Anna Depenbusch "Solo am Klavier" am 25.10. in der Centralstation. Foto: Veranstalter
Im Januar dieses Jahres erschien „Die Mathematik der Anna Depenbusch“ der Liedermacherin Anna Depenbusch. Nun überrascht die aus Hamburg stammende Sängerin mit einer neu aufgenommen, reduzierten Version des Albums „Die Mathematik der Anna Depenbusch in schwarz-weiss“, in der sie die Songs nur von sich selbst am Piano begleitet, umsetzt. Im Gespräch mit Echo live! verrät Anna warum sie diese neue Version ihres alten Albums aufgenommen hat, wie sie Stimmung auf ihren Konzerten empfindet und wieso sie gerne alleine ist.
Echo-Live: Dein Anfang des Jahres veröffentlichtes Album „Die Mathematik der Anna Deppenbusch“ hat ein durch und durch positives Presseecho erzielt. Dennoch hattest du das Bedürfnis, es in reduzierter Art noch mal aufzunehmen. Das ist außergewöhnlich. Wie kam es dazu?
Anna Depenbusch: Die Lieder sind ursprünglich am Klavier entstanden und ich hatte das Gefühl, dass zu dem Album, das im Januar erschienen und sehr aufwendig produziert worden ist, auch noch diese reduzierte Version dazu gehört. In der reduzierten Form, bei denen die Songs von mir allein am Piano gespielt werden, tritt der Text in den Vordergrund. Es war ganz toll, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, diesen Wunsch zu realisieren und ich finde, dass das schwarz-weiße Album eine tolle Ergänzung zu dem bunten Album ist.
Echo-Live: So ein Spurwechsel birgt doch sicher auch ein Risiko? Hast du eine Form von Erfolgsdruck gespürt?
Anna Depenbusch: Da ich mich als Künstlerin mit all meinen unterschiedlichen Facetten etablieren möchte, ist diese reduzierte Form meiner Musik kein Widerspruch für mich, sondern ein Teil von mir. Das bunte Album, das mit einem Sinfonieorchester eingespielt wurde, war auch schon sehr vielseitig und da ich mich gerne ständig verändere und weiterentwickele, habe ich auch zum Glück keinen Druck gespürt.
Echo-Live: Der Spiegel hat über dich geschrieben: „an ihr wirkt alles bunt, unkonventionell, risikobereit.“ Ist das Album „Die Mathematik der Anna Depenbusch in schwarz-weiß“ auch ein Versuch aus dem verspielten, vielleicht mädchenhaften in das seriöse, erwachsene zu wechseln?
Anna Depenbusch: In erster Linie habe ich sehr viel Spaß an der Musik und wenn ich noch mit 60 oder 70 etwas mädchenhaftes an mir habe, freue ich mich darüber (lachen). Ich glaube, dass diese gewisse Form der Leichtigkeit, gerade in der Kombination mit schweren Texten und den ruhigen Momenten auf dem Album, mich als Künstlerin ausmacht.
Echo-Live: „Die Mathematik der Anna Depenbusch“ ob in bunt oder schwarz-weiß - das Wort Mathematik ist leicht verwirrend, da mit Mathematik Formeln, klare Antworten und auch eine Form von Trockenheit in Verbindung gebracht wird. Wieso dieser Name?
Anna Depenbusch: Die ursprüngliche Inspiration kam von dem Buch „Die Mathematik der Nina Gluckstein“, in dem es genau darum geht, dass jemand nach einer Formel für die emotionalen Dinge im Leben sucht; einer Formel dafür, wie zwischenmenschliche Beziehungen funktionieren. Eine solche Formel gibt es nun mal aber nicht. Und darum geht es auch in meinen Texten. Zu sagen, dass es keine Formel gibt, die alles erklärt, bzw. dass die einzige Formel oder Regel ist, dass sich alles ständig verändert und jede Situation und jede Begegnung neu ist.
Echo-Live: Wie ist das Gefühl nun auch auf der Bühne reduziert zu sein, also allein mit dem Piano sich dem Publikum zu stellen?
Anna Depenbusch: Das ist eine ganz, ganz besondere und intime Atmosphäre. Das kannte ich bisher so auch nicht: Ich, nur von mir selbst am Klavier begleitet, gewinne einen engen Kontakt zum Publikum. Mit einer Band auf der Bühne gibt es für die Zuschauer ganz viel zu sehen und es findet natürlich auch Interaktion zwischen den Musikern statt, die ablenkt. Dadurch, dass nun eine schnellere und engere Kontaktaufnahme zwischen mir und dem Publikum möglich ist, entsteht eben auch eine sehr ruhige und persönliche Stimmung, die mir sehr gut gefällt.
Echo-Live: Dein musikalisches Spektrum reicht vom anspruchsvollen Chanson bis hin zum tanzbaren Pop. Auf deiner „schwarz-weiß Tour – solo am Klavier“, spielst du im reduzierten Singer-Songwriter-Stil. Wen sprichst du mit deiner Musik an?
Anna Depenbusch: Ich habe keine bestimmte Zielgruppe, sondern finde es sehr schön, dass das Publikum sehr bunt, durch alle Altersgruppen durchmischt ist. Es fällt jedoch schon auf, dass es weniger Teenager sind, die auf meine Konzerte gehen, sondern Leute ab 20 aufwärts, von denen ich glaube, dass sie auch schon ihre Erfahrungen gemacht haben und diese und sich selbst in den Songs wieder erkennen.
Echo-Live: Du bist eine Künstlerin, die vieles oder alles selber macht. Du schreibst deine Text selbst, komponierst, arrangierst und produzierst deine Stücke. In einer sehr von Männer dominierten Musikszene ein mutiges und hervorstechendes Merkmal – fühlst du dich selbst mutig und musst manchmal gegen Vorurteile arbeiten?
Anna Depenbusch: Ich persönlich habe nur gute Erfahrungen gesammelt und das gesamte Team um mich herum war immer sensibel und feinfühlig und ich hatte nie das Gefühl, durch mein Frausein nicht ernst genommen zu werden. Aber ich hatte auch schon sehr früh mein eigenes Equipment, mein eigenes Studio und genieße es sehr, mit tollen Leuten zusammen zu arbeiten und mir ist es dabei völlig egal, ob das Männer oder Frauen sind, solange man eine Sprache spricht: Musik nämlich und gemeinsam daran arbeitet, Ideen umzusetzen. Aber gleichzeitig finde ich es toll, dass es immer mehr Frauen gibt, die auch im musik-technisches Bereich arbeiten und ich glaube, dass das auch immer leichter wird
Echo-Live: Vor Jahren warst du mehrer Monate allein in Island. Für dein letztes Album hast du dich allein in das Schloss Salzau zurückgezogen. Was hat es mit dieser Suche nach Einsamkeit und Ruhe auf sich?
Anna Depenbusch: Solche Phasen des Alleinseins gehören zu mir, die ich auch immer wieder brauche. Gerade nach Zeiten, die sehr aufregend waren, wie beispielsweise der Tournee mit der Band durch komplett Deutschland. In diesen Phasen des Rückzugs gehe ich das Erlebte durch und dadurch entwickeln sich dann wieder neue Ideen, die in Songs umgesetzt werden können. Erst durch die Ruhe und durch das nicht abgelenkt werden, kommen solche Gefühle wieder durch. Gerade im Winter genieße ich solche Zeiten der Einkehr sehr, in denen es auch schon mehrfach Wochen gab, in denen ich mit Niemanden gesprochen habe.
Echo-Live: Man sagt aber auch, dass der Mensch sich im Alleinsein verlieren kann. Hast du etwa angefangen mit den Wänden zu reden?
Anna Depenbusch: Nein, aber ich fange an mit dem Klavier zu reden. Ich frage es dann, wie es ihm geht und was wir heute machen (lachen). Man wird da auch sicher ein wenig eigentümlich und es ist dann auch wieder gut, zurück ins Leben, zu Freunden und Kollegen zu treten. Ich nehme aus diesen Zeit sehr viel für mich mit, auch wenn ich glaube, dass viele so allein mit sich selbst nicht können und eher wahnsinnig werden
Echo-Live: Du bist Gemüselaster auf dem Deich gefahren – auch wieder ein Bereich, in dem man nicht unbedingt Frauen erwartet. Welches Gemüse hast du befördert?
Anna Depenbusch: Alle möglichen Sorten. Morgens um halb sechs habe ich Kisten voller Gemüse vom Deich in die Stadt gefahren. Irgendwie ergeben sich solche Sachen bei mir. Ich hatte daran aber auch sehr viel Spaß: morgens beim Sonnenaufgang allein in meinem Laster zu sitzen und dabei Musik zu hören.
Echo-Live: Welches Lied ist denn dein persönliches Lieblingslied auf dem Album?
Anna Depenbusch: Mein Lieblingslied ist „Astronaut“. Für mich ist das der Titelsong des Albums, weil er eben das Thema des Alleinseins behandelt und für mich auch die Zeit im Studio verkörpert, als ich selbst beim Aufnehmen für mich alleine war. Nun freue ich mich aber sehr auf meine Tour, auf die Auftritte und alle Begegnungen.
Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch.
Anna Depenbusch ist am 25.10. live zu Gast in der Centralstation in Darmstadt.







