Die Suche nach dem Hit

Digitalism

Von Hamburg aus in die ganze Welt - Jence (re) und Isi, besser bekannt als Digitalism. Foto: Universal

Digitalism - „I Love You Dude“ (Cooperative Music / Universal)

Ein harter, treibender Beat hier, einen rockiger Sound dort, ein Indie-Bekenntnis ganz in der Ferne – Digitalism‘s „I Love You Dude“ ist pure musikalische Vielfalt. Dass dem Hamburger Elektro-Duo bei der ersten Scheibe „Idealism“ (2004) bereits hier und da vorgeworfen wurden, sie hätten versucht, es allen recht zu machen, hat Jens Moelle und Ismail Tüfekci aka Jence & Isi anscheinend nie gestört. Denn auch auch der zweite Tonträger hat eine gute Bandbreite im elektronischen Musikspektrum zu bieten und die Suche nach Eingängigkeit ist sogar wesentlich offensiver als zuvor.  

Digitalism - "I Love You Dude"
Digitalism - "I Love You Dude" Foto: Universal
Während man der ersten Scheibe noch den (Nicht-) Einfluss des fränzösischen Kultlabels Kitsuné anhört, wirkt die Suche nach „dem“ Hit unter EMI fast verzweifelnd gewollt. Da gibt es die eine Seite: von unten hochpulsierend, geradlinig, vielschichtig. „Circles“ kommt gewohnt mit einem – fast schon unheimlich– treibendem, dumpfen Bass, der nur von den Vocals an der Oberfläche etwas gezähmt wird. „2 Hearts“ ist der wohl eingängigste und poppigste Track der Platte und wurde auch kurz nach dem Release zur Melt! 2011-Festivalhyme auserkoren. Mein Highlight des Albums ist „Blitz“. Fast schon Daft Punk-artig haben Digitalism etwas geschaffen, dass einen sowohl in Clubs, auf Festivals als auch im heimischen Wohnzimmer nicht stillsitzen lässt. Es gibt aber auch die andere Seite: mal experimentell, mal Indie, mal trifft „Ghetto Rave“ es wohl am besten. Man wird das Gefühl nicht los, dass neben der Suche nach Zuhörerschaft und funktionierenden Songs auch die wilde, experimentelle Seite des Duos hin und wieder losgelassen werden möchte. „Antibiotics“ und „Reeperbahn“ passen eher zu einem Rave tief im Untergrund, „Forrest Gump“ freundet sich lieber mit Indie-Partys an.

Insgesamt hat „I Love You Dude“ aber grundlegend von der Leichtigkeit seines Vorgängers verloren. Die Songs sind dumpfer, dunkler und der Bass drückt von allen Seiten. Es ist zwar nicht ganz so wild und frei wie „Idealism“, mein Album des Jahres 2011 ist dennoch, weil die Mischung aus Elektro- und Indie-Einflüssen immer noch mitreißt. Die entscheidende Frage ist aber wohl, welcher Song „Pogo“ beerben kann, den Song, der Digitalism zum weltweit angesagten Act machte. Die Antwort: wohl keiner.

31.12.2011, Sebastian Wolf

 
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