"Es reflektiert unseren Lebensstil"


Kakkmaddafakka auf dem Sound Of The Forest

Axel und Martin (r.) von Kakkmaddafakka Felipe Fernandes



„Kakkmaddafakka“ ist in diesem Fall kein Schimpfwort, sondern eine Indieband aus der norwegischen Stadt Bergen. Ihr Name ist nicht Programm und so steht das Wort in der BALLABANG Sprache statt einer Beleidigung für „Party Animal“. Das Licht der Welt erblickte die Band 2004, als sie von den Brüdern Axel und Pål Vindenes gegründet wurde. 2007 erschien ihr Debüt „Down To Earth", mit dem sie zwar Norwegen, aber noch nicht Europa überzeugen konnten. Internationalen Erfolg verschaffte ihnen erst ihr aktuelles Album „Hest“, welches im Februar 2011 erschien. Seitdem sind die Jungs fleißig am Touren, aber auch bereits an der Arbeit für ein neues Album, verrieten Sänger Axel Vindenes und Background Sänger Martin Sande Echo-Live Redakteurin Nina bei einem Gespräch am Samstag auf dem Sound Of The Forest.

Echo-Live: Wir sind heute hier auf dem Sound Of The Forest. Ich habe gehört, ihr seid gestern Nacht schon hier angekommen. Wie gefällt es euch hier?

Axel: Wir haben einige Waldliebhaber bei uns in der Band. Mein Bruder Big P und ich haben ein Sommerhaus in Schweden. Es liegt auch mitten im Wald. Wir sind also mit dem Wald und seinen Bewohnern aufgewachsen. Da kannst du so viel unternehmen, zum Beispiel große Bäume fällen oder nackt im See schwimmen. Ein Festival genau in dieser Umgebung ist für uns also fast wie ein kleiner Urlaub.

Echo-Live: In vielen Interviews musstet ihr schon berichten, dass ihr euren Bandnamen „Kakkmaddafakka“ schon gefunden hattet, bevor es überhaupt eine Band gab. Euer Name ist schon etwas speziell. In der deutschen beziehungsweise englischen Sprache ruft er erst mal eher negative Assoziationen hervor. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, den Namen zu ändern, wenn ihr könntet? Oder bedeutet er auf norwegisch vielleicht etwas ganz anderes?

Axel: Wir haben jeder Zeit die Chance unseren Namen zu ändern, also denke ich, wir haben beschlossen ihn zu behalten. Er hat einfach für uns eine besondere Bedeutung.

Echo-Live: Liest man Rezensionen über euch, so werdet ihr oft als Party Band und phänomenaler Live-Act beschrieben, der gerne richtig auf den Putz haut. Wie seht ihr das? Würdet ihr euch auch so beschreiben?

Axel: Seine eigene Band zu beschreiben ist immer schwierig. Aber ich denke, wir sind echte Menschen, die echte Musik machen und das aus echtem Spaß an der Freunde. Wir spielen keine Rollen, wir sind einfach wir selbst, so sehr es eben geht. Daher werden wir immer natürlich weiter wachsen. Wir sind nicht wie K, die wirklich ein extremes Gegenbeispiel für uns sind. Anfangs war es noch toll, die verkleideten Mitglieder auf der Bühne zu sehen, aber mit der Zeit wurde es einfach uncool. Daher mussten sie die Masken abnehmen. Wir könnten erst gar nicht in so eine Situation kommen, denn wir sind immer wir selbst.
 
Martin:
Wenn man uns als Partyband beschreibt, ist das vielleicht auch einfach als super Kompliment gemeint.

Axel: Wir sind jetzt Anfang 20. Wir lieben es zu feiern! Aber wer weiß, wie das ist, wenn wir eines Tages 40 sind? Vielleicht sagen sie dann über uns: Ja, dass ist eine sehr melancholische Band, obwohl sie damals eine echt gute Partyband waren. Es reflektiert unseren Lebensstil.
 
Kakkmaddafakka im Gespräch
Kakkmaddafakka im Gespräch mit Echo-Live. Felipe Fernandes

Echo-Live: Was haltet ihr von dem Rockstar-Statement: Sex, Drugs and Rock’n’Roll? Lebt ihr danach?

Martin: Nach Sex und Rock’n’Roll!

Axel: Sex, Rock’n‘Roll, Soft Drugs! Nein, ich halte das alles für dumme Mythen. Leute, die diesen Lifestyle wirklich leben, gehen sehr schnell zu Grunde. Sie machen keine gute Musik mehr. Klar, es gibt einige Ausnahmen, die zeigen, dass Sex, Drugs und Rock’n’Roll doch eine gute Mischung sein können, aber es ist harte Arbeit. Ich denke, wenn braucht man von allem ein bisschen. Das Rockstarleben ist eher in einem Bus oder Flugzeug zu sitzen und jede Menge zu reisen. So ist das Leben im Musikbusiness heute.

Echo-Live: Ihr kommt aus der norwegischen Stadt Bergen. Ende der 80er bis Ende der 90er gab es dort eine Künstlerbewegung, die sich  „Bergen Wave“ nannte. Viele norwegische Künstler schafften den internationalen Durchbruch. Eure Band ist nun Teil der „New Bergen Wave“. Gibt es dort eine besondere inspirierende oder künstlerische Atmosphäre in Bergen? Oder könnte auch jede andere norwegische Stadt der Herd für diese Welle sein?
 
Axel: Es könnte auf keinen Fall eine andere Stadt als Bergen sein, dass kann ich dir versichern! Viele norwegische Städte sind im Vergleich zu Bergen einfach nur Mist. In Bergen gibt es diesen ganz bestimmten Kreis an Menschen. Jede Menge kreative Leute tummeln sich in dieser Stadt. Wir sind leider so glücklich mit unseren Musikalischen Fähigkeiten ausgestattet, dass es uns momentan in Bergen langweilt. Wir sind wirkliche Bergen-Bewohner. Obwohl ich kann es gar nicht wirklich behaupten, ich wohne erst seit ich vier bin in Bergen. Es ist eine kleine Stadt, daher hat man auch super Connections zwischen den Bands. Man trifft sich spricht über Musik oder aktuelle Songs. Es ist schön ein Feedback zu bekommen. Genau so ging es uns mit dem Producer unseres aktuellen Albums. Er hat uns einfach in Bergen gefunden und wurde so ein großartiger Mentor für uns mit unzählen Tipps und wie wir es am besten anstellen. Wenn wir später auch mal so eine Funktion für eine andere Band übernehmen könnten, wäre das wirklich Karma für uns. Momentan hören die Leute einfach noch nich auf uns. Es liegt, glaube ich, an der Art und Weise wie wir sind. Die Anderen nehmen uns nicht ernst. Auch wenn wir unterwegs sind und viel mehr Geld verdienen. Wir könnten es besser machen als jeder andere – aber keiner hört hin. Deshalb versuche ich jetzt in jedem Interview besonders seriös zu wirken. Vielleicht wird es sich dann eines Tages ändern.

Martin: Die Bergen Wave begann sogar noch früher! Bereits in den 60ern gab es schon sehr viele Künstler aus Norwegen! Oder kennst du Edvard Grieg?! Er war vielleicht damals Ende des 19. Jahrhunderts der erste der Bergen Wave.
 
Echo-Live: Euer aktuelles Album „Hest“ ist euer erstes professionell aufgenommenes Album, welches euch auch zu internationalem Ansehen verholfen hat. Ich habe gelesen, dass ihr von eurem ersten Album „Down to earth“ nicht mehr so begeistert seid. Stimmt das? Wie geht es euch mit eurem im Februar erschienen Album „Hest“?

Axel: Ja, das stimmt. Wir fühlen uns einfach etwas erwachsener. Das „Down to earth“ ist drei Jahre alt – es spiegelt unser damaliges Leben mit knapp 18, beziehungsweise der Rest war knapp 15, wieder. Natürlich stehen wir dazu, denn es gehört zu uns, aber wir haben uns weiterentwickelt. Wir sind besser in dem geworden was wir tun. Vielleicht sagen wir in ein paar Jahren auch über „Hest“, dass es uns nicht mehr repräsentiert.

Martin: Das interessante an „Hest“ ist, um auch noch mal deine vorhergehende Frage aufzugreifen, dass dieses Album den Spirit der Bergen Wave vereint. Wie gesagt durch dieses Networking in der Stadt haben wir unseren Producer gefunden.

Axel: Stimmt. „Hest“ ist einfach von Grund auf etwas völlig anderes. Wir haben viel mehr Arbeit und Energie in dieses Album gesteckt. Wir haben gelernt, was wir tun und was wir lieber lassen sollten. Wir wollten ein solides Album mit neun oder zehn Songs. Dieses Mal wollten wir nicht so viel herumalbern. Das erste Album war kindischer. Aber klar, wir waren ja auch noch viel jünger.

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Sound of the Forest 2011 / Samstag

 

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Echo-Live: Welches ist euer Lieblingssong auf der neuen Platte und warum?

Axel: Ich mag sehr viele Songs auf der CD. Gut, das Album ist erst im Februar erschienen, aber ich bin es immernoch nicht leid sie zu hören oder die Songs zu spielen. Wir spielen alle Songs vom Album live, bei jedem Auftritt. Auch wenn ich sehr stolz auf das komplette Album bin, ich denke, die aufgenommene Version von „Your girl“ gefällt mir besonders. Wir haben den Song live aufgenommen, dass ist schon ein kleines Highlight, was wir beim nächsten Album nicht wiederholen werden.

Echo-Live: Arbeitet ihr denn schon an einem neuen Werk?

Axel: Kein Kommentar!

Echo-Live: Nicht mal einen ganz klitze Kleinen?

Axel: Ok, Indie R’n’B! (lacht) Jetzt dürft ihr gespannt sein!

Echo-Live: Wir haben jetzt kurz nach 19 Uhr – so langsam rückt euer Auftritt näher. In euer Band seid ihr rund acht Musiker. Habt ihr da noch mal ein spezielles Ritual bevor ihr auf die Bühne geht oder verbringt jeder die Zeit vorm Auftritt wie es ihm gerade beliebt?

Martin: Wir machen das ähnlich, wie man es oft in den amerikanischen Highschool Filmen sieht: Wir bilden einen Kreis und einer von uns hält eine kurze Ansprache. Darin kann alles vorkommen. Der Ort an dem wir sind, den Auftritt, aktuelle Geschehnisse oder Dinge die uns einfach beschäftigen. Dann stecken wir die Hände zusammen und werfen sie gemeinsam mit einem lauten „Wohooo“ nach oben.

Axel: Das witzige ist: Wenn es ein Hallenkonzert ist, machen wir das mit unseren Händen. Spielen wir aber unter freiem Himmel, so machen wir die Welle mit unseren Füßen!

Martin: Das ist, denke ich, das wichtigste Ritual für uns. Wir hatten schon so viele verschiedene Sachen. Manchmal haben wir Songs gesungen oder andere verschiedene Sachen...

Axel: ...aber wir wollen das gar nicht. Wir wollen nicht in zu viel Routine versacken oder uns an zu viele Regeln halten. Wir versuchen stets dynamisch zu bleiben.
 
Echo-Live: Eine abschließende Frage: Wenn Kakkmaddafakka als Band ein Tier verkörpern könnte, welches wäre das und warum?

Martin: Ein Pferd!

Axel: Haha, er sagt Pferd, das ist schon gar nicht schlecht. Aber ich würde sagen wir sind Löwen. Männliche Löwen. Wir sind sehr gechillt, aber können auch gut auf den Putz hauen, wenn wir müssen. Löwen sind wirklich die besten Tiere. Sie lassen die Weibchen das Fressen fangen während sie chillen und gelegentlich Sex haben. Wenn es drauf ankommt, können sie lauter brüllen als alle andern. Genau so ist es, sobald wir auf die Bühne kommen. Jetzt chillen wir noch, aber gleich auf der Bühne geht es rund!
 
Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch!

30.08.2011, Nina Berg

 
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