
"Wir möchten die Kompetenz im Team halten" - Schlachthof-Pressechef Hendrik Seipel-Rotter im Interview mit Echo-Live. Foto: Dominik Gruszczyk
Bereits im vergangenen Jahr wurde das beliebte Wiesbadener Festival Folklore im Garten von diversen Umbaugerüchten und Planungsdiskussionen überschattet und auch die diesjährige, 35. Folklore fand unter den erschwerten Bedingungen von Neubauplanung und Baustelleneinrichtung statt. Dass dennoch allen Widrigkeiten zum Trotz ein großartiges Festival über die Bühne(n) gehen konnte, liegt mit Sicherheit am guten Teamwork der Orga-Crew, aber auch am großen Interesse und Support des Publikums, das wieder einmal drei Tage zu den Konzerten von Bands und Künstlern wie Wir Sind Helden, den Donots oder Thees Uhlmann ausgelassen feierte. Echo-Live Redakteur Benjamin Metz traf Folklore-Pressesprecher Hendrik Seipel-Rotter in Wiesbaden zum Gespräch.
Echo-Live: Die Folklore 2011 neigt sich langsam ihrem Ende zu. Wie zufrieden seid ihr mit der diesjährigen Veranstaltung?
Hendrik Seipel-Rotter: Wir waren schon mal sehr erleichtert, dass wir bei den massiven Regenfällen am Freitag nicht abbrechen mussten. Aber der Regen war natürlich heftig, was man an dem schlammigen Gelände immer noch sehen kann. Sehr schade, aber zum Glück sprechen die Besucherzahlen eine andere, sehr positive Sprache – wir hatten am Freitag über 8000 Leute auf dem Platz, was für dieses Wetter ein sehr gutes Ergebnis ist und insgesamt dürften wir wieder die angepeilten 20.000 Besucher haben. Und das ist super!
Echo-Live: Das Gelände ist zwar weitestgehend gleich geblieben ihr habt allerdings die Positionen der Bühnen verändert, beispielsweise spielen die großen Bands im Wechsel auf den direkt nebeneinander liegenden „Schlachthof“- und „Park“-Bühnen. Optisch etwas gewöhnungsbedürftig, bietet dieses Konzept allerdings den großen Vorteil, dass die Bands direkt nacheinander spielen können, da die Umbaupausen während der Konzerte der Nachbarbühne stattfinden. Wie kommt das neue Konzept denn beim Publikum und den Künstlern an?
Hendrik Seipel-Rotter: Ich denke, dass das sehr gut angenommen wird. Die Idee, das Gelände zweizuteilen, nämlich in einen reinen Festival-Bühnen-Bereich und einen anderen mit den ganzen Ständen, kommt ebenfalls gut an. Geschuldet ist diese neue Platzaufteilung aber nicht einer neuen konzeptionellen Idee, sondern der Annahme, dass wir hier eine Baustelle auf dem Gelände haben. Das Bauschild steht ja schon bereits. Und genau wegen des Bauschildes konnten wir die Bühne nicht wie gewohnt im vorderen Bereich bauen. Kurz vor der Veranstaltung haben wir dann erfahren, dass es während der Folklore keine Baustelle geben wird. Ich finde aber, wie gesagt, diese jetzige Aufteilung sehr gelungen und wenn durch den ganzen Regen die Wiese auf dem Festivalbereich nicht so heftig aufgeweicht worden wäre, würde das wirklich toll aussehen und von den Leuten auch viel als Sitz- und Liegebereich genutzt werden.
Echo-Live: Die Baufirma, die für den Neubau der Schlachthof-Halle zuständig ist, teilte euch nun mit, dass die Bauarbeiten zum Schlachthof-Neubau am Turm nach der Folklore beginnen werden. Welche Auswirkungen wird das auf die geplante Eröffnung der Halle in 2012 haben? Ein Baubeginn noch im Sommer scheint ja eher unwahrscheinlich.
Hendrik Seipel-Rotter: Wir gehen erstmal nicht davon aus, dass sich an den Planungen und Terminen irgendetwas ändern wird. Wir rechnen auf jeden Fall damit, dass der Neubau zur nächsten Folklore fertig gestellt sein wird und wir diesen nutzen können. Das wir die Halle in diesem Jahr nicht nutzen können, ist ja auch das große Manko. Zum einen, weil wir in der Halle natürlich noch wesentlich länger Programm machen konnten und zum anderen aber natürlich auch, weil sie Schutz vor schlechtem Wetter geboten hat. Das Blödeste, was uns passieren könnte, wäre dass wir im nächsten Jahr zwei Hallen dastehen haben, die wir beide nicht nutzen können. Das wäre natürlich überhaupt nicht schön. Daher ist natürlich unser größter Wunsch, dass die Halle zur nächsten Folklore fertig ist und wir diese einweihen können.
Echo-Live: Als wir uns im vergangenen Jahr über die Schließung der Halle und den Neubau unterhielten, klang hier von eurer Seite immer Freude und Traurigkeit mit. Freude, weil der Hallenneubau natürlich sehr viele neue Möglichkeiten für den Kulturbetrieb bietet. Traurigkeit, weil ihr während der Bauzeit den Betrieb verkleinern und euch von Mitarbeitern trennen musstet. Beim Gang über das Gelände habe ich allerdings viele bekannte Gesichter in eurer Crew gesehen. Habt ihr das Team denn doch halten können? Wie ist denn generell die Stimmung unter euren Mitarbeitern?
Hendrik Seipel-Rotter: Das ist unterschiedlich. Es gibt Leute, die uns verlassen haben oder verlassen mussten. Es gibt welche, die in Kurzarbeit oder als Minijobber bei uns weiter arbeiten. Dass die auch bei Folklore mithelfen, war eigentlich schon immer klar. Wir versuchen ja auch mit Großveranstaltungen außerhalb des Schlachthofes Mehreinnahmen zu generieren und auch da brauchen wir ja mehr Leute als wir hier im Kernteam in der Räucherkammer beschäftigen. Es gibt also durchaus Leute, die hier an der Peripherie drangeblieben sind und durchaus das Interesse haben, wieder einzusteigen, wenn das hier 2012 wieder in gewohntem Umfang weitergeht. Ich finde, das klappt alles recht gut mittlerweile, auch wenn natürlich Kurzarbeit nichts Tolles ist.
Echo-Live: Natürlich hatte die Hallenschließung keineswegs das Ende eures Konzertbetriebes zur Folge – ihr habt seither Konzerte in verschiedenen Ausweichlocations in Rhein-Main organisiert. Wie läuft es denn bisher? Nehmen die Leute diese Konzerte eigentlich auch als „Schlachthof-Konzerte“ war?
Hendrik Seipel-Rotter: Wir haben ja auch schon früher Veranstaltungen in anderen Locations durchgeführt. Das fing ja nicht erst mit der Schließung der Halle an, insofern ist das jetzt keine Neuerung oder etwas Besonderes für uns. Eine Besonderheit bestand allerdings darin, dass die Leute nach der Schließung der Halle im vergangenen Herbst dachten, der Schlachthof hätte dichtgemacht. Und in der Tat war ja auch die Räucherkammer, die wir ja weiter betreiben, auch zwischen den Jahren wegen Renovierung geschlossen. Zum Glück haben die Leute jedoch schnell realisiert, dass es weitergeht und Anfang Januar gingen die Besucherzahlen bei den Veranstaltungen in der Räucherkammer wieder rasant nach oben. Und die Räucherkammer läuft auch jetzt im Sommer gut, vor allem auch, seit wir den großen Außenbereich haben. Aber wir machen natürlich auch, nach wie vor, unsere Veranstaltungen in anderen Locations und das werden wir auch in Zukunft tun. Im Moment präsentieren wir uns bei diesen Veranstaltungen allerdings auch stärker als Schlachthof. Wir wollen diese Info bei den Veranstaltungen in fremden Locations durchaus transportieren, das stimmt schon.
Echo-Live: Es gab ja konkrete Pläne, die ehemalige Pro Markt Halle in der Mainzer Straße in Wiesbaden für einen regelmäßigen Spielbetrieb herzurichten. Im Juni wurden die Verhandlungen hierüber allerdings abgebrochen. Wie kam es dazu?
Hendrik Seipel-Rotter: Die Mietverhandlungen haben sich wesentlich länger hingezogen als wir angenommen hatten und irgendwann haben wir uns entschlossen, das ehemalige Pro Markt-Gebäude nicht zu bespielen und haben das gecancelt. Einfach, weil wir nicht denken, dass die Investitionen, die wir hier tätigen müssten, in der kurzen Zeit, die wir das Gebäude noch bespielen können, wieder reinkommen. Es wäre Unfug, das noch auf die Beine stellen zu wollen. Wir machen das ja auch nicht nur, um mehr Veranstaltungen durchführen zu können, sondern vor allem auch, weil wir mehr Arbeit schaffen und dadurch mehr Kompetenz im Team halten möchten.
Echo-Live: Fast 3.500 Veranstaltungen fanden in der alten Halle statt. Wenn alles klappt, wird genau in einem Jahr zur nächsten Folklore das erste Konzert in der neuen Halle stattfinden. Gibt es hierzu schon Ideen? Ihr seid für diesen Neubau einen so weiten Weg gegangen, da dürfte die Eröffnungsveranstaltung sicher ein Highlight werden, oder?
Hendrik Seipel-Rotter: Wir sind uns auf jeden Fall schon absolut sicher, dass das eine tolle und auch besondere Veranstaltung wird. Wie die allerdings genau aussehen soll, wissen wir noch nicht. Man darf auch nicht vergessen, dass da noch einige Wehmut in uns steckt, was die alte Halle anbelangt. Die wird ja 2013 dann abgerissen und das wird sicher auch einen traurigen Abschied bedeuten, denn wir haben hier wirklich sehr viel erlebt und viel Zeit verbracht. Trotzdem ist jetzt an der Zeit für einen Aufbruch. Und die neue Kombination aus Turm und neuer Halle wird großartig, vor allem, weil mit dem Turm ein Stück des alten Schlachthofes mit in die neue Zeit überführt wird.
Echo-Live: Vielen Dank für das Gespräch.