„Du bist hier unter Freunden“

Frank Lorber beim Gespräch mit Echo-Live.

"Kritik ist einfach wichtig" - DJ und Produzent Frank Lorber im Interview mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes

Seit nahezu zwei Dekaden ist der aus Gießen stammende DJ und Produzent Frank Lorber nun schon fester Bestandteil der internationalen DJ-Szene. 1992 erhielt er mit gerade einmal 16 Jahren eine Residency im legendären Frankfurter Club „Omen“, in deren Folge vermehrt Anfragen aus dem Ausland eingingen - die Karriere kam in Schwung und verläuft bis zum heutigen Tag enorm erfolgreich. Mittlerweile liest man Frank Lorbers Namen in schöner Regelmäßigkeit in den Line-ups großer Festivals wie I Love Techno, Love Familiy Park, Sonne Mond Sterne oder auch Green & Blue, wo Echo-Live den Wahl-Frankfurter zum Gespräch traf.

 

Frank Lorber (re) im Gespräch mit Echo-Live.
Frank Lorber (re) im Gespräch mit Echo-Live Redakteur Benjamin Metz. Foto: Felipe Fernandes
Echo-Live: Du hast in zahllosen Clubs und auf nahe allen großen Elektro-Festivals auf der Welt aufgelegt. Nun bist du wieder einmal in heimischen Gefilden zu Gast. Was macht für dich als DJ den Reiz einer Veranstaltung wie „Green & Blue“ aus?

Frank Lorber: Mir gefällt sehr, dass du hier komplett unter Freunden bist. Die Agentur, die hinter dem Ganzen steht, die Leute, die das hier alles organisieren und auch viele Freunde, die ich in den zwanzig Jahren meines DJ-Daseins kennengelernt habe, sind hier vor heute vor Ort. Das ist schon etwas sehr Besonderes, vor allem, weil viele dieser Leute mittlerweile auch Familie haben und auch nicht mehr großartig in die Clubs gehen. Aber bei dieser Veranstaltung kommen dann alle mal wieder für einen Tag zusammen – das ist wie ein großes Klassentreffen.

Echo-Live: Das „Green & Blue“ stellt für die meisten DJs den traditionellen Ausklang der Sommer-Saison dar. Wie lief denn deine Saison? An welche Highlights erinnerst du dich besonders gern?

Frank Lorber: Da gab es so viele Momente. Wir bauen im Moment eine Cocoon-Residency in Punta Cana in der Dominikanischen Republik auf. Das findet momentan dreimal im Jahr statt und ich war dort auch schon mehrfach in diesem Jahr. Und die letzte Party dort ist mir sehr in Erinnerung geblieben, denn die Location ist absolut wundervoll – direkt am Strand und wunderbarerweise ist immer, wenn wir dort auflegen, gerade Vollmond. Das ist dann wie gemalt, eine Bilderbuch-Location. Wirklich unglaublich! Das entwickelt sich dort auch alles absolut in die richtige Richtung im Moment, ich bin sehr, sehr gerne dort.

Echo-Live: Du hast bereits 2003 zum ersten Mal hier auf dem „Green & Blue“ aufgelegt, Das Festival hat seither diverse Änderungen erfahren. Wenn du jetzt mal die Zeit seit deinem ersten Besuch auf der Veranstaltung Revue passieren lässt, wie fällt dein Fazit zu „Green & Blue“ aus?

Frank Lorber: Das ist so unglaublich professionell mittlerweile, wirklich top. Der Sound, die Bühnentechnik, alles. Ich weiß ja nicht, ob ihr das Gelände hier noch vor einigen Wochen gesehen habt. Das ist nicht mehr wiederzuerkennen. Es ist Wahnsinn, was die Leute hier geleistet haben. Auch die ganzen großartigen Dekos, das ist wirklich großartig. Ein wunderschönes Festival!

Echo-Live: Du bist ja der Cocoon-Familie, die das „Green & blue“ organisiert bereits seit vielen jahren eng verbunden. Cocoon Chef Sven Väth holte dich bereits als Sechzehnjährigen als Resident-DJ in seinen legendären Club „Omen“. Ein Jahr später hattest du bereits deinen ersten Gig im Ausland. Wie hast du es damals geschafft, in so jungen Jahren auf dem Teppich zu bleiben? Nicht wenigen jungen Star-DJs ist soviel Erfolg sehr schnell sehr zu Kopf gestiegen.

Frank Lorber: Ich komme einfach aus einer total bodenständigen Familie, meine Eltern sind einfach komplett „down to earth“ und haben meinen Job nie überbewertet. Natürlich freuen die sich für und meine Freunde ebenso, aber ich glaube, es ist einfach wichtig, Freunde zu haben, die einem auch immer wieder mal den Spiegel vorhalten. Vor allem in den Momenten, wo man vielleicht tatsächlich gerade Gefahr läuft, den Boden etwas unter den Füßen zu verlieren. Da braucht man dann Leute, die einem sagen: „Reiß’ dich mal zusammen, komm’ mal wieder runter!“ Und diese Leute habe ich zum Glück in meinem Freundeskreis. Ich habe aber auch selbst den Job nie überbewertet. Ich finde es natürlich super, dass ich mit meinem Hobby Geld verdiene und auch soviel Reisen kann, da bin ich schon sehr dankbar. Aber ich mache um meinen Job kein großes Aufheben und sehe mich auch nicht als „Star“ oder ähnliches.

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Green & Blue 2011 Obertshausen

 

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Echo-Live: A propos „Star“ - du legst heute auf dem „Green Floor“ vor der Detroiter Techno-Legende Carl Craig auf, der ein persönlicher Held von Dir ist. Was bedeutet Dir der Auftritt heute auch vor diesem Hintergrund?

Frank Lorber: Das ist natürlich schon großartig. Das ging mir auch schon zu „Omen“-Zeiten so. Zunächst war ich ja nur ein junger, begeisterter Plattenkäufer. Dann bin ich in dieses DJ-Ding nahtlos reingeschlüpft und fand es immer klasse, im Club dann auch mal die ganzen Gesichter kennenzulernen, die hinter den Produktionen stehen. Das ging mir bei Joey Beltram so und auch bei Lenny Dee und vielen anderen großen Kollegen. Es ist immer wieder schön, mit solchen Leuten aufzulegen. Und Carl ist natürlich ein großer Wegbereiter, der mich und viele andere immer schon mit seinen Produktionen sehr inspiriert hat. Das macht mich schon etwas stolz, hier auf dem gleichen Floor aufzulegen, schöne Sache.

Echo-Live: Du bist auch schon seit vielen Jahren als Produzent tätig, deine erste eigene Veröffentlichung war ein Gemeinschaftsprojekt mit Pascal F.E.O.S im Jahre 1994. Seither hast du diverse weitere Produktionen herausgebracht, allerdings vornehmlich in Kooperation mit anderen Künstlern. Warum arbeitest Du so selten alleine? Dein Solo-Album „Jailhouse Rocker“ erhielt nach seinem Erscheinen 2002 doch exzellente Kritiken.

Frank Lorber: Das stimmt, aber auch bei „Jailhouse Rocker“ habe ich mit Produzenten zusammengearbeitet. Ich bin, offen gesagt, nicht so der Techniker, sondern in erster Linie DJ. Ich kenne mich zwar mit dem Studioequipment ganz gut aus, aber wenn ich mich ganz alleine an die Produktion eines Tracks setzen würde, dürfte das wohl einige Monate dauern. Daher bin ich lieber ehrlich zu mir selbst und suche mir geeignete Leute, die meine Ideen adäquat umsetzen können und mit denen ich auch menschlich gut zurechtkomme, was auch sehr wichtig ist. Vor allem aber macht es mir auch einfach mehr Spaß mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten.

Echo-Live: Im Labelbereich strebst du allerdings nach Autonomie – nachdem du 1994 Explizit Records und 1997 Attention Records mit verschiedenen Kollegen gegründet hattest, ging 2003 mit Nummer Schallplatten dein eigenes Label an den Start. Was war die Intention noch ein eigenes Label zu gründen?

Frank Lorber: Ich habe sehr viele Bekannte, die auch produzieren und bin irgendwann wirklich mit Tracks bombadiert worden. Ich weiß, wie schwer es ist, als Produzent irgendwo einen Fuß in die Tür zu bekommen. Daher wollte ich jungen Produzenten eine Plattform für ihr Material bieten. Ich habe auch allen Leuten, die mir ihre Sachen geschickt haben, geantwortet. Natürlich auch, wenn wir es für Nummer nicht genommen haben. Einfach aus Respekt vor ihrer Arbeit aber vor allen Dingen, um den Leuten ein Feedback und einen Input zu geben, was sie vielleicht noch besser machen können. Von den meisten Plattenfirmen bekommst du nämlich in der Regel auf deine Einsendungen überhaupt keine Antwort. Und das fühlt sich natürlich scheiße an, vor allem, wenn du lange an etwas gearbeitet hast. Kritik ist einfach wichtig. Das war ein Ansatz von Nummer. Und ich wollte ein Label, auf dem ich mein Material exakt so veröffentlichen kann, wie ich alleine es für richtig halte.

Echo-Live: Wie sieht es eigentlich mit einer neuen Produktion aus dem Hause Lorber aus? Deine letzte Mix-Compilation „In the Mix – Play“ liegt bereits fünf Jahre zurück und dein Soloalbum ist, wie bereits erwähnt, auch schon eine knappe Dekade her. Ist neues Material in Planung?

Frank Lorber: Ja. Ich habe ein neues Projekt – Tres. Das mache ich gemeinsam mit Bernd Maus von Freebase--Records und Eric Besier mit denen ich mir auch in Offenbach ein Studio teile. Wir haben mit Tres bereits im vergangenen Jahr eine Maxi auf Cocoon-Recordings veröffentlicht und Ende des Jahres wird eine neue Platte von Tres rauskommen. Und ich habe mit dem Berliner Produzenten Santé noch ein weiteres neues Projekt für das wir vor kurzem neue Sachen produziert haben, die wir ganz schlicht unter unseren eigenen Namen Ende dieses, Anfang nächsten Jahres herausbringen werden. Und natürlich werde ich auch weiterhin viel Auflegen.

Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch.

06.09.2011, Benjamin Metz

 
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