"Der eigentliche Headliner ist die Location."

Fritz, Max und Karl (v.li. nach re.) aka K-Rings beim Interview mit Echo-Live.

"Manchmal muss die Kette wieder aufs Ritzel". Fritz, Max und Karl (v.li. nach re.) beim Interview mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes

Bereits zum dritten Mal fand am vergangenen Wochenende bei zum Teil wunderschönem Sonnenwetter das Sound of the Forest statt. In einer Auenland-ähnlichen Atmosphäre wurde allen „open-minded“-People einiges geboten: Eine bunte Auswahl an Bands und Musikern, Lichtspiele und eine zauberhafte Waldkulisse. Max, Fritz und Karl Krings sind nicht nur Mitveranstalter des Sound of the Forest, sondern auch die K-Rings, eine Band die seit Jahren einen festen Namen in der Musikszene und mit namhaften Künstlern wie Xavier Naidoo oder Nena zusammen gearbeitet hat. Echo-Live sprach am Samstag mit den drei gut gelaunten Brüdern über die Philosophie des Festivals, Auswahl der Bands und ihre Band K-Rings im Kampf gegen die Routine.

 

Fritz, Max und Karl (v.li. nach re.) aka K-Rings beim Interview mit Echo-Live.
Fritz, Max und Karl (v.li. nach re.) aka K-Rings beim Interview mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes
Echo-Live: Es ist Tag zwei des Sound of the Forest. Gestern war ein wunderschöner Sommertag, heute gibt es Sonne und Regen im Wechsel oder gar gleichzeitig. Wie zufrieden seid ihr mit dem bisherigen Verlauf?

Karl: Die Motivation im Team ist geil. Wir haben in diesem Jahr wieder viel verändert und neues ausprobiert. Wir haben einen schönen Seebereich mit Bühne und toller Beleuchtung. Die Stimmung ist super. Der Regen lässt nach und ich bin guter Hoffnung, dass es heute Abend einen tollen Abschluss mit den Norwegern Kakkmaddafakka gibt.

Max: Der Regen macht der Stimmung und den Besuchern nichts aus.

Fritz: Regen ist nur was für Weicheier. (Lachen)

Echo-Live: Viele Festivals im In- und Ausland hatten dieses Jahr große Probleme mit dem Wetter. Eltern und Besucher sind zum Teil verunsichert. Habt ihr euch auf mögliche Stürme vorbereitet?

Fritz: Wir können das Wetter natürlich nicht beeinflussen. Aber wir stehen mit dem Wetterdienst im regen Kontakt und es gibt natürlich Pläne die Leute schnellst möglich zu evakuieren. Im Fall der Fälle steht an erster Stelle, alle in Sicherheit zu bringen, und dass niemand zu schaden kommt.

Max: Aber es wird keine Stürme geben, die haben Angst vorm Odenwald!

Echo-Live: Das Sound of the Forest findet dieses Jahr zum dritten Mal statt. Bei der Dichte der Festivals in Deutschland herrscht ein großer Konkurrenzkampf unter den Festivals um Besucher. Ihr schreibt in der Info zu eurem Festival: „Wer hier große Bands sucht, ist falsch“. Geht dieses Konzept auf?

Karl: Sound of the Forest in dieser Form als Festival geht auf diese Art vielleicht nur so im Odenwald am Marbachstausee.

Max: Die Leute sollen sich hier in das Gelände verlieben, mit der Natur eins werden und erst dann kommt die Musik. Es ist eine spezielle Location: Mitten im Wald am Marbachstausee gelegen, es gibt Höhenunterschiede im Gelände und auch der Campingplatz direkt am Wasser so recht einmalig.

Karl: Der eigentliche Headliner ist die Location an sich. Der See. Das Ambiente. Die Musik, die hier läuft und die Bands, die hier spielen, müssen dazu passen.

Echo-Live: Mit Young Rebel Set und Kakkmaddafakka habt ihr wieder internationale Bands am Start. Wie läuft euer Booking im Vorfeld ab?

Karl: Hauptsächlich geht es, wie gesagt, um das Festival Sound of the Forest an sich. Unsere Philosophie: „Be Open Minded“. Keine Genres. Keine Grenzen. Bei uns soll alles stattfinden können. Die entsprechenden Bands finden dann zu uns.

Fritz: Wir sind natürlich ein Team, das entscheidet. Da spielt zum Teil persönlicher Geschmack mit eine Rolle. Aber vor allem muss der Vibe, der Spirit überzeugen und zu dem Festival und zu den anderen Bands passen. Verschiedene Musikstile wie Metal, HipHop oder Jazz haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam, aber es gibt etwas, was alle miteinander verbindet. Der Rocker soll auf den HipHoper treffen und merken, so viel anders sind wir nicht. Dafür bietet sich der Odenwald als neutrale Zone sehr gut an, um von den Hypes, den Diskos und Großstädten weg zu gehen und in der Natur etwas Innovatives auszuprobieren.

Max: Das hat durchaus etwas Spirituelles. Es geht um die Verbindung über die Musik, über die Menschen hinaus. Und das funktioniert nun bereits im dritten Jahr sehr erfolgreich.

Echo-Live: Welcher Act ist euer persönliches Highlight?

Karl: Ich hatte ganz wenig mit dem Booking im Vorfeld zu tun gehabt, aber ich freue mich sehr auf Kakkmaddafakka. Die haben einen so positiven Vibe, dass die einfach gut sein müssen. In der Band gibt es wohl auch zwei Brüderpaare, die unter anderem Backroundtänzer sind.

Fritz: Das ist allgemein ein witziger Zufall: Wir sind ja drei Brüder und es passiert immer wieder, dass hier ungewusst von uns, Bands mit Geschwisterkonstellationen spielen. So auch bei “Kitty, Daisy and Lewis” oder “Young Rebel Set”.

Max: Schadenfrohe Menschen sagen: “Der Odenwald ist bekannt für Inzucht”. (alle lachen)

Fritz: Im Kontrast zu der jungen norwegischen Band, freue ich mich sehr auf Helmut Zerlett, der seit Ewigkeiten Musik macht. Das ist ein super Kerl. Jeder hat uns vorher gewarnt und gesagt: „Das wird nicht klappen, ihr müsst euch auf eine Zielgruppe konzentrieren“ - da gibt es soviel dummes Marketinggeschwätz, aber wir machen es auf unsere Art und versuchen es einfach.

Max: Der Flair und der Charme ist für uns das Wichtigste.

Echo-Live: Dieses Jahr habt ihr zum ersten Mal eine Warm-Up-Party im 603qm in Darmstadt veranstaltet. Sind mehr solcher Veranstaltungen geplant?

Karl: Ja, das ist tatsächlich der Plan. Wir haben es in Darmstadt und Heidelberg angetestet und soweit es die Kapazitäten zulassen, soll es in Zukunft noch mehr Warm-Up-Partys in der Region geben.

Fritz: Vielleicht ergeben sich auch weitere Kooperationen mit interessanten Partnern und Aktivitäten in der Region und im Umkreis. Da sind wir offen für alles. Hauptsache es macht Spaß.

Echo-Live: Ihr seid drei Brüder, spielt zusammen in einer Band, veranstaltet das Sound of the Forest, führt ein Label und einen Musikverlag. Wie läuft eure Zusammenarbeit ab?

Karl: Es gibt oft sehr offene Worte und natürlich auch Spannungen. Außenstehende müssen sich ins Team einfinden und dazu passen. Aber wir sind Brüder, uns bringt nichts auseinander.

Echo-Live: Wie sieht die Aufgabenverteilung aus?

Karl: Ich bin der Kreativtechniker: zu 49% Handwerker, zu 51% Künstler.

Max: Ich bin zu 99% kein Handwerker. (lachen)

Fritz: Und ich bin zu 99% alles. (lachen).

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Echo-Live: Mit den K-Rings hattet ihr nun ein Jahr Konzertpause. War das eine gewollte Kreativpause?

Karl: Das war vor allem auch eine Findungsphase. Wir spielen nun schon einige Jahre in dieser Konstellation. Manchmal muss halt die „Kette wieder aufs Ritzel“. Wir haben uns in dem Jahr wieder auf Kurs gebracht, haben viele Songs produziert und alles überprüft - uns, die Musik und uns dabei selbst wieder neu gefunden. Die Erfahrungen der letzten Jahre sind gesackt und es ist nun ein Album gereift, das noch facettenreicher und noch mehr zu unserem geworden ist, als alles was wir bisher gemacht haben.

Echo-Live: Wann wird das Album veröffentlicht?

Fritz: Mal sehen, wann der richtige Moment zur Veröffentlichung ist. Vielleicht zum Ende des Jahres, vielleicht erst zu Beginn des Neuen. Wir möchten für uns den richtigen Moment abwarten. Wenn man Musik nur macht, weil es ein Job ist, kann man auch Handwerker werden. Dieses Festival, welches wir mit einem großen Team auf die Beine stellen, ist natürlich auch sehr zeitraubend.

Max: Wir haben einen hohen Anspruch an die Kunst, der nicht verloren gehen soll. Wir machen seit dem ersten Tag alles selbst und sind daher unabhängig.

Karl: Als Künstler steht man auch immer im Spannungsfeld von Qualität und Kreativität. Da wird Musik für mich erst interessant, wenn man die ganz eigene Handschrift der Band in der Musik wiedererkennt.

Fritz: Die Leute, die unser Album bereits gehört haben, haben uns das auch bestätigt, in dem sie gesagt haben, dass es anderes geworden ist, aber man uns immer noch darauf wiedererkennt. Wir sind nur sehr an unserem eigenen, unantastbaren Sound herangekommen.

Max: Ja, das sehe ich auch so. Wir sind nun am dichtesten an dem dran, was wir sind und immer machen wollen, ohne irgendwelchen Genres entsprechen zu müssen.

Echo-Live: Was sind eure Pläne für die nahe Zukunft?

Karl: Wir waren vor kurzem auf der Premiere zu dem gerade im Kino anlaufenden Film „Fliegende Fische müssen ins Meer“, wofür wir einen Song interpretiert haben. Und Ende September kommt der Film „Wickie auf großer Fahrt“ in die Kinos. Den Titelsong dazu haben wir zusammen mit Nena gemacht.

Fritz: Danach kommt irgendwann das Album. Und irgendwann geht es auch auf Tour, aber das soll etwas Spezielles werden – das wissen auch noch nicht alle in der Band (lacht). Wir wollen die Songs nicht einfach Handwerker-mäßig runter spielen, sondern uns und unseren Fans etwas Besonderes bieten. Das Tolle an der Musik ist es, sich neu erfinden und weiterentwickeln zu können.

Max: Wir wollen nicht die Lust an der Sache verlieren. Macht man Dinge routinemäßig, geht die Freude daran verloren.

Fritz: Und dafür brauchen wir wieder die "Open Minded People", die bereit sind, sich mit einer Band weiterzuentwickeln.

Karl: „Open-Minded“-sein ist die Basis von allem. Jeder Mensch sollte offen bleiben

Max: Viele Menschen vergessen es, offen zu bleiben und deswegen ist das ein Leitsatz für uns. Auch wir neigen dazu, in Schema F zu verfallen. Da muss man sich immer wieder selbst überprüfen, um dadurch eine bessere Sicht auf die Dinge zu entwickeln. Auf Leute zugehen und keine Scheuklappen aufziehen. Für eine Welt ohne Vorurteile.

Echo-Live: Ein schöner Schlusssatz. Vielen Dank für das Gespräch.

30.08.2011, Jasmina Sinko

 
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