaldarstellerin wirklich einige handfeste Vorteile, zum Beispiel, dass man regelmäßig Einkünfte hat. Das ist schon nichts Verkehrtes (lacht). Man hat auch sehr angenehme Arbeitszeiten – nachmittags um fünf in die Maske und abends um zehn ist man wieder Zuhause oder kann noch ausgehen. Und man ist einfach immer Zuhause.

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Die Happy im Colos-Saal Aschaffenburg

 

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Echo-Live: Wie gehen Deine Bandkollegen eigentlich mit Deinen Soloaktivitäten um? Gibt es da latente Angst, dass Deine Soloaktivitäten auch in einer Solokarriere münden könnten?

Marta Jandová: Diese anderen Aktivitäten sind sicher kein Ersatz für Die Happy. Aber ich bin einfach viel zu sehr „Duracell-Hase“, daher brauche ich immer wieder mal Veränderung. Und da habe ich mir als Sängerin genau den richtigen Beruf ausgesucht. Meine Jobs ergänzen sich allerdings auch ganz wunderbar. Immer wenn ich Musical spiele, bekomme ich Lust, wieder auf Tour zu gehen und wenn wir viel auf Tour waren, genieße ich es total, wieder Zuhause zu sein und ganz normalen Alltag zu erleben.

Echo-Live: Ihr habt von Anbeginn an den Ruf, eine exzellente Liveband zu sein. Ihr seid auch die einzige Band, die alle großen Festivals in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits (zum Teil mehrfach) bespielt hat. Welchen Anteil am Erfolg von Die Happy hat die Band ihrem guten Ruf als Liveact zu verdanken?

Marta Jandová: Einen sehr großen – 80% Prozent, würde ich mal sagen. Wir sind ja keine Band, die großartig im Fernsehen auftaucht. In den Anfangsjahren war das etwas anders – da gab es noch echtes Musik-TV und Viva 2 und solche Sender, die Rockmusik gespielt haben. Später kamen dann die Klingeltondauerwerbesendungen und heute gibt es eigentlich nur noch diese Casting- und Reality-Shows. Und wir sind als Band jetzt auch nicht so groß, als dass wir zu den ganz großen Shows eingeladen werden. Im Radio läuft es für uns seit jeher auch eher mau. Aber live läuft es schon immer super! Wir haben und wirklich den größten Teil unseres Erfolges über unsere Shows erspielt.

Echo-Live: Wie wichtig ist mittlerweile deiner Meinung nach generell das Livegeschäft, die Tourneen für die Musiker in den Zeiten stetig sinkender CD-Verkäufe? Früher war ja die Tour Promo fürs Album, heute scheint das Album Promo für die Tour zu sein.

Marta Jandová: Das stimmt. In unserem Falle ist das Livegeschäft auch kommerziell unverzichtbar. Wir leben von den Konzerten. Allerdings haben wir vier mittlerweile auch nebenher jede Menge zu tun – unser Bassist Ralph hat sich beispielsweise einen langgehegten Wunsch erfüllt und seine eigene Design-Agentur gegründet, außerdem spielt er gemeinsam mit unserem Schlagzeuger Jürgen noch in der Band von Andreas Bourani. Unser Gitarrist Thorsten ist immer wieder mit anderen Bands auf Tour und managt eine Band und ich habe, wie ja schon erwähnt, auch einiges zu tun. Ich denke, es ist auch wichtig, dass man neben der Band noch andere Wege verfolgt.

Echo-Live: Am 11.02. feiert ihr ein beeindruckendes Jubiläum – im Ulmer “Roxy” werdet ihr euer 1.000 Konzert spielen. So ein Ereignis bietet lädt natürlich zum Rückblick ein. Wenn du so auf eure bisherigen 1.000 Shows zurückblickst – wir sieht dein Fazit zur Band aus?

Marta Jandová: Es war ein Höllenritt – positiv gesprochen. Was wir erleben durften, war der der Wahnsinn! Ich bin so dankbar, das alles erlebt haben zu dürfen. Und dabei bin ich eigentlich noch so jung. Am großartigsten finde ich aber, dass sich so wunderbare Freundschaften entwickelt haben. Und ich meine nicht nur innerhalb der Band. Auch die Crew ist ein ganz fester Teil von uns geworden, das ist wie ein Ausflug mit Freunden. Erst gestern waren wir mal wieder zusammen feiern – es war großartig!

Echo-Live: Und wie wird es nach der Ulmer Show weitergehen? Mit dir? Mit der Band? Wird einfach das 1001. Konzert folgen oder habt ihr besondere Pläne für das nächste Jahr?

Marta Jandová: Es gibt auf jeden Fall schon Pläne und eine ganze Menge Anfragen für Festivals 2012. Absurd, oder? Das fängt immer früher an. Manchmal finde ich es schon komisch, jetzt schon wissen zu müssen, was ich am 01. September 2012 mache. Ich meine, wer weiß das schon? Vielleicht bin ich dann schwanger oder im Ashram in Indien am Meditieren - keine Ahnung (lacht). Aber im Ernst: Wir werden schön weiter Shows spielen und ich werde ein Soloalbum aufnehmen. Allerdings bin ich schrecklich langsam. Ich werde da wohl ab und an einen kleinen Tritt in den Hintern brauchen (lacht). Aber ich werde, wie gesagt, auch weiterhin mit Die Happy zusammenspielen, weil ich die Band einfach liebe und gerne mit den Menschen zusammen bin.

Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch.

16.01.2012, Benjamin Metz

 
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