Die rappende Rockband aus Weiterstadt und Darmstadt: Das ist "Wortblind". Foto: Band
Zwei Tage bevor der SV 98 daheim seine Rückkehr in den Profifußball vollzog, starteten fünf junge Musiker, ebenfalls in Darmstadt, einen vielleicht noch aussichtsreicheren Versuch, Südhessens Ruhm zu mehren – und den eigenen. Mit druckvollem Griff in die Saiten und geistreichen Reimen. In Darmstadt schlägt das Herz des Poetry Slam. „Wortblind“ beweist, welche Wirkung in ansprechende Musik eingebettete Verse entfalten können. Die dank Frontmann „Sorrow“ rappende Rockband kombiniert ihre ausschließlich deutschen Texte mit Metal-, Elektro-, Hip-Hop- und Swing-Klängen. Zu hören auf dem Debütalbum „Wenn der Staub sich legt“, das am 21. Juli im eigenen Label „Dyslexie Records“ erschien.
Das wurde gleichen Tags mit einem Konzert im 603 qm gefeiert: Auftakt für die Deutschlandtour. Stephan „Sorrow“ Zimmermann (Gesang, Rap), André „Lenny“ Seiffert (Bass, Gitarre), Thomas Sommer (Gitarre, Keyboard, Gesang), Patrick Zehner (Schlagzeug, Percussion, Klavier) alle aus Weiterstadt – und der Darmstädter Jan Schneider (Gitarre, Gesang) reisen nicht nur durch die Republik, sondern auch mit 16 Albumtracks durch verschiedene Genres, Themen, Stimmungen. Oft geht es um das eigene Schicksal, etwa den Kampf gegen Selbstzweifel – spannend dargeboten in „Der Spiegel“.
Kämpfermentalität zieht sich durch alle Stücke, eine Ballade ist auch darunter. „Ich hab' es nicht gewollt, und das weißt Du doch. Ich habe nur gehofft, vielleicht bleibst Du noch“ heißt es in „Bleib en bisschen“, das Radioqualitäten hat. Die Südhessen bilden keine Gangsta-, aber auch keine Schmachttruppe, wie „Es ist vorbei“ zeigt: Hier wird das Beziehungsende gefeiert und die Treulose öffentlich geächtet. Gesellschaftskritisch werden sie bei „Du bist nicht allein“: „Ich seh' viel zu viel Gerede, Viele, die sich ohne Ziel bewegen, und zu Wenige, die sich dann noch wirklich Wege ebnen.“ Dabei sei das nötig, denn: „Die Politik strickt Fesseln für Millionen, anstatt die Scheuklappennation aus den Sesseln zu holen.“
Zwei rein instrumentelle Zwischenspiele, eines am Klavier, demonstrieren musikalische Qualitäten. Klassische Rapper sind, um bei einem breiteren Publikum anzukommen, auf Unterstützung angewiesen oder dienen als Gegenpart in einem melodischen Song. „Wortblind“ bietet beides selbst. Beim Selbstporträt „Das sind wir“ mag der Zuhörer sich ob des Einstiegs mit Bar-Geräuschkulisse und Swington fragen: Das seid Ihr? Schon brausen Gitarre und Bass auf, dann folgt der Rap, der Swington bleibt im Hintergrund.
„Ihr könnt uns unterschätzen, doch vergesst', Euch zu messen. Wir belehrn' Euch eines Bessren und wir sterben unvergessen.“ Wie in „Ich lebe nicht für Euch“ kommen zu harten Riffs und bestimmenden Drums typisch klare Ansagen: „Vorgespieltes Interesse brauch' ich nicht, haltet die Fresse.“ Und: „Ich gehe meinen Weg, schwimme gegen den Strom“ – und gegen den Mainstream. Auch wenn ein Song mal nach „Fanta 4“ klingt, und ein anderer mal nach „Toten Hosen“.
Das Quintett, hervorgegangen aus einer zum Abitur 2007 formierten fünfzehnköpfigen Band, debütierte im Jahr darauf beim Weiterstädter „Live-on-Stage“-Festival, legte kurz darauf „Die längste EP der Welt“ vor. „Ich hab' immer hart gekämpft, hab' mich immer angestrengt. Nie etwas geschenkt, immer 100 Prozent“, rappt Sorrow, und das gilt auch für die Platte: Grundlage seiner Bachelorarbeit im Fach Digital Media an der Hochschule Dieburg. „Wortblind“ spielen auf ihrem Weg „rauf, ganz nach oben“ außerdem am 9. September in der „Goldenen Krone“ auf der Bühne. Am 16. Oktober könnte ihr sie im Radio-Interview bei Radio NRJ (Frankfurt) hören, und am 8. November spielen sie live & akustik in der Centralstation Lounge.
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Das Video "Dein Weg" könnt ihr euch aber auch gleich hier ansehen:







