Männer sind für Mode noch immer schwieriger zu begeistern als Frauen. Dennoch machen Andrej Munivrana und Sandro Koch mit ihrem Label "Eigentum" Mode für den modernen Mann und treffen dabei auch den weiblichen Geschmack. Mit uns sprach Andrej Munivrana über das Modebewusstsein von Frankfurter Männern, die Halbwertszeit von Trends und den ersten eigenen Pop Up Store.
Echo-Live: Wie haben Sie sich als Design-Team zusammengefunden und was verbindet Sie?
Andrej Munivrana: Mit meinem Geschäftspartner bei „Eigentum“, Sandro Koch, bin ich schon seit vielen Jahren befreundet und wir haben uns immer mal wieder darüber unterhalten, dass wir “irgendwann” gerne unsere eigenen Ideen in einer Kollektion von Bekleidung umsetzen möchten. Als Sandro dann nach Barcelona gezogen ist und dort sein Label „Japamala“ aus der Taufe hob, ebnete sich unversehens auch der Weg für ein gemeinsames Projekt. Eigentum wird nun auch - wie „Japamala“ - bei einer kleinen Manufaktur in Peru produziert. Für mich wurde so ein lang gehegter Traum war, denn seit meiner Studienzeit im Bereich Architektur und auch später bei meiner Arbeit für „ENVY“ haben mich Mode und Design nachhaltig fasziniert.
Echo-Live: Die meisten Jungdesigner beschränken sich auf Damenmode, oder bieten Kollektionen sowohl für Damen als auch für Herren an. Warum haben Sie sich dazu entschieden, Männermode zu entwerfen?
Andrej Munivrana: Zunächst einmal, weil wie ja beide Männer sind. Außerdem haben weder Sandro noch ich eine Ausbildung zum Schnitt – oder Bekleidungstechniker. Wir sind Quereinsteiger und es fiel mir leicht, Mode für Männer zu kreieren, da ich selbst einer bin und mich in die Bedürfnisse von Männern problemlos einfühlen kann. Das soll aber nicht heißen, dass wir uns in Zukunft nicht auch an Mode für Frauen heranwagen werden. Denn offensichtlich finden unsere Styles auch in der Damenwelt Anklang: 10% unserer Kunden sind Frauen. Und die wollen kein Geschenk für ihren Liebsten kaufen, sondern suchen die Shirts für sich selbst aus.
Echo-Live: Sie entwerfen Stücke mit klaren Linien und besonderen Details. Welchen Typ Mann möchten Sie mit ihrer Mode ansprechen?
Andrej Munivrana: Der Eigentum-Träger ist ein moderner und offener Mann: Er hat Selbstbewusstsein, muss nicht jedem schnelllebigen Trend hinterher hecheln und er weiß, was er will. Die Qualität und die Verarbeitung seiner Kleidung sind ihm wichtig und er möchte seine Individualität betonen und unterstreichen, dabei aber nicht verkleidet aussehen.
Echo-Live: Ist es schwieriger, Männer für Mode zu begeistern?
Andrej Munivrana: Es sieht mir ganz so aus! Offensichtlich ist der überwiegende Teil der deutschen Männer nicht besonders experimentierfreudig oder mit großer Stilsicherheit gesegnet, so dass das Bild auf den Straßen sehr uniform wirkt. Ich glaube, den meisten Männern ist ihr Outfit einfach gleichgültig. Das ist schade. Man möchte ihnen zurufen: Probier doch mal was Ungewohntes aus! Aber ich will auch nicht verallgemeinern. Gerade die jungen Generationen sind zunehmend interessierter an Mode und nutzen Kleidung, um ihre Persönlichkeit zu unterstreichen. Ich warte jedenfalls sehnsüchtig auf den Tag, an dem wir in Deutschland modisch gesehen endlich zu den Männern auf den Straßen Stockholms oder London aufschließen.
Echo-Live: Welche Trends spielen in der Männermode in der kommenden Saison in ihren Augen eine wichtige Rolle?
Andrej Munivrana: Ich habe Trends gegenüber ein recht zwiespältiges Verhältnis. Jede Saison werden sogenannte “Must-haves” aus dem Hut gezogen, deren einziger Zweck es ist, den Menschen Klamotten, die sie vor 2 Saisons in die Altkleidersammlung gegeben haben, nun wieder als den absoluten Hit zu verkaufen. Sicher ist das gut für die Konjunktur – aber ist es auch noch zeitgemäß? Ich glaube, dass es einen viel wichtigeren, übergreifenden Trend gibt: Es geht um das Finden des eigenen Stils und der ist unabhängig von der Saison. Nachhaltigkeit und Orientierung an zeitlosen Werten kultiviere ich lieber als den nächsten Fashion-Gag, nach dem in 6 Wochen kein Hahn mehr kräht. Es ist wichtiger, seine eigene Wahrheit auszusprechen und so ein echtes Statement abzugeben. Und ein solches Statement steht nicht auf einem T-Shirt.
Echo-Live: Sie verwenden ausschließlich Biobaumwolle für ihre Kleidung. Denken Sie, dass Nachhaltigkeit in der Mode in den nächsten Jahren einen höheren Stellenwert erreichen wird?
Andrej Munivrana: Nachhaltigkeit im Handeln und Wirtschaften ist schon längst im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen und das ist gut so. Wir leben in einer Welt mit knappen Ressourcen, stetig wachsender Bevölkerung und sind ein Teil der sogenannten “Wohlstandsgesellschaft”. Da sollten wir doppelt so engagiert sein, denn Überlebensfragen spielen ja für uns hier in Deutschland keine besonders große Rolle. Bei Eigentum arbeiten wir konsequent ohne chemische Farben oder giftige Zusätze, die Kollektion wird ohne Kinderarbeit und Ausbeutung unter fairen und menschenwürdigen Bedingungen produziert. Diese Saison haben wir außerdem noch die Folienverpackung komplett rausgeschmissen und liefern jedes Stück in einen Baumwollbeutel, der als Fashion-Item oder auch als Einkaufstasche immer wieder verwendet werden kann.
Echo-Live: Wie sind die Rückmeldungen der Kunden zu diesem Thema?
Andrej Munivrana: Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, kann man sich diesem Thema gar nicht mehr entziehen. Unsere Kunden sind qualitätsbewusst und informiert und damit meine ich nicht nur die Informationen aus dem neuesten Männer - Modemagazin. Die Rückmeldungen zur „Eigentum“ Qualitäts– und Produktionsphilosophie sind sehr positiv. Unsere Kunden zahlen gerne ein paar Euro mehr, wenn sie dafür nachhaltig produzierte Ware erhalten, die sie mit gutem Gewissen tragen können.
Echo-Live: Im Juni 2011 haben Sie einen „Pop up Store“ in Frankfurt eröffnet. Was war die Idee hinter diesem Shop-Modell?







