"Ich bin keine Prinzessin!"

Ira Atari beim Interview mit Echo-Live.

"Selbstständig, selbstbestimmt und unabhängig zu sein ist das Wichtigste für mich". Ira Atari beim Interview mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes

Ira Ataris Debüt-Album „Shift“ ist ein fröhliches, tanzbares Elektro-Pop-Album. Mit ihrem unverwechselbaren Sound hat sie als letzter Live-Act die Zeltbühne in einen ekstatischen Zustand verwandelt, dem Publikum ordentlich eingeheizt und das diesjährige Sound of the Forest würdig abgeschlossen. Mit Echo-Live sprach die Sängerin über ihre Stellung beim Hamburger Kult-Label Audiolith, ihre Zusammenarbeit mit Jakob von Frittenbude und über Frauen im Musikbusiness.

 

Ira Atari (re.) im Gespräch mit Echo-Live.
Ira Atari (re.) im Gespräch mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes
Echo-Live: Ira, du bist Hessin. Du bist in Kassel geboren und hast dort studiert. Warst du denn schon mal im Odenwald am Marbach-Stausee?

Ira Atari: Nein, leider noch nicht, aber ich finde es wunderbar hier in diesem anscheinend riesigen Wald. Wir sind leider erst angekommen als es dunkel wurde und ich habe nur ein bisschen von dem See sehen können.

Echo-Live: Du hast dieses Jahr dein erstes eigenes Album „Shift“ veröffentlicht. Wie geht es dir damit und dem Feedback, das du dazu bekommen hast?

Ira Atari: Ganz toll! Ich bin sehr glücklich, dass es überall so gut angekommen ist. Das Album habe ich mit Jakob von Frittenbude zusammen gemacht und wir wollten das bewusst nicht ganz so kräftig nach vorne machen wie die Frittenbude oder Egotronic-Sachen, sondern auch ein paar ruhige Stück unterbringen und das ist ganz gut gelungen. Es sind nicht nur Partysongs, nicht nur Balladen, sondern eine gute Mischung aus beiden.

Echo-Live: Wie war die Zusammenarbeit mit Jakob von Frittenbude?

Ira Atari: Das war sehr schön und gut mit Jakob. Wir haben uns sehr gut verstanden und auch unter Zeitdruck war es unstressig. Jakob ist ein sehr vielseitiger Produzent und macht viel mehr als das, was man von Frittenbude kennt. Ich finde, er sollte auch mal seine andere Seite zeigen. Ich kenne ganz tolle Down-Tempo-Sachen von ihm.

Echo-Live: Du hast ein klassisches Klavier-Studium durchgezogen und hast als Klavierlehrerin gearbeitet. Nun giltst du als neue Elektro-Pop-Prinzessin. Empfindest du das als Bruch in deinem Lebenslauf?

Ira Atari: Die Leute sagen immer, dass das nicht zusammen passen würde: Eine klassische Klavierlehrerin und der Elektro-Pop. Für mich selbst ist das nicht so unvereinbar. Ich habe bereits vor meinem Studium in einer Trip-Hop-Band gespielt. In einer Band zu singen war immer meine heimliche Leidenschaft. Ich wollte immer soviel wie möglich über Musik wissen, am liebsten alles. Das geht natürlich nicht, aber durch das Klavierstudium habe ich mich dem angenähert.

Echo-Live: Dieser Begriff der Prinzessin…

Ira Atari: Ich bin keine Prinzessin (lacht)! Das bin ich überhaupt nicht und werde es auch nie sein. Es wird immer betont, dass ich die einzige Frau bei Audiolith bin. Mich nervt es ja selbst und ich bin traurig darüber, dass es so wenige Frauen in diesem Musikbereich gibt. Unter einer Prinzessin stelle ich mir eine Frau vor, die angezogen wird, hübsch und brav ist und macht, was man von ihr verlangt. Das bin ich nicht. Selbstständig, selbstbestimmt und unabhängig zu sein ist das Wichtigste für mich.

Echo-Live: Du bist bei dem Plattenlabel Audiolith, wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Ira Atari: Für „My Name Is Ira“ und andere Stücke habe ich ein Label gesucht und ein paar E-Mails raus geschickt. Von Lars (Anmerkung der Red.: Lars Lewerenz, Gründer von Audiolith Records) kam eine sehr nette Mail zurück - „Lass uns mal einen Remix von dem Song machen“. So ist der Rampue-Remix von „My Name Is Ira“ entstanden. Den Remix fand ich super fand und so fing es dann an. Einen Vertrag habe ich bis heute bei Audiolith nicht unterschrieben (lachen).

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Echo-Live: Audiolith wird beherrscht von einem wilden Männerhaufen und das Label ist in der Presse und bei den Fans auch sehr präsent. Wie (er-)geht es dir als Frau bei Audiolith?

Ira Atari: In der Außenwirkung ist es nicht das Schlechteste als einzige Frau so wahrgenommen zu werden. Für die Presse ist das eine herausstehende Sache, aber darauf möchte ich mich nicht ausruhen oder irgendeine Frauenquote erfüllen. Ich mache Musik, weil es mir Spaß macht. Ob als Frau oder Mann, ist mir egal, obwohl ich froh bin, eine Frau zu sein (lacht). Intern war ich zu Beginn mit diesen sehr feierlustigen Männern überfordert. Ich komme ja wie gesagt aus dem klassischen Klavierstudium und habe selbst fast nie richtig Alkohol getrunken. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und man muss ja zum Glück auch nicht alles mitmachen

Echo-Live: Wieso sind Frauen so unterpräsentiert im Musikbusiness?

Ira Atari: Darüber habe ich viel nachgedacht und würde es gerne wissen. Männer basteln einen Beat und gehen direkt auf die Bühne. Frauen machen Dinge nicht einfach so, sondern wollen, dass das gut ist und überprüfen alles, zweifeln dann vielleicht und machen es letztendlich dann doch nicht, weil sie zulange drüber nachgedacht haben. Und es ist durchaus auch ein anstrengender, ein harter Knochenjob: Ich bin gestern um 4 Uhr morgens in Berlin aufgetreten, habe vier Stunden geschlafen, dann sieben Stunden Auto fahren und jetzt wieder voll da sein. Aber ob das die Antwort darauf ist, dass es so wenige Frauen in dem Musikbereich gibt? Ich weiß es nicht und bin über jede Idee dankbar, die da kommen mag.

Echo-Live: Möchtest du ein Vorbild sein, beziehungsweise ein Zeichen setzten?

Ira Atari: Ja, natürlich! Ich habe auch Songs geschrieben für die starken Frauen, wie „She’s The One“ oder „Miss Progression“, der davon handelt, dass man sich immer weiterentwickeln sollte. Weiterentwicklung ist auch für mich selbst ein zentrales Thema. Ich möchte auf jedem Stück anders klingen, sonst bin ich zu schnell gelangweilt. Ich sehe mich nicht als Lehrerin, sondern möchte zeigen „Ihr könnt das auch!“. „She’s The One“ ist heimlich meiner Mutter gewidmet und dem, was sie mir beigebracht hat, bzw. dem Frauenbild, das wir zusammen entwickelt haben.

Echo-Live: Audiolith ist durchaus ein Label mit politischen Statements. Folgt daraus auch eins für dich?

Ira Atari: Ich habe mal gesagt, ich bin die Frauenbeauftragte bei Audiolith. (lacht). Ich bin für die Emanzipation und ich bin auch so von meiner Mama erzogen worden, dass man sein Ding durchsetzten kann, ohne sich schlecht fühlen zu müssen. Das ist ja oft so bei Frauen. Die sollen es einfach machen!

Echo-Live: Auf deinem YouTube-Kanal gibt es eine sehr schöne Akustik-Version zu „Don’t Wanna Miss You“. Wird es noch mehr in dieser Richtung geben?

Ira Atari: Gerne. Ich mache zurzeit hauptsächlich die Elektro-Sachen, aber manchmal ist mir das zu wenig musikalisches Agieren auf der Bühne. Deswegen will ich auch bald mit dem Piano auftreten und einige Stücke damit begleiten. Ebenfalls ist eine Band in Planung. Das braucht mein Musikerherz.

Echo-Live: Wie geht es nun weiter bei dir? Gibt es Pläne für eine Tour?

Ira Atari: Es wird im Herbst noch einige Auftritt mit Captain Capa und Fuck Art, Let’s Dance zusammen geben, beides sehr schöne Audiolith-Bands. Das wird nett und darauf freue ich mich. Auf Tour gehen wir dann nächstes Jahr, hoffentlich schon mit Band.

Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch.

30.08.2011, Jasmina Sinko

 
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