
"Wenn ein Konzept läuft, hast du immer Nachahmer" - Cocoon-Pressechef Andreas "Blocker" Stumpf im Interview mit Echo-Live. Foto: Felipe Fernandes
Bereits seit 2003 lässt das Green & Blue die Herzen der Elektro-Fans jeden Sommer höher schlagen und auch in der internationalen DJ-Szene erfreut sich das von der Frankfurter Szene Agentur Cocoon organisierte Elektro-Festival als „Saisonabschluss-Party“ großer Beliebtheit. Neben dem detailverliebt in Szene gesetzten Veranstaltungsgelände trägt vor allem das exzellente Line up zum großen Erfolg des Events bei, konnte doch neben den enorm populären Residents Sven Väth und Ricardo Villalobos in den vergangenen Jahren stets auch eine hochkarätige Auswahl an Top DJs und angesagten Newcomern nach Obertshausen geholt werden. Echo-Live Redakteur Benjamin Metz traf Cocoon-Pressechef Andreas "Blocker" Stumpf auf dem diesjährigen Green & Blue zum Gespräch.
Echo-Live: Nachdem ihr im vergangenen Jahr mit großem Aufwand das neue Festivalgelände des „Green & Blue“ am Langener Waldsee gestaltet hattet, folgte nun gerade ein Jahr später, ein erneuter Umzug auf das alte Gelände am Waldschwimmbad in Obertshausen. Warum habt ihr das Gelände am Langener Waldsee wieder verlassen? Ihr wart damals durchaus begeistert von der Location.
Andreas Stumpf: Das Gelände selbst war auch nicht das Problem, sondern die Infrastruktur um das Gelände, sprich: die Parkplatzsituation. Es gibt einfach nicht ausreichend Parkmöglichkeiten dort, außerdem ist steht das ganze Gebiet um den Waldsee unter Naturschutz. Äcker, die man für Parkflächen mieten könnte, gibt es ebenfalls nicht in der Nähe. Wir hätten also auf die Parkflächen des Waldstadions in Frankfurt ausweichen müssen, dann wäre aber jedoch ein Shuttleverkehr nötig geworden. Das wäre aber finanziell nicht mehr in unserem Rahmen gewesen, das gibt das Festival wirtschaftlich einfach nicht her. In dieser problematischen Situation kam dann das Angebot der Stadt Obertshausen, dass wir wieder auf das alte Gelände am Waldschwimmbad zurückkehren können. Nun ist das Gelände hier natürlich nicht ganz so schön wie das am Langener Waldsee, aber wir kennen es gut und die Infrastruktur passt. Insofern war der Schritt wieder hierher nur logisch. Und wir haben das Beste aus dem Gelände gemacht, wie ich finde.
Echo-Live: Wie hat eigentlich die Stadt Langen auf euren Weggang reagiert? Dort war man damals sehr angetan, eine derart renommierte Veranstaltung wie das „Green & Blue“ ins Stadtgebiet holen zu können.
Andreas Stumpf: Eine direkte Reaktion der Stadt Langen habe ich persönlich nicht mitbekommen. Allerdings gab es von Seiten der Stadt, ziemlich direkt nach den abschließenden Gesprächen, die wir gemeinsam mit der Stadt Langen und mit Obertshausen über das Green & Blue geführt hatten, eine abschließende Presseerklärung der Stadt Langen. Allzu traurig scheint man dort wohl also auch nicht über unseren Weggang zu sein. Es finden ja am Waldsee noch diverse andere Veranstaltungen, wie der Ironman, statt. Ich denke schon, dass sich die Stadt Langen über einen weiteren Verbleib des Green & Blue am Waldsee gefreut hätte, aber die Stadt war ja in der gleichen Situation wie wir. Sie kann ja auch nicht einfach das Naturschutzgebiet wegdiskutieren.
Echo-Live: Der damalige Umzug nach Langen wurde nötig, da das Gelände des Waldschwimmbades an seine Publikumskapazitäten gestoßen war und darüber hinaus diverse Abrissarbeiten durchgeführt werden mussten. Nun ist die Neugestaltung des Geländes abgeschlossen, allerdings bleibt die Frage nach der Publikumskapazität. Konnte diese denn geklärt werden?
Andreas Stumpf: Das primäre Problem nach den Abrissarbeiten bestand eigentlich darin, dass die Stadt Obertshausen das Gelände verkaufen wollte. Denn nur für einen Event wie Green & Blue das Gelände das ganze Jahr über ungenutzt zu lassen ist wirtschaftlich einfach nicht tragbar. Es waren dann einige Investoren im für das Gelände im Gespräch und auch wir wurden hier in die Planungen mit einbezogen, soll heißen, bevor auf dem Gelände etwas Neues gebaut worden wäre, hätten wir es wohl weiter nutzen dürfen. Da sich diese ganzen Verhandlungen hingezogen hatten, wurde damals der Umzug nach Langen nötig, denn wir benötigen ja auch eine gewisse Planungssicherheit. Wir sind auch sehr froh, dass wir den erneuten Umzug nach Obertshausen in diesem Jahr in recht knapper Zeit so gut gestemmt bekommen haben. Und was die Kapazitäten anbelangt, muss man sagen, dass die zwar nicht üppig waren, es aber hier auf dem Gelände dennoch Luft nach oben gibt.
Echo-Live: Die Location selbst, die Ausgestaltung des Geländes mit Lichtillumination und diversen Gimmicks spielt bei großen Events eine immer wichtigere Rolle. Hier konntet ihr im vergangenen Jahr am Langener Waldsee wirklich Maßstäbe setzen. Lassen sich ähnliche Ideen auch hier im kompakten Areal des Waldschwimmbades umsetzen?
Andreas Stumpf: Naja, sehr schade fanden wir, dass in Langen wegen der Nähe zum Flughafen kein Feuerwerk möglich war, was ja auch verständlich ist. Das können und werden wir aber hier beispielsweise wieder machen. Und hier auf dem Gelände mit den vielen Bäumen können wir natürlich viel mit Illuminationen gestalten. Und jeder, der schon mal auf einer Cocoon-Veranstaltung oder im Cocoon Club war, weiß, dass uns das Visuelle sehr, sehr wichtig ist. Ich denke also, dass hier auch in diesem Jahr wieder einiges fürs Ohr aber eben auch fürs Auge geboten wird.
Echo-Live: Die elektronische Musik ist eigentlich eher im Urbanen beheimatet, eine Kultur, die primär in Clubs, alten Fabrikhallen, großen Konzertvenues, aber eben vor allem in den Städten lebt. Wie erklärst du dir eigentlich diese Liebe der Elektrofans zur Natur? Die Sonntagsveranstaltungen im Grünen sind mit den Jahren sehr zahlreich geworden.
Andreas Stumpf: Der Lovepark war ja vor zwanzig Jahren die erste Veranstaltung dieser Art und Sven hatte damals mit dem Lovepark auch genau das Anliegen, einen Gegenpol zu diesen ganzen Clubevents zu schaffen – einfach mal rauszugehen, am Tag und ins Grüne. Das war 1991, also in einer Zeit, in der sich wirklich alles noch in Kellern abspielte, in denen der Schweiß von der Decke tropfte (lacht). Und die Idee des Loveparks ist auch sofort bei den Leuten eingeschlagen, denn es gibt ja auch viele, die nicht auf Ibiza in der Sonne feiern können und für diese Leute bieten diese Sonntags-Veranstaltungen eine gute Alternative, denn es gibt auch in Deutschland schöne Spots zum Feiern. Der Lovepark war dann sehr lange die einzige Veranstaltung dieser Art, dann kamen weitere Veranstaltungen wie „Merkwürdiges Verhalten“ und schließlich auch Green & Blue. Natürlich sind in den letzten Jahren immer mehr Veranstaltungen dieser Art nachgezogen. Wenn ein Konzept läuft, hast du immer Nachahmer.
Echo-Live: Die Sicherheit war im vergangenen Jahr, direkt nach dem Loveparade-Drama in Duisburg, ein großes Thema. Die Einsatzkräfte zeigten massive Präsenz auf dem „Green & Blue“. Wie sieht das dieses Jahr aus? Hat sich die Situation hier wieder „normalisiert“? Ihr seid ja mit dem Gelände hier in Obertshausen seit Jahren vertraut.
Andreas Stumpf: Das stimmt. Wir haben ab diesem Jahr hier alle feststehenden Zaun-Elemente durch Bauzäune ersetzt, die jederzeit geöffnet werden können. Und Tunnel oder ähnliche baulichen Engpässe gibt es hier auf dem Gelände ja ohnehin nicht. Insofern ist das alles immer noch sehr unstressig, da es sich ja auch um ein offenes Gelände handelt. Und der Zuständigkeitsbereich der ganzen Einsatzkräfte schließt ja Langen und Obertshausen mit ein. Und nachdem Polizei und Rettungskräfte im vergangenen Jahr unsere Arbeit in Langen begutachten und einschätzen konnten, waren die auch schon damals nach einiger Zeit recht entspannt und das setzt sich auch hier fort. Die Zusammenarbeit läuft wieder mal sehr gut.
Echo-Live: Das „Green & Blue“ hat stets junge vielversprechende Acts gefördert, so war beispielsweise im vergangenen Jahr das Hamburger Kollektiv Turmstraße, das kurze Zeit später mit seinem Album „Rebellion der Träumer“ für Furore sorgte, auf dem „Green & Blue“ zu Gast. In diesem Jahr habt ihr mit dem rumänischen DJ-Trio RPR Sound wieder einen überaus vielversprechenden Act zu Gast. Wie wichtig ist das „Green & Blue“ mittlerweile als Karrieresprungbrett für junge DJs und Produzenten?
Andreas Stumpf: Das Green & Blue ist bei den jungen Acts sehr angesagt, das merkt man. Wir haben ja in diesem Jahr auch Christian Burkhardt zu Gast und Sascha Dive, der diesmal die Green & Blue-Compilation gemixt hat und auch, wie du bereits erwähnt hast, Raresh und seine Kollegen von RPR Sound sind bei Green & Blue dabei. Das ist ein Geben und Nehmen. Zum Teil handelt es sich ja auch um Künstler, die Cocoon mit aufgebaut hat und da ist es nur folgerichtig, dass sich diese Leute hier natürlich auch präsentieren dürfen. Ich denke schon, dass das Green & Blue für die DJs mittlerweile ein „must“ ist. Das sieht man auch an unseren Gästen. Leute, wie Carl Craig spielen nicht bei jeder Veranstaltung.
Echo-Live: Seit 2003 organisiert ihr sehr erfolgreich das Green & Blue – das Festival ist Jahr für Jahr gewachsen. Wo seht ihr in der Zukunft noch Potenzial für Green & Blue, wohin geht die Reise? Gibt es eventuell Pläne für zweitägiges Festival?
Andreas Stumpf: Das Green & Blue wird bleiben, wie es ist. Es wird eine Tagesveranstaltung bleiben und es soll auch nicht wesentlich größer werden und soll seinen familiären Charakter behalten und es wird sicher auch nicht in eine Großstadt, beispielsweise nach Frankfurt, abwandern. Es gibt allerdings, unabhängig von Green & Blue, Ideen für ein Cocoon-Festival. Momentan sind wir aber immer noch auf der Suche nach einer geeigneten Location, denn zum einen spielt die Infrastruktur auch hier eine enorm wichtige Rolle und zum anderen soll das Gelände natürlich schön sein und etwas Besonderes bieten, denn einfach ein rechteckiges Gelände mit einer Bühne drauf, wäre nicht sehr reizvoll und ganz sicher nicht „Cocoon“.
Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch.