"Unser Hunger nach Musik ist einfach unstillbar!"

Die Band "Emil Bulls" beim Trebur Open Air. Foto: Stefan Holtzem

Bereits seit 15 Jahren rocken die "Emil Bulls" die Bühnen dieses Landes. Keineswegs müde, sondern härter als je zuvor präsentieren sie ihr aktuelles Album "Phoenix" auf einer ausgedehnten Tournee. Das bayerische Quintett hat geschafft, wovon viele andere Bands nur träumen - eine echte Karriere als Band! Doch ohne Fleiß kein Preis - unzählige Aufritte und viel Engagement haben sie soweit gebracht. Mit ihrer Mischung aus harten, explosiven Riffs und mitunter schon balladesk anmutenden Klängen punkten die "Bulls" seit jeher bei den Fans. Das merkte man auch deutlich, als sie am Sonntagabend auf dem Trebur Open Air spielten. Vor ihrem Auftritt nahmen sich die "Bulls" die Zeit, um in einem Interview mit ECHO-live-Mitarbeiterin Nina Berg über ihren unstillbaren Hunger nach Musik zu sprechen.

ECHO-live: Euch gibt es nun schon seit 15 Jahren. Euren Fans habt ihr anlässlich des Jubiläums im April eure erste Live DVD "The Feast" geschenkt. Was wünscht ihr euch von ihnen zum Geburtstag?

Christoph: Von unseren Fans wünschen wir uns, dass sie uns weiter genau so unterstützen, wie bisher. Dass sie uns treu bleiben, unsere Platten kaufen und auf unsere Konzerte kommen und einfach eine super Zeit mit uns haben.

ECHO-live: Um eure beiden letzten Alben fertig zu stellen, habt ihr euch in eine einsame Berghütte zurückgezogen. Hat das auch etwas mit Heimatverbundenheit zu tun - ihr kommt aus München - oder ist die Hütte einfach eine besondere Inspirationsquelle für Euch? Gibt es vielleicht auch irgendwann mal einen Auftritt von "Emil Bulls" in Lederhosen?

Moik: Das hat ehrlich gesagt weniger etwas mit Heimatverbundenheit zu tun. Es ist eher eine Frage der Logistik. Es ist praktisch ums Eck und wir können ohne großen Aufwand unsere Equipment und alles dort hochbringen. Aber für die nächste Platte werden wir uns eher so in Nieder-Sachsen ansiedeln, da wir zu der Zeit dort unterwegs sein werden, so dass die Platte dann hoffentlich im April oder Mai nächsten Jahres erscheint. Ach, und um auf Deine Frage zurückzukommen: Nein, wir werden nicht in Lederhosen spielen.

ECHO-live: "Hungry at Heart" lautet eine Passage in eurem Song "Nothing in this world" auf der aktuellen Platte "Phoenix". Was vermag euren Hunger zu stillen?

Christoph: Oh, das ist schwierig zu sagen, eigentlich geht es ja in dem Song darum, dass dieser Hunger eben nie gestillt werden kann. Unser Hunger nach Musik und nach dem Musikmachen, diese Band weiter zu führen, ist einfach unstillbar. Ich wüsste nichts, dass mich jetzt satt machen würde. Vielleicht fünf Platinschallplatten, aber das passiert in den nächsten 100 Jahren nicht. Von daher bleiben wir wohl noch erhalten!

ECHO-live: Euch eilt der Ruf voraus, eine exzellente Liveband zu sein. Was macht ihr eigentlich, bevor ihr auf die Bühne geht? Gibt es ein spezielles Ritual bei den "Emil Bulls"?

Christopher: Also bei mir ist es so, spätestens eine Stunde vor der Show gehe ich in die Kabine und fange an, ein paar Atemübungen zu machen und mich einzusingen. Außerdem versuche ich, mich in einen "Aggressionsmodus" zu versetzen, weil ich gemerkt habe, wenn ich zu relaxed auf die Bühne gehe, habe ich einfach nicht diese Spannung und kann nicht von null auf hundert die Wut rüberbringen. Ich versuche wirklich, absichtlich aggressiv zu werden - was manche um mich rum dann auch zu spüren kriegen, aber es tut der Show gut, würde ich sagen.

Moik: Ganz kurz bevor es dann auf die Bühne raus geht, haben wir so eine Art "abklatschen", welches immer gleich abläuft und das ist dann quasi wie der Schalter "Jetzt geht's los".

Die Band "Emil Bulls". Foto: Stefan Holtzem

Echo-Live: Nur wenige Bands haben so ein amtliches Konzertpensum vorzuweisen wie ihr. Ihr habt den Durchbruch geschafft, etwas, wovon viele andere Bands nur träumen können. Was gefällt euch besonders am Rockstar-Leben?

Christoph: Dass man Glück hat, den besten Job zu haben, den es auf der Welt gibt! Ich kann mich nicht vorstellen, dass es irgendwo noch einen Beruf gibt, der annähernd so vielfältig ist, bei dem du so viel rumkommst, so viele Leute triffst, Erfahrungen sammelst und einfach dein eigenes Ding durchziehen kannst. Wenn du als Band unterwegs bist, präsentierst du ja praktisch immer auch alles, was du geschaffen hast. Ich denke, da gibt es weniges, bei dem du so hinter deiner Sache stehen kannst. Und natürlich auch, dass man doch oft lange aufbleiben kann, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil man am nächsten Tag auch ausschlafen kann.

ECHO-live: Bleibt auch genug Raum für Freizeit?

Christoph: Ja, das ist auch sehr gut an dem Job! Denn über den Sommer sind wir eigentlich nur am Wochenende unterwegs. Das ist zwar schade, weil wir immer dann arbeiten müssen, wenn unsere Freunde frei haben. Das ist so ein bisschen der Preis für das Rockstar-Leben, aber wir haben dann eben die ganze Woche frei und können machen, was wir wollen. Dann geht es ungefähr zweimal im Jahr auf Tour. Da ist man dann eben sechs Wochen am Stück unterwegs und trotzdem hat man immer noch irgendwo Zeit, die man aber natürlich am Besten nutzt, um Songs zu schreiben.

ECHO-live: Ihr seid gerade auf Tour. Auf Facebook habe ich gesehen, dass ihr etwas dabei hattet, das aussah wie, nun ja, etwas Schimmelndes im Sandglas. Was war das? Und was hatte es damit auf sich?

Alle: (lachen)

James: Wir haben vor kurzem in Berlin gespielt und haben uns vorher auf Youtube das Video von "Annoying Orange" angeguckt. Da hat der Herr Klaus Kanone Kössinger auf eine Orange ein Gesicht gemalt. Irgendwie haben wir diese dann mitgenommen und sie wurde unser Tourbegleiter. Am nächsten Tag haben wir ein Glas mit Sand bekommen und sie hinein gesetzt.

Christoph: Wir haben sie dann über dem Handschuhfach platziert und sie war wirklich unser ständiger Wegbegleiter und Glücksbringer. Ich hoffe, das Glück bleibt uns trotzdem erhalten, auch wenn sie nun leider nicht mehr bei uns ist.

Moik: Wir haben aber schon einen neuen Glücksbringer! Den habe ich James zum Geburtstag geschenkt! Eine Sonne aus so einem "Greifautomaten".

ECHO-live: Ihr seid im Internet bei Facebook, Myspace, laut.fm und Twitter zu finden. Welche Rolle spielt Social Media für euch als Band?

Christoph: Eine sehr große Rolle! Es ist ein massives Promotool, das man unentgeltlich nutzen kann. Schau hier jetzt: Während des Interviews wird live gepostet (James macht ein Bild und postet es). Außerdem ist es super, um den Kontakt mit den Fans zu pflegen. Durch diese Medien hast du praktisch direkten Kontakt zu der Band, sie haben das Gefühl nah an der Band dran zu sein und das ist extrem wichtig. Und so Sachen wie Youtube sind für uns das Beste, denn unsere Videos laufen ja jetzt nicht auf MTV rauf und runter, da können die Leute dann wirklich gezielt unsere Videos angucken.

ECHO-live: Christoph, du bist ehemaliger Klosterschüler und einige von euch sangen im Kirchenchor - hat euch diese Zeit geprägt? Welche Rolle spielt die Spiritualität bei "Emil Bulls"?

Christoph: Uff, also ich bin jetzt nicht so besonders spirituell. Da musst du den Bock fragen (lacht). Bei mir war es nur so, dass ich durch diese Chorzeit zum Singen gekommen bin. Da merkte ich, dass mir das Spaß macht, und dass ich es lernen kann. Aber von der Klosterschule habe ich nichts Besonderes an Spiritualität mitgenommen.

ECHO-live: Vielen Dank für das Gespräch.

02.08.2010, Nina Berg

 
BEWERTUNGEN
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Klicke bitte auf ein Sternchen, um den Artikel zu bewerten.
KOMMENTARE
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden


(noch Zeichen)
 
Bitte melde dich an, um einen Kommentar abzuschicken.
 
 
 
| Passwort vergessen |

Trebur Open Air 2010

 
 
 
 

Anzeige