"Pop ist Freiheit"

Andreas »Andi" Weizel  von Frida Gold beim Interview mit Echo-Live.

"Es gibt keine Grenze" - Andreas »Andi" Weizel von Frida Gold im Gespräch mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes

Frida Gold sagen ganz selbstbewusst: "Wir machen Popmusik!" Während viele junge Künstler immer neue Subkulturen entwerfen, um bloß nicht als Popmusiker abgestempelt zu werden, ist die vierköpfige Band aus Hattingen damit erfolgreich. Ihr Album Juwel wurde in diesem Jahr veröffentlich, seitdem geht es für die Band steil bergauf. Wie Frida Gold diese Erfolgskurve tatsächlich erleben, verriet uns Bassist und Komponist Andreas „Andi" Weizel vor dem Konzert der Band in der Frankfurter Batschkapp.

 

Andreas »Andi" Weizel  von Frida Gold beim Interview mit Echo-Live.
Andreas »Andi" Weizel von Frida Gold (re.) im Gespräch mit Echo-Live Redakteur Sebastian Wolf. Foto: Felipe Fernandes
Echo-Live: Frida Gold fanden ihren Ursprung noch zu Schulzeiten. Kannst du mal kurz anreißen, wie sich Band gefunden hat?

Andi: Der Grundstein von Frida Gold wurde gelegt, als Alina und ich uns entschieden haben, zusammen Musik zu machen. Vor etwa drei Jahren sind Alina und ich ein Paar geworden, zusammengezogen und haben ein halbes Jahr später angefangen Musik zu machen. Wir haben auch auf der musikalischen Ebene super funktioniert und dann bin ich in die Band eingestiegen. Ab dann kann man sagen, dass Frida Gold geboren wurde.

Echo-Live: Zwar spielt ihr in klassischer Bandbesetzung, es groovt aber eindeutig elektronisch. Das mag daher rühren, dass ihr die Songs am Rechner vorproduziert. Wie darf man sich das Songwriting bei Frida Gold vorstellen?

Andi: Das Songwriting für das letzte Album hat fast zwei Jahre eingenommen. Dass wir zusammen gewohnt haben, hat den Songwritingprozess unmittelbar mit unserem Leben verbunden. Wir haben gefrühstückt und dabei Ideen ausgetauscht, danach Songs geschrieben und aufgenommen, mittags gekocht und weiter ausgearbeitet. Alle Höhen und Tiefen des Alltags haben sich mit den Höhen und Tiefen des Songwritings und des Kreativseins verbunden. Das war sehr intensiv, aber auch sehr kraftraubend. Es gab keinen Weg, den wir immer wieder gegangen sind: mal haben wir Sachen auf der Akustikgitarre geschrieben, mal Ideen direkt am Computer umgesetzt. Aber klar kann man sagen, dass wir die Songs am Rechner vorproduzierten und dann im Studio mit unserem Produzenten umgesetzt haben.

Echo-Live: In eurer Biografie bezeichnet ihr eure Musik ganz bewusst als Pop. Das ist ja zunächst mal ein starkes Statement. Viele Künstler tun alles mögliche, um nicht als Pop-Artist bezeichnet zu werden. Warum hat Pop diesen negativen Beigeschmack und warum sagt ihr ganz selbstbewusst: ja, wir machen Popmusik?

Andi: Für den letzten Teil der Frage gilt bei uns: Pop ist Freiheit. Wir können alles miteinander verbinden was wir möchten und es gibt keine Grenze. Wir lassen alle mögliche Stile und Instrumente verschmelzen, die wir uns vorstellen können. Wir können aus allen Subkulturen unsere eigene Melanche entwickeln. Natürlich wollen wir aber auch so viele möglich erreichen und ihnen ein gutes Gefühl geben. Warum es in Deutschland so einen schweren Stand hat, ist schwierig zu erklären. Vielleicht liegt es daran, dass deutsche Popmusik keine tragende Geschichte hatte – die Einflüsse kamen ja aus den USA und England. Sie war wohl nicht stark genug. Wir wollen aber dazu betragen, dass es im Grunde genommen vergessen werden kann (lacht).

Echo-Live: In Deutschland ist mittlerweile der Mut zur Professionalisierung bei jungen Künstlern angekommen. Du bist das beste Beispiel, weil du an der Popakademie Mannheim studiert hast. Ist dieser professionelle Weg ein notwendiges Muss für einen jungen Künstler, um erfolgreich zu werden?

Andi: Die Antwort ist definitiv ja, war sie aber schon immer, denke ich. Wenn man selbst sagt: ja, ich will Musik machen, dann beinhaltet es, dass man einen professionellen Stand haben muss. Die Art und Weise wie man da hinkommt, ändert sich ständig. Ob die Popakademie Mannheim zum Pflichtprogramm gehört, kann ich verneinen. Das soll aber nicht heißen, dass es nicht sinnvoll ist. Es ist nur ein Weg unter vielen, den man gehen kann, wenn man professionell Musik machen will.

Echo-Live: Zur Professionalisierung gehört doch bestimmt auch das Ausmalen eines Worst Case-Szenarios. Was würde mit Frida Gold passieren, wenn die Band im schnelllebigen Musikgeschäft versinkt? Anders gefragt: Gibt es einen Plan B?

Andi: Es gab keinen Plan B, zumindest nicht für die Zeit, als wir unser „Baby“ an der Start gebracht haben. Natürlich gab es einen gewissen zeitlichen Rahmen, aber es war für uns nie essentiell, dass es in genau drei Jahren funktionieren muss. Aber wir haben schon alles auf eine Karte gesetzt, mit dem Wissen, dass es schwierig wird, aber auch dem totalen Optimismus, dass es klappt.

Echo-Live: Momentan sieht es auch überhaupt nicht so aus, als ob ihr einen Plan bräuchtet. Im Gegenteil: die Höhenflugkurve steigt exponentiell. Goldene Schallplatte, Tour mit Kylie Minogue – ist das nicht alles ein bisschen viel für so kurze Zeit?

Andi: Definitiv nicht. Für die Außenwelt wirkt es sehr viel abrupter und plötzlicher, als es für uns war. Es war ein ständiger Prozess der Weiterentwicklung. Wenn man später drüber nachdenkt, ist es vielleicht manchmal größer als man es selbst erlebt. Trotzdem haben wir das klare Bewusstsein für den nächsten Schritt. Wenn wir ständig denken würden: ach du Schande, dass ist viel zu groß für uns – dann wäre das auch nicht angemessen. Es sind zum Teil Entwicklungen, über die wir uns sehr freuen, aber die wir nicht erwartet haben. Dass unsere Tour komplett ausverkauft war und abendlich 1000 Leute mit uns feiern – hat uns eher überwältigt, weil es etwas greifbares ist. Das bestärkt uns, genau diesen Weg weiterzugehen.

Echo-Live: Danke für das Gespräch!

23.12.2011, Sebastian Wolf

 
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