Mit Salon-Kultur zum Abi: Julia Diefenbach organisiert als Abi-Prüfung ein Konzert. Foto: Alex Heimann
Julia Diefenbach (18) macht im kommenden Schuljahr ihr Abitur am Seeheimer Schuldorf Bergstraße. Während sich die meisten Mitschüler eher im stillen Kämmerlein auf ihre Reifeprüfung vorbereiten, lässt Julia die Öffentlichkeit zumindest in Teilen an diesem Ereignis teilnehmen. Neben Prüfungen in Mathe, Politik und Wirtschaft absolviert sie eine besondere Lernleistung in Musik.
"Mein Musiklehrer Burkhard Heinz war von meiner Idee total begeistert", sagt Julia beim Gespräch auf Schloss Heiligenberg in Jugenheim, wo sie für ihre Prüfung wirken wird. Zurzeit verfasst die Schülerin die wissenschaftliche Arbeit. "Weil mein Lehrer auch Praxisnähe wollte, habe ich mich entschlossen, passend zu meinem Thema ein Konzert zu organisieren." Nach Auskunft des Kultusministeriums sei dies eine Premiere für Hessen. "Die Schule ist begeistert", betont Direktor Ronald Seffrin. Diefenbach muss dort auch einen Konzertmitschnitt einreichen und eine mündliche Prüfung bestehen.
Das Thema der Arbeit: Die Salon- und Kaffeehausmusik, wie sie vor allem im 18., 19. und 20. Jahrhundert in Salons von Adel und Großbürgertum und in den Kaffeehäusern in Metropolen wie Wien, Paris oder Berlin gepflegt und aufgeführt wurde. "Auf die Idee, dieses Genre wissenschaftlich zu beleuchten, bin ich in England gekommen, als mir dort solche Musik beim Fünf-Uhr-Tee begegnet ist", erzählt Julia.
Nachdem das Thema gefunden war, stürzte sie sich mit Elan in die Organisation eines Konzerts mit Kaffeehaus- und Salonmusik. Als passender Veranstaltungsort erschien ihr das Schloss Heiligenberg. Dank der Unterstützung durch Bürgermeister Olaf Kühn konnte sie den Schlosshof wunschgemäß für den 19. August buchen. An diesem Freitagnachmittag sollen wie in einem Kaffeehaus rund 200 Zuhörer sitzen und der Musik lauschen, während sie den Kaffee genießen, den Freundinnen und Bekannte Julias in der typischen Uniform der Servierfräuleins und Ober auftragen. "Mein Konzert findet bei jedem Wetter statt, zur Not kaufe ich auch 200 Regenponchos!"
Keine halben Sachen bei der Auswahl der Ensembles
Die seit Jahren bei Radio Melibokus Engagierte macht gern ganze Sachen und hat ihr gutes Gespür dafür auch bei der Auswahl der Musiker bewiesen. "Das derzeit beste Orchester in Deutschland ist in dieser Sparte das Salonorchester Münster aus Westfalen. Ich konnte ein sechsköpfiges Ensemble engagieren", sagt Julia stolz. Sie hat auch die Musikauswahl getroffen und Werke von bekannten Komponisten wie Mozart, Brahms, Strauß, Schubert, Robert und Clara Schumann ausgewählt.
Das Unternehmen hat ihr bislang nicht nur Recherche, Organisationstalent und Arbeitseinsatz abgefordert, sondern kostet natürlich auch richtig Geld. "So 3000 bis 4000 Euro werden auf mich zu kommen." Deshalb sucht Julia noch Sponsoren. "Die Geschäftsleute hier in Seeheim-Jugenheim waren von meiner Idee einer so speziellen Kulturveranstaltung begeistert und haben sich immerhin mit kleineren Summen beteiligt", sagt sie. Enttäuschend sei die Resonanz bei großen Firmen in der Region gewesen. Andererseits ist dies auch "wie im richtigen Leben", denn mit Kultursponsoring tun sich Firmen in Zeiten knapper Kassen schwer. Da muss man als Kulturmanager schon einen langen Atem haben.Nun hofft Julia darauf, den offenen Rest der Kosten durch Kartenverkäufe wett zu machen. Kulturmanagement ist aber erstmal nicht Julias Berufswunsch. Wirtschaftsingenieurswesen will sie dann nächstes Jahr nach dem Abi studieren.
Karten: Wer Lust hat auf ein bisschen Salon-Kultur des 18. Jahrhunderts, kann bei Julia selbst für 15 Euro unter der Telefonnummer 06257-955759 oder via E-Mail an JuliaDiefenbach@gmx.net Karten bestellen. Konzertbeginn am 19. August (Freitag) auf Schloss Heiligenberg in Jugenheim ist um 14.30 Uhr.







