"Wir rechnen in Hundejahren"

Donots I

Ingo Knollmann von den Donots im Backstage auf dem Folklore im Garten. Foto: Dominik Gruszczyk



Die Donots gehen mittlerweile stark auf das 20. Bandjubiläum zu. 1993 im nordrhein-westfälischen Ibbenbühren gegründet, haben sich die Alternative-Rocker in ganz Deutschland und darüber hinaus einen Namen als stimmungsvoller Live-Act gemacht. 2006 gründete Donots-Sänger Ingo Knollmann mit dem Donots-Manager Florian Brauch ihr eigenes Label Solitary Man Records, unter dem die Donots fortan ihre Alben veröffentlichten. Auf dem Folklore im Garten erzählte Ingo Knollmann vom Lebensgefühl als „Donot“, der ersten Headliner-Tour und dem Seniorendasein.

Echo-Live: Die Donots scheinen ein gewisses Lebensgefühl auszudrücken. Mir ist das zum ersten Mal so wirklich bei dem Video zu „We Got The Noise“ - gedreht in den Babelsberg Studios - aufgefallen. Man hat das Gefühl, die Donots haben sich dem Lebensmotto wild und frei und laut verschrieben. Was für ein Lebensgefühl steht hinter den Donots?
 
Ingo: Das trifft es vielleicht ganz gut, aber so plakativ wie damals würden wir das heute nicht mehr darstellen. Aber ich halte es da nach dem Credo: I don‘t wanna grow up. Und wenn schon alt werden, dann zumindest nicht im Kopf. Wir sind aufgewachsen mit dem Motto: Wenn du etwas erreichen willst, dann pack‘ es selbst an – und halte dabei immer den Kopf oben. Das beschreibt die Band wohl am besten. Spätestens seitdem wir mit Solitary Man Records unsere eigene Plattenfirma haben.
Donots II
Von links: Ingo Knollmann im Gespräch mit Echo-Live-Redakteur Sebastian. Foto: Dominik Gruszczyk

Echo-Live: Eure Headliner-Tour war 1999 zusammen mit den Beatsteaks. Kannst Du dich noch erinnern was für ein Gefühl das war? Wie hat sich der Sound von damals zum letzten Album The Long Way Home entwickelt?

Ingo: Lustig, ich kann mich noch an ganz viele Shows von damals erinnern. Mittlerweile haben wir annähernd 1000 Shows gespielt. Aber wenn mir jemand sagt: Hey, erinnerst du dich noch an die Show Ende der 90er – dann hab ich ein ganz genaues Gefühl für jede Show. Mit den Beatsteaks haben wir damals hier in der Räucherkammer gespielt, was eine legendäre Show für uns war. Das ist schon schön. Was die Soundfrage angeht: Wir versuchen eigentlich immer von Platte zu Platte zu denken und uns dabei selbst immer wieder zu genügen.

Echo-Live: Ihr seid schon so lange dabei und habt auch große Konzerte, wie beim Rheinkultur zu dessen 25. Jubiläum, vor massiven Menschenmassen gespielt. Warum hat es nie für ein 20.30 Uhr Slot auf Rock am Ring - sagen wir nach The Offspring - gereicht?

Ingo: Das hat immer sein eigenes Momentum, ich weiß nicht. Wir uns haben 2004 aus dem Vertrag mit der Sony BMG rausgeklagt. Das hat uns vier Jahre gekostet. Das war die Zeit, in der es nicht mehr stetig nach oben ging, sondern eher abgeflacht ist. Wenn du als deutsche Band groß bist, dann kannst natürlich auf solchen Festivals spielen, aber die Headliner sind dann den internationalen Größen oder den Big Shots überlassen. Ich glaube ja fast, dass sich bei den Festivalplanern die Einstellung eingeschlichen hat: Lass die Donots doch schon nachmittags spielen, dann ist der Laden zu der Zeit auch schon voll und die Leute kommen zum saufen (lacht). Das Schöne ist, seitdem wir unsere eigene Plattenfirma haben, sind wir erfolgreicher denn je. Letzte Woche haben wir auf dem Highfield einen Premium-Slot gehabt, das war der Wahnsinn. Jetzt fängt es an sich auszuzahlen, dass wir so lange durchgehalten haben. Ich bin aber niemand, der verbittert in die Vergangenheit schaut und sagt, dies oder jedes war Mist. Wir waren auch in gewisser Art und Weise immer selbst Schuld. Jetzt sind wir im Studio und nehmen eine neue Platte auf.

Echo-Live: Ihr hab 2005 eine Jubiläums DVD rausgebracht - eigentlich zwei Jahre zu spät, oder?

Ingo: Ja definitiv. Diese DVD ist zu der Zeit erschienen, als die Trennung mit Sony im Gange war. Die wollten wohl noch etwas in die Läden stellen.

Echo-Live: Rein rechnerisch geht die Band langsam auf die 20 zu. Habt ihr schon etwas im Kopf für dieses Jubiläum? Etwa ein Grand Münster Slam ungeahnter Dimensionen? Für den Dezember dieses Jahres habt ihr für euer Heimspiel bereits Millencolin und ZSK gewonnen.

Ingo: Das wird super dieses Jahr. Aber das ist auch das Ding: Wir sind keine Vorausplaner. Wir rechnen in Hundejahren. Was zum Beispiel drei Jahre entfernt ist, wird mit sieben multipliziert, also ist es effektiv noch 21 Jahre weg (lacht). Dann ist das noch ganz weit weg. Ich hab – ehrlich gesagt – noch überhaupt nicht darüber nachgedacht. Alles, was mich interessiert ist die neue Platte und der diesjährige Grand Münster Slam. Das hat im letzten Jahr mit den H-Blockx schon Mörderspaß gemacht, es waren über 3000 Leute da und ich hoffe, es werden dieses Mal noch mehr. Das wäre ein super Startschuss für die neuen Songs in der Öffentlichkeit. Ansonsten für den 20. Geburtstag: vielleicht für jeden einen eigenen Zivi auf der Bühne – das wäre klasse (lacht).
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Echo-Live: Wie sieht das mit der Zukunftsplanung aus? Werdet Ihr eines Tages – á la Motörhead‘s Lemmy Kilmister – als Senioren mit der Jacky-Flasche in der Hand enden?

Ingo: Das Thema in Würde altern ist ja so eine Sache (lacht). Ich meine, wenn jemand unsterblich ist, dann Lemmy. Aber das ist Lemmy. Vor ein paar Jahren habe ich mir die Rolling Stones angeschaut und mir gedacht: Ob das jetzt noch sein muss? Auch für diese Frage kommt ein total platter Spruch von mir, der aber wirklich wahr ist: Ich würde gerne überall spielen, wo es eine Steckdose gibt. Wir wollen mit dem neuen Album versuchen noch weiter ins Ausland zu kommen, Shows spielen, wo wir noch nie waren. Wir nennen das die Kampfzone erweitern. Ich jedenfalls hoffe, dass wir das noch weitere 20 Jahre machen und es sich nicht totläuft, sondern dass wir uns weiter überraschen können, weiter kreativ sein können und vor allem weiter Freunde bleiben. Und danach sieht es zumindest aus.

Echo-Live: Stell Dir vor, du müsstest die Geschichte der Donots im Schaukelstuhl Deinen Enkeln erzählen. Was würden die zu hören bekommen?

Ingo: Ich würde eine Kiste Bier in den Raum stellen und sagen: kämpft. Alles andere überlasse ich dem Zufall. Als Nordrhein-Westfale kann man damit nicht früh genug anfangen (lacht). Bei uns ist in jeder Muttermilch Jägermeister dabei.

Echo-Live: Danke für das Gespräch.

13.09.2011, Sebastian Wolf

 
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