
"Rise Against". Foto: Universal Music
Lohnt es sich noch, die Welt zu retten? Das ist, laut Tim McIlrath, Kopf und Stimme des impulsiven Rock-Quartetts „Rise Against“, die zentrale Frage ihres aktuellen Albums „Endgame“. Das sechste Werk der etwas anderen Band aus Chicago erscheint in einer Ära geprägt von politischer Aufruhr und gesellschaftlichen Katastrophen. Genau richtig also für die tiefgründigen, sozialkritischen Texte McIlraths.
Die engagierten Aktivisten solidarisieren sich mit Gerechtigkeitskämpfern wie Jonathan Safran Foer oder Michael Moore und zerpflücken in ihren Liedern Missstände: etwa die verheerende Explosion der Ölbohrinsel „Deep Water Horizon“ oder den konservativ-amerikanischen Schwulenhass. Dabei meinte McIlrath zwar zum Fachmagazin Rolling Stone: „Wir wissen, dass es uncool ist, über Politik zu reden“, ihre Musik widerlegt dies jedoch umgehend.
Wuthymnen wie eh und je – seit zwölf Jahren
Selbst wenn das melancholische, in gedeckten Farben gehaltene Album-Artwork vielleicht etwas anderes vermuten lässt, bleibt die 1999 gegründete Formation ihrem harten, aber melodischen Stil treu. Jegliche Verlockung, nach dem kommerziellen Erfolg von „Appeal To Reason“ braver zu werden, wurde verächtlich abgelehnt. Wie eh und je produzieren die Jungs, drei von ihnen „Straight-Edge“-Anhänger und damit strikte Veganer, aggressive Wuthymnen im Dutzend. Auf glasklare Gitarrenriffs zum Nachzupfen wartet man vergebens: Songs von „Rise Against“ sind Biester aus Stahl und Metall, die wie ein furioser Feuersturm über die Einöde des Genres fegen.
Brandon Barnes, ein Bär von Schlagzeuger, trommelt erbarmungslose Sechzehntel, begleitet von Joe Principes treibendem Bass. Hinzu kommen Zach Blair, der die Gitarrensaiten singen oder kreischen lässt, und eben McIlrath – kratzig und dennoch unheimlich gefühlvoll und pointiert seine Schlachtrufe röhrend.
Auf diese Weise entstand eine homogene Scheibe ohne Schwachstellen, aber auch ohne Verschnaufpausen. Besonders hervor stechen die erste Single „Help Is On The Way“, das titelgebende „Endgame“ oder das kräftige „Broken Mirrors“. Mein Favorit bleibt trotzdem „Make It Stop (September’s Children)“: ein berührendes Klagelied mit herzerweichendem Chor, bestehend aus den Kindern des Produzenten Bill Stevenson. Der packende Refrain von „A Gentlemen’s Coup“ dürfte dagegen den Revolutionären in Nordafrika aus der Seele sprechen. In Antwort also auf Tim McIlraths Problemfrage: Ja, es lohnt sich. Allein schon wegen solcher Musik.