„Wir breiten uns aus“

Budzillus beim Gespräch mit Echo-Live.

"Wieder back to basic" - Budzillus im Interview mit Echo-Live. Foto: Dominik Gruszczyk

Der Sound des Balkan ist bereits seit geraumer Zeit schwer angesagt, wie der Erfolg von Künstlern wie Shantel oder dem Boban i Marko Markovic Orkestar eindrucksvoll belegt. So verwundert es kaum, dass auch die Anhängerschar des Berliner Quintett Budzillus, das mit seiner wilden Mixtur aus Swing, heißem Jazz und Balkanfolklore ganz neuen Akzente in diesem Genre setzt, stetig wächst und der Band mittlerweile Konzertreisen von New York bis Moskau beschert. Echo-Live Redakteur Benjamin Metz traf Budzillus, namentlich Robert (Git./Ges.), Thomas (Sax, Klarin.), Kristian (Bass), Stefan (Key.) und Erik (Drums), im Rahmen ihres Auftrittes auf der diesjährigen Folklore in Wiesbaden zum Gespräch.

 

Budzillus im Gespräch mit Echo-Live.
Budzillus im Gespräch mit Echo-Live Redakteur Benjamin Metz (re). Foto: Dominik Gruszczyk
Echo-Live: Budzillus waren ursprünglich nur als einmaliges Bandprojekt für die Hochzeit einer Freundin geplant. Mittlerweile gibt es euch schon ganze sechs Jahre, ihr habt zwei EPs und ein Album veröffentlich und bereits Konzerte in Deutschland, Österreich, der Türkei und sogar in New York gespielt. Hättet ihr je gedacht, dass euch die Band soweit bringen würde?

Robert: Nee, gar nicht. Ich habe damals jede Menge Instrumente gebaut und besagte Freundin wollte diese mal live in Aktion sehen und so haben wir uns dann als loses Projekt zusammengefunden. Die Band wurde praktisch um die Instrumente herum gegründet. Der wesentliche Schritt zu Budzillus kam vor drei Jahren, als wir in der jetzigen Besetzung zusammenfanden. Ab da war klar, dass wir das Ding mit der Band wirklich durchziehen möchten. Und das wurde dann zum reinen Selbstläufer.

Echo-Live: Eure Musik ist ein wilder Mix aus Swing, Jazz, Punk, Polka und Balknafolklore. Vor allem Balkan-Sounds sind seit einigen Jahren enorm populär. Früher primär Fans des serbischen Filmemachers Emir Kusturica bekannt, tanzen heute die Menschen in Discos von New York bis Istanbul zu „Balkan Beats“. Warum sind diese östlichen-Folksounds so enorm populär im Westen?

Kristian: Eigentlich sind das ja in der Regel keine authentischen Sachen. Diese Folklore-Sachen werden oft durch westliche Sounds erweitert und auch teilweise angepasst. Das ist eigentlich nur eine weitere Farbe in unserer westlichen Popmusik. Genauso wie es Jazz einmal eine ganze Zeit war – mit diesem „Jazz-Pop“ war ja beispielsweise Norah Jones sehr erfolgreich. Und das was heute unter „Balkan“ gespielt ist im Grunde genau das Gleiche, nämlich Popmusik mit Balkaneinflüssen.

Thomas: Ein Kombination, die allerdings auch sehr gut funktioniert. Deswegen läuft das Ganze wohl auch so gut. Diese Musik transportiert ja auch sehr viel Lebensfreude. Trotzdem ist dieses Balkanelement nur ein Teil unserer Musik.

Echo-Live: Ihr spielt, wie bereits erwähnt, auf selbstgebauten, bzw. stark modifizierten Instrumenten. Was hat es damit genau auf sich? Wie sehr prägen die Instrumente den Sound von Budzillus?

Robert: Sehr. Alleine schon der Bass – das ist ein „Kontrabass-Banjo“, zusammengebaut aus einer Bassdrum und einem selbstgeschnitzten Hals. Und das Ding klingt schon sehr, sehr tief. Und man kann es viel besser mit auf Reisen nehmen als einen gewöhnlichen Kontrabass. Auch meine Gitarre hat einen ihren ganz eigenen Ton. Die hört man sofort.

Thomas: Wir hatten halt auch keine Kohle, um gute Instrumente zu kaufen. Da war es schon ein großer Vorteil, dass Robert welche bauen konnte.

Robert: Die Instrumente haben aber alle mittlerweile eine Evolution durchlaufen, das sind nicht mehr die ersten, auf denen wir gespielt haben. Inzwischen haben wir uns unserem klanglichen Ideal wesentlich mehr angenähert. Leider kommen wir im Moment gar nicht mehr soviel zum Bauen, weil wir soviel spielen.

Echo-Live: Eine weitere Vorliebe sind eure skurrilen Bühnenoutfits. Selbstgebaute Masken, Perücken, Kleider und entsetzliche Anzüge sind ebenso fester Bestandteil eurer Shows, wie die selbstgebauten Instrumente. Woher kommt dieses „theatralische“ Element?

Kristian: Momentan sind wir da eher wieder etwas „back to basic“ und reduzieren das Optische, weil wir die Musik mehr in den Vordergrund stellen möchten. Prinzipiell mag ich dieses „Zirkuselement“ aber sehr und kann mir auch vorstellen, dass das irgendwann wiederkommt. Das hängt halt auch immer etwas davon ab, wo momentan der Fokus innerhalb der Band gerade liegt.

Erik: Im Grunde haben wir diese Verkleidungen früher benötigt, um von der Tatsache abzulenken, dass wir gar nicht so gut spielen konnten. Mittlerweile haben wir sehr viel gespielt, sind besser geworden und brauchen uns nicht mehr zu verstecken (lacht).

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Echo-Live: Eure Texte sind euch sehr wichtig, wie ihr immer betont. Diese sind durchaus auch von ernsten Themen geprägt, aber stets auch mit einem Augenzwinkern. Befürchtet ihr aber nicht, dass die Texte in der ganzen Wildheit eurer instrumentalen Performance untergehen?

Kristian: Klar, die Leute gehen ab und wir auf der Bühne genauso. Aber ich könnte nicht so abgehen, wenn wir hier über irgendwelche dämlichen Plattitüden singen würden. Und ich denke, das Publikum wäre ebenfalls nicht begeistert.

Robert: Ich denke, dass die Leute auf unseren Konzerten in erster Linie Spaß haben wollen und die Energie spüren möchten, zumal es ja auch oft soundtechnisch gar nicht richtig möglich ist, die Texte auf den Konzerten zu verstehen. Wenn sie sich aber nach dem Konzert mit unserer Musik und unseren Texten auseinandersetzen, beispielsweise indem sie unsere Songs im Internet oder auf CD anhören, kommt in der Regel der Rückschluss auf den Inhalt. Und dass die Leute sich mit den Songs auseinandersetzen, merken wir ja daran, dass Viele sehr gerne und laut unsere Lieder mitsingen.

Echo-Live: Ihr seid eine hundertprozentige Liveband und spielt unglaublich viel. Welchen Anteil haben die Konzerte an eurem Erfolg?

Robert: Einen sehr, sehr großen! Wir sind eine Liveband und werden’s auch immer bleiben. Wir sind ohnehin noch in so einer Phase, in der wir versuchen, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Und das geht gar nicht anders als über die Konzerte. Du kannst es natürlich auch über das Internet versuchen, aber auch dort wird niemand auf deine Seiten gehen, wenn er nicht schon mal etwas von dir gehört hat. Über Konzerte geht eigentlich alles!

Thomas: Man darf auch nicht die Mundpropaganda vergessen, die läuft nämlich sehr stark über die Konzerte. Man erspielt sich so Städte regelrecht. Am Anfang sind so 10-15 Leute dort. Die finden es super und erzählen es weiter und beim nächsten Mal sind schon 50 Leute im Publikum und so entwickelt sich das ständig weiter. Oder man hat das Glück auf einem Festival oder einer großen Studentenparty gleich vor 2000 Leuten zu spielen – dann hat man, wie wir zu sagen pflegen, in der Regel „die Stadt im Sack“ (lacht). Man muss sich jede Stadt erarbeiten.

Echo-Live: Plattenproduktionen scheinen hingegen nicht so sehr euer Ding zu sein. Unter „Plattenlabel“ steht auf eurer mysapce lediglich „Pffft“ und auch euer Output an Studioalben ist recht überschaubar. In einem Interview meinte der Sänger einer ebenfalls sehr konzert-affinen Band unlängst, Platten seien eigentlich nur Audio-Flyer für die Konzerte. Eine Aussage, die ihr nachvollziehen könnt?

Thomas: Irgendwie schon. Eine CD ist halt eine superteure Visitenkarte. Man kann mit Platten heute einfach kaum noch Geld verdienen. Insofern ist ein Album eine wichtige und gute Referenz für Veranstalter, aber auch ein schönes „State of the art“-Element, dass den jeweiligen Stand einer Band dokumentiert. Und natürlich macht man so etwas mit dem gleichen Enthusiasmus wie früher, denn so eine CD ist ja auch ein wirkliches Statement einer Band. Ich sehe das einfach sehr idealistisch.

Kristian: Man versucht halt in so eine CD alles einzubringen, was einen in den vergangenen Monaten oder Jahren beschäftigt hat. Insofern sind mir unsere Alben genauso wichtig wie unsere Konzerte. Wir sind im Moment übrigens auch an einem neuen Album dran, es kann sich nur noch um Jahre handeln (lacht).

Erik: Hättest du uns in zwei Wochen gefragt, hätten wir dir sicher genau sagen können, wann sie rauskommen wird.

Kristian: Nein, im Ernst – sie wird wohl im Januar veröffentlicht.

Erik: Die Promotiontour hierzu steht auf jeden Fall schon und wird von Oktober bis März dauern und sich durch ganz Europa ziehen.

Echo-Live: Wo wollt ihr mit Budzillus noch hin? Wie sehen eure Pläne aus?

Kristian: In zwei Wochen geht es nach Moskau. Dort werden zum ersten Mal spielen und freuen uns schon sehr darauf.

Thomas: Und ansonsten weiten wir unsere Konzertreisen von Berlin aus immer weiter sternchenförmig nach Europa aus. Nach Dänemark fahren wird noch…

Robert: …Niederlande und Belgien haben wir bereits „im Sack“ (alle lachen)!

Erik: Ich habe gestern mal die letzten Tourtermine durchgesehen und festgestellt, dass wir in den vergangenen 8 Wochen und 10 verschiedenen Ländern gespielt haben.

Thomas: Wie gesagt: Wir breiten uns aus (lacht).

Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch.

09.09.2011, Benjamin Metz

 
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