"So langsam mal erwachsen werden!"

Der Darmstädter Sänger und Songschreiber Patrick Bischler. Foto: Felipe Fernandes
Der Darmstädter Sänger und Songschreiber Patrick Bischler hat ein überaus feines Gespür für Sprache und Worte, mit denen er die Probleme der Menschen in der modernen Welt umschreibt. Seine erste CD kommt Anfang September heraus und wird sicherlich ein Stück zum "Erwachsenwerden" mancher Menschen beitragen. Mit seiner Band "Milch" spielte er auf dem diesjährigen Sound Of The Forest. ECHO-live traf ihn Backstage.
ECHO-live: Auf deiner MySpace-Seite steht "So langsam mal erwachsen werden!" in dicken, fetten Großbuchstaben. Ist das ein Appell an alle?
Bischler: Das ist meine Lebensphilosophie, die ich auch an andere Menschen weitergeben kann. Mehr Verantwortung übernehmen, aber langsam und mit aller Ruhe. Ich lebe so und das transportiere ich auch in meinen Texten. Es dreht sich hauptsächlich um das Thema Zeit in den Songs, vor allem die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit.
ECHO-live: Im Jahr 2008 hat dein Projekt angefangen, mehr als ein Experiment zu sein. Mit welcher Intention sind die ersten Songs entstanden?
Bischler: Die sind entstanden, weil ich Bock darauf hatte. Ich mache schon lange Musik und habe auch immer schon in Bands gespielt. Das ist ein paar Jahre eingeschlafen und ich fing an, ein paar Songs zu schreiben. Es war das erste Mal, dass ich auf Deutsch schrieb, was unerwartet leicht fiel. Lief von Anfang an ziemlich gut.
Sebastian Wolf (links) von ECHO-live und Patrick Bischler. Foto: Felipe Fernandes
ECHO-live: Später formierte sich deine Band "Milch" um dich. Wie kamen die einzelnen Musiker zu dir?
Bischler: Ganz unterschiedlich! Mein kleiner Bruder spielt Schlagzeug, mit dem habe schon immer ein bisschen Musik gemacht. Den Gitarristen Max kenne ich auch lange, mit ihm wollte ich ursprünglich ein anderes Projekt starten. Es ist dann nach und nach zusammengewachsen.
ECHO-live: Eure erste Platte kommt Anfang September raus, also nur noch zwei Wochen bis zum Release. Wie gespannt bist du?
Bischler: Sehr gespannt! Ein großer Schnitt, von dem ich noch sehen muss, wie er sich weiterentwickelt. Das ist ein großer Schritt, den ich mit der ersten CD gehe, vor allem weil es die Erste ist. Es wird ein ganzes Album mit 14 Songs.
ECHO-live: Nun geht es in deinen Songs oft um die Makel der modernen Welt, um Dinge, über die der Mensch stolpert, die aber nie ausgesprochen werden. Sind die Schnelllebigkeit und der Perfektionismus, Themen, die deine Texte behandeln, das Gift der Menschen von heute?
Bischler: Das kann schon sein. Wir leben in einer Zeit, in der alles sehr schnell geht. Vor allem die Medien tragen dazu bei, dass Kommunikation sehr schnell stattfindet. Ich erlebe diesen Wandel persönlich und spüre den Druck auch, der auf den Menschen lastet.
ECHO-live: Kommen, wenn man sich wie du länger mit diesen Themen beschäftigt, auch Ideen für ein Leben ohne die Missstände?
Bischler: Ich versuche meinen eigenen Weg zu gehen. Gerade durch die Musikbranche bin ich leider gezwungen, viel im Internet zu kommunizieren, aber versuche trotzdem, einen Weg zu gehen, der mich von diesem Massendruck fernhält, was natürlich nicht immer leicht ist. Ich will mein Ding machen und mich nicht von diesem ganzen Strom mitreißen lassen.
ECHO-live: Gäbe es diese Missstände nicht, könnte sie auch niemand mehr anprangern. Wie würde deine Idealwelt aussehen, in der du nicht mehr Klagen müsstest?
Bischler: Das wäre eigentlich schon schade, das gehört doch dazu. Davon lebe ich als Songwriter, ich brauche solche melancholischen Themen. Ich finde die Welt, so wie sie ist schon in Ordnung. In einer Idealwelt würde es nur Liebeslieder als einzigen dramatischen Grund geben. Ist schon alles gut so.
ECHO-live: Vielen Dank für das Gespräch!
23.08.2010, Sebastian Wolf
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