Sebastian Linck und der Charme der dunklen Orte

Sebastian Linck dunkle Orte

Dunkle Orte wie dieser, die andere nicht einmal eines Blickes würdigen würden, sind Sebastian Lincks Spezialität. Er hat sie gerne als Foto-Motiv. Foto: Sebastian Linck

Sebastian Linck liebt Städte bei Nacht, denn "dunklere Ecken haben mich schon immer gereizt", wie er sagt. Dazu kommt: "Ich interessiere mich schon lange für Bildbände, die solche urbanen Szenerien zeigen." Beides zusammen wurde offenbar zur Leidenschaft, die Energie verleiht. Denn Linck macht sich mit Kamera und Stativ immer wieder und eben gerne auch nachts auf den Weg und nimmt vor die Linse, was andere gar nicht sehen wollen: Straßenkunst, Abbruchhäuser, Baustellen, verkommene Fußballstadien, vergessene Kanäle und Tunnel, also allgemein "Un-Orte".

Der 1980 geborene Darmstädter, der schon mit fünf Jahren "ein bisschen geknipst" hat, wie er sagt, aber erst seit rund fünf Jahren mit einer besseren Kamera unterwegs ist, macht daraus menschenleere Schönheiten oder eigentümliche Besinnlichkeiten. Die Ausschnitte aus den tristen Szenerien und spannende Lichtwirkungen werden als professionelle Inszenierungen "entlarvt".

Die Idee, seine Fotografien auch als Magazin zu veröffentlichen, kam Sebastian während seiner Work & Travel-Reise durch Australien, Neuseeland und Vietnam. "Da hatte ich in Neuseeland so ein tolles Magazin für 10 Euro in der Hand und wollte so etwas auch selbst machen", sagt er. Zum anderen war ihm eine ansprechende Darstellungsform für seine eigenen Fotos wichtig. "Mir und meiner damaligen Freundin ging es um das Haptische. Nicht jeder ist der Typ für lange Dia-Shows."

Das erste Heft erschien 2009

Gesagt, getan: Die Bild-Perlen aus Hongkong, Saigon, Sydney, Palermo, Berlin wurden im ersten "Uebergrund"-Heft versammelt, das Ende 2009 erschien - mit einigen wenigen Darmstadt-Aufnahmen. Diesen räumte Sebastian dann in der zweiten Ausgabe mehr Platz ein: Die Orte anklagender Tristesse stehen sogar eindeutig im Zentrum. Auf den 65 Seiten geht es um die kargen städtischen Wasserkatakomben, dei größtenteils an der Dieburger Straße liegen. "Home Sweet Home" ist hier ein verkommener Keller, der seinen Charme allein durch weiches Licht erhält, und in die Abrissbude, zu der die verlassene Wohnung auf den Seiten 42 und 43 wurde, möchte man erst gar nicht gehen.

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Beruflich hat Sebastian überhaupt nichts mit Kunst und Kultur am Hut. Er arbeitet als kaufmännischer Angestellter bei der TUS Griesheim und macht derzeit ein Fernstudium zum Sportökonomen. Seine Leidenschaft fürs Fotografieren entdeckte Sebastian durch Graffiti und Street Art. Hier dokumentierte er die Werke in Darmstadt, als er 12,13 Jahre alte war, verlor danach das Fotografieren aber wieder aus den Augen und entdeckte es erst vor sechs Jahren wieder. "Heute gibt es auch nicht mehr so die Notwendigkeit, finde ich, Graffiti und Street Art zu fotografieren", sagt Sebastian, "weil es so viele Plattformen und Gruppen inzwischen dafür im Internet gibt. Das ist eigentlich schon eine Reizüberflutung. Anfang der 90er Jahre war das noch etwas Besonderes, weil es auch noch kaum Magazine dafür gab." Für ihn ist dieser Reiz jetzt weg, wohingegen die Stadt bei Nacht ihn nach wie vor lockt.

Sebastians kleine Magazine im DIN-A-5-Format sind selbstfinanziert und -produziert mit einer Auflage von je 500 Exemplaren erschienen, beim zweiten Heft hat ein Freund das Layout gestaltet. "Gewinn mache ich damit nicht", sagt er. Aber darauf komme es ihm ja auch nicht an. Ein wahrer Kunst-Liebhaber, der immer noch glänzende Augen bekommt, wenn er die Hefte in die Hand nimmt und sie jemandem präsentiert.

 

Bestellen kann man "Uebergrund" über www.myspace.com/uebergrund.

18.10.2011, aka/kfe

 
 
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