"Den Nerv der Leute treffen"

Sound of the Forest_Interview mit Bonsai Kitten

Krczycz, DeLarge und Tiger Lilly Marleen von Bonsai Kitten im Interview mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes

In dem 2004 gegründeten Quartett Bonsai Kitten steckt eine deftige Mischung aus Rockabilly, Punk und Psychobilly. Markenzeichen der Sängerin Tiger Lilly Marleen sind knappe Outfits und ihre unverwechselbare raue Stimme. Mit ihrem aktuellen Album "Done With Hell" im Gepäck zeigte die Band aus Berlin auf dem Sound of the Forest was es heißt, mit "Killbilly" die Bühne zu rocken. Echo-Live sprach mit Bonsai Kitten über ihren außergewöhnlichen Namen, ihr Album und ihre weiteren Pläne.



Echo-Live: Der Begriff Bonsai Kitten taucht das erste Mal im Zusammenhang mit Studenten aus Massachusetts auf, die am Institute Of Technology auf einer Website behaupteten, Katzen eingesperrt in Glasbehältern zu züchten. Ein Scherz, der bei vielen Tierschutzorganisationen die Alarmglocken läuten ließ. Wie kommt man darauf, diesen Begriff als Bandnamen zu verwenden? Fühlt ihr euch wie eingesperrte Katzen?

Tiger Lilly Marleen: Das ist dadurch entstanden, dass ich im Jahre 2000 ganz viele Mails von Tierschützern bekommen habe, die dazu aufriefen, gegen diese Seite vorzugehen. Am Ende hat sich herausgestellt, dass es ein Scherz war. Ich bin auch zuerst darauf reingefallen. Im Nachhinein fand ich es aber so witzig und dachte mir, wenn ich mal eine Band habe, dann nenne ich sie „Bonsai Kitten“. Und so ist es dann auch gekommen. Der Vorteil ist, dass die Leute die Assoziation zu dieser Story haben und dadurch ganz oft schon zu mir meinten: „Von Euch hab ich schon mal gehört“.



Echo-Live: Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit dem japanischen Label „On The Hill”, auf dem eure erste EP „Bonsai Kitten“ veröffentlicht wurde?

Alexx: Ich wollte den Bandnamen in japanischen Schriftzeichen verwenden. Aus alten Geschäftsbeziehungen hatte ich noch einen Kontakt in Japan und den habe ich danach gefragt. Der war zufälligerweise Chef eines Labels und wir haben ihm unsere Musik geschickt. Die hat ihm so gut gefallen, dass er sie veröffentlichen wollte. Der Rest ist Geschichte.



Sound of the Forest Interview mit Bonsai Kitten
Bonsai Kitten auf dem Sound of the Forest. Foto: Felipe Fernandes


Echo-Live: Ihr habt eine ganz eigenen optischen Style, der etwas an japanischen Animes erinnert. Wie wichtig ist dieser Style für euch?

Tiger Lilly Marleen: Es geht uns nicht darum, eine bestimmte Richtung zu fahren. Wir sind einfach so und die Musik, die wir machen, kommt von uns. Wir machen uns und wir machen euch allen nichts vor. Wir spielen keine Rollen und das finde ich wichtig. Ich trage, was ich anhabe, gerne und natürlich passt es gut zur Band. Und irgendwie hat sich daraus ein gewisses Image entwickelt.



Echo-Live: Ihr nennt euren Musikstil “Killbilly“. Was genau meint ihr damit?

Tiger Lilly Marleen: Es ist Eklektizismus. Wir sind vier verschiedene Musiker, die auch vier verschiedene Backrounds haben. Ich habe zum Beispiel neben der ganzen Popmusik auch Hardcore gehört und kam dann über den Punkrock zum Psychobilly. Den anderen Bandmitgliedern geht es ähnlich. So führen wir all unsere Musikinteressen zusammen und daraus ergibt sich dann mit unserem Image "Killbilly".



Echo-Live: Bonsai Kitten wurde ursprünglich nur als musikalisches „Projekt“ gestartet. Nun ist das Ganze aber definitiv ein Fulltime-Job, oder?

Krczycz: Bonsai Kitten ist eine Band, und das ist uns sehr wichtig. "Projekt" klingt immer so negativ und so nebenbei. Das ist unsere Band, wir sind das.

Tiger Lilly Marleen: Ganz am Anfang war es so eine Art Experiment. Für mich war es letztendlich kein Projekt in dem Sinne. Ich habe Musiker für die Band gesucht. Die Jungs hatten noch andere Bands...

Alexx: Die Prioritäten haben sich verlagert. Wir hatten zunächst unsere andere Band und "Bonsai Kitten" war am Anfang ein Projekt, das interessant klang und wir dachten, dass wir es einfach mal probieren sollten. Es hat sich aber soweit entwickelt und es hat so viel Spaß gemacht und auch der Erfolg, der zurückkam war so großartig, dass wir alle gesagt haben, dass es das Beste ist, was wir bisher gemacht haben. Alles andere ist eben etwas nach hinten verschoben worden. Aber ein Fulltime-Projekt ist es leider noch nicht. Wir müssen alle noch nebenher arbeiten gehen.



Echo-Live: 2009 waren eure Aufnahmen zu eurem aktuellen Album „Done with Hell“ abgeschlossen. Aber erst im Februar 2011 erschien die Platte. Warum diese lange Zeitspanne dazwischen?

DeLarge: Wir hatten rechtliche Schwierigkeiten mit einem ehemaligen Bandmitglied. Deswegen hat es sich etwas verzögert und wir mussten einige Songs noch mal aufnehmen.

Krczycz: Viele Songs waren noch nicht ganz fertig, zwar aufgenommen, aber nach einem halben Jahr haben wir sie uns noch mal angehört und wir wollten einiges verändern. Deswegen haben wir sie noch mal aufgenommen. Die Platte sollte ja gut werden. Und ich glaube sie ist auch gut geworden!

Tiger Lilly Marleen: Es ist auch so, wenn man als kleine Band im "Do it yourself" - Style produziert und versucht Geld zu sparen, oder man kennt jemanden, der ein Studio hat. Da ist es natürlich der Vorteil, dass man nicht so viel bezahlen muss, aber der Nachteil ist eben, dass alles etwas länger dauert. Die ersten Songs haben wir vor drei Jahren aufgenommen und dann hört man sich die Lieder nach zwei Jahren an und will noch einiges verändern.

 
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Echo-Live: Ihr habt schon die Berliner Country-Granden The BossHoss supported und seid vor 8000 Leuten aufgetreten. Wie hat es sich angefühlt, vor sein einem großen Publikum zu spielen?

Alexx: Geil!

Krczycz: Es ist einfach ein sehr schönes Gefühl, wenn die eigenen Songs bei den Leuten gut ankommt. Und wenn man vor einem so großen Publikum dann sagt "Jetzt klatschen" und dann klatscht jeder. Und zu spüren, dass andere das toll finden und mitmachen ist ein sehr, sehr schönes Gefühl. Aber eigentlich ist es egal, ob es 100 Menschen oder 8000 sind!

DeLarge: Den Nerv der Leute treffen!



Echo-Live: Tiger Lilly Marleen, du erklärst auf deiner Myspace Seite, dass Süße deine Schwäche ist. Warum würdest du das als Schwäche bezeichnen?

Tiger Lilly Marleen: Jaja! Hab schon überlegt, ob ich die Süßigkeiten, die im Backstage-Bereich überall rumstehen ins Publikum werfen soll, dachte dann aber lieber nicht (lacht). Ach das ist eine Sucht. Ich rauche nicht! Ich trinke nicht viel und ich nehme keine Drogen. Aber ich brauche Schokolade! Jeden Tag!



Echo-Live: „Tiger Lilly Marleen“ – ein außergewöhnlicher Name. Welche Bedeutung steckt dahinter?

Tiger Lilly Marleen: Ich heiße Marleen. Immer wenn ich mich vorgestellt habe war immer sofort die Assoziation mit Lilly Marleen da. Und da ich gerne Klamotten mit Leopardenmuster anhabe und die Leute immer zu mir gesagt haben "Tiger Lilly" habe ich irgendwann beschlossen: "So nun bist du Tiger Lilly Marleen".

Krczycz: Tiger Lilly Marleen ist Sie.. eine Marke!



Echo-Live: Wie sehen eure Pläne für die nächste Zeit aus?

Tiger Lilly Marleen: Die neue Platte kommt nächstes Jahr. Dafür nehmen wir gerade noch Songs auf und schreiben an Neuen. Wir haben noch einige Festivals vor uns. Nächste Woche sind wir zum Beispiel in Italien. Wir planen auch einen Videodreh zu einem neuen Song und wir wechseln gerade die Booking-Agentur.



Echo-Live: Stellt euch vor, ihr seid auf einer einsamen Insel und könntet nur drei Dinge bei euch haben. Welche wären das?

Tiger Lilly Marleen: Meine Band.

Krczycz: Die Band und unsere Instrumente. Sonst wird es langweilig.

Tiger Lilly Marleen: Schokolade nehme ich noch mit!

Alexx:.... Und Schnaps!



Echo-Live: Danke für das Gespräch!


28.08.2011, Clarissa Guzy

 
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